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Michael Kraus : Die Suche nach der eigenen Mitte

Getrübte Stimmung in Kroatien: Michael Kraus ist verletzt und bangt um seine WM-Einsätze Bild: dpa

Vom Luftikus zum Hoffnungsträger: Vor einem Jahr suspendierte Bundestrainer Brand Michael Kraus. Seitdem hat dieser viel für das Leben gelernt. Nun soll Kraus das deutsche Spiel bei der Handball-WM lenken - doch ausgerechnet jetzt ist er verletzt.

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          Er ist immer noch ein Nachzügler, manchmal jedenfalls. Er kommt dann einfach ein bisschen später als die anderen. Neulich in Stuttgart war das wieder so, als die deutschen Handballspieler über ihre Befindlichkeiten redeten, über ihre Hoffnungen und Wünsche für die Weltmeisterschaft in Kroatien. Michael Kraus betrat den Saal als einer der Letzten, und man hätte das so interpretieren können: immer noch ein wenig unzuverlässig, immer noch ein Luftikus.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Das mag tatsächlich noch in ihm stecken, teilweise zumindest, aber es ist doch vieles anders, vieles klarer geworden im Leben des Handballprofis Kraus. Er gilt jetzt zum Beispiel als eine Stütze des Nationalteams, er soll das natürlich auch bei der Weltmeisterschaft beweisen, die für die Deutschen am kommenden Samstag in Varazdin mit dem Spiel gegen Russland beginnt.

          „Vielleicht gibt es ja noch ein Wunder“

          Doch Kraus' Mitwirken noch in der Vorrunde ist ungewiss, beim Auftakt fast ausgeschlossen. Eine Wadenverletzung hindert den Lemgoer Rückraumspieler derzeit an sportlicher Betätigung. „Vielleicht gibt es ja noch ein Wunder“, sagte Bundestrainer Heiner Brand am Freitag nach dem Training im Spielort. „Ob er überhaupt auf den Meldezettel kommt, hängt davon ab, wann er einsatzfähig sein kann. Da warten wir mal bis Samstagfrüh ab.“ Kraus hatte sich die Blessur am vorigen Sonntag im letzten WM-Test gegen Spanien zugezogen.

          Kraus und Trainer Brand in Peking im Gruppenspiel gegen Russland. Mit diesem Spiel beginnt die WM für die Deutschen in Kroatien
          Kraus und Trainer Brand in Peking im Gruppenspiel gegen Russland. Mit diesem Spiel beginnt die WM für die Deutschen in Kroatien : Bild: picture-alliance/ dpa

          Die Besetzung der Schlüsselposition bereitet Brand Kopfzerbrechen, denn bis Samstagmorgen um neun Uhr muss er offiziell seinen maximal 16 Spieler umfassenden Kader endgültig benennen. Durch den sich abzeichnenden Ausfall von Kraus steht dessen junger Lemgoer Kollege Martin Strobel gegen Russland vor der Feuertaufe. „Wenn 'Mimi' nicht spielen kann, ist er die Nummer eins“, sagte Brand. Der erst 22-jährige Junioren-Europameister von 2006 hat gerade 20 Länderspiele absolviert und bestreitet in Kroatien sein erstes großes Turnier bei den Männern. „Der Junge ist 22 Jahre alt und hat nicht viel Erfahrung. Da muss man sehen, wie er sich schlägt“, sagte Brand.

          In Peking war Brand zufrieden mit Kraus

          Kraus ist im Konzept von Brand ein eminent wichtiger Spieler, denn er steht an zentraler Position, in der Mitte des Rückraums. Von ihm wird erwartet, dass er das Spiel des Weltmeisters lenkt, dass von ihm Impulse ausgehen. Wie bei den Olympischen Spielen in Peking, die zwar zu einer Enttäuschung für die Deutschen wurden, bei denen Kraus aber seinen Part erfüllte. Bundestrainer Heiner Brand war sehr zufrieden mit ihm. Er sagt, dass Kraus Verantwortung übernommen, dass er überzeugt habe.

          Der Abstecher nach Kroatien wird für den Weltmeister zu einer Reise ins Ungewisse. Er steckt in einem Umbruch, mit einem großen Wurf ist – vorerst – nicht zu rechnen, auch wegen Kraus' vermutlichem Ausfall. Und doch könnte Deutschland für eine Überraschung gut sein. Brand verfügt ja immer noch über eine Reihe von gestandenen Handballern. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft“, sagt Kraus.

          Kraus besitzt andere Qualitäten als Baur

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