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Handball-WM : „Nur die ganz Dummen dopen noch im Wettkampf“

  • -Aktualisiert am

Nichts in der Hand gegen Dopingsünder: IHF-Präsident Moustafa möchte die Athleten nur im Wettkampf testen Bild: imago sportfotodienst

Hassan Moustafa, Präsident des Internationalen Handball-Verbandes, hält Dopingkontrollen außerhalb der Wettkämpfe für „rausgeworfenes Geld“. Der Anti-Doping-Experte Hans Holdhaus kann das nicht nachvollziehen.

          Basel hatte lange geschwiegen, wie so oft in brisanten Fällen. Am Sitz des Internationalen Handballverbandes (IHF) in der Schweiz schien man die schweren Vorwürfe gegen die IHF, gegen ihren Präsidenten Hassan Moustafa schlichtweg zu ignorieren, zumindest bis Donnerstag. Obwohl es dabei doch um die Reputation von Moustafa selbst ging, um das Image der IHF, um die Zukunft des Handballs, vielleicht sogar um seinen olympischen Status.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Die Angelegenheit berührt nun auch die Weltmeisterschaft in Kroatien, die an diesem Freitag beginnt. Ein großes Thema aber, glaubte Hans Holdhaus bis vor kurzem, werde sie dort nicht werden. Sollte heißen: Der Ägypter Moustafa, der die IHF autokratisch führt, dürfte schon dafür sorgen, dass weitgehend Ruhe herrscht. Holdhaus, der der medizinischen Kommission der IHF angehört, wird nicht nach Kroatien reisen. Er lässt sein Amt derzeit ruhen. Weil er nicht einverstanden ist mit dem Vorgehen von Moustafa, weil er beispielsweise gravierende Verstöße der IHF gegen die Anti-Doping-Bestimmungen anprangert.

          Die Kritik an Moustafa scheint nun Erfolg zu haben

          Holdhaus lässt sich da nicht beirren, er weist deutlich auf die Mängel hin, er will öffentlichen Druck erzeugen. Denn nur so könne Moustafa zu einem Umdenken bewegt werden. „Sonst ist ihm alles völlig egal.“ Immerhin scheint die Kritik an Moustafa nun Erfolg zu haben. Am Donnerstag jedenfalls teilte die IHF mit, dass man den Verpflichtungen gegenüber der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) jetzt nachkommen wolle, alle relevanten Maßnahmen sollen bis zum Frühjahr ergriffen werden. Angeblich will die IHF eine Teammeldepflicht einführen. Während der WM soll das besprochen werden.

          Der erste Klasse um die Welt fliegende Präsident: Spitzname „Pharao”

          Ob die in die Schusslinie geratene IHF nun tatsächlich nachgeben möchte? Bis zum Frühjahr 2008 hatte es etwa noch eine Anti-Doping-Einheit bei der IHF gegeben, sie sei dann aber, so Holdhaus, Knall auf Fall eingestellt worden. „Man hat uns einfach eliminiert.“ Damit wurde auch das Budget für präventive Schritte gestrichen, obwohl Holdhaus und seine Mitstreiter dafür schon ein Konzept entwickelt hatten. Schlimmer noch: Dopingkontrollen werden von der IHF nur bei Wettbewerben durchgeführt, nicht aber im Training. Das jedoch verlangt der Code der Wada, die sich deswegen auch bereits bei der IHF gemeldet hatte.

          „Nur die ganz Dummen dopen noch im Wettkampf“

          Der Anti-Doping-Experte Holdhaus kann das Verhalten der IHF nicht nachvollziehen. Er sagt: „Ich habe dafür kein Verständnis. Nur die ganz Dummen dopen noch im Wettkampf.“ Eigenartig kam ihm auch die bisherige Begründung von Moustafa vor, die Wada-Vorgaben nicht umzusetzen. Das sei, soll der Ägypter gesagt haben, rausgeworfenes Geld. Als wäre die IHF nicht in der Lage, elementare Teile des Sports zu finanzieren. Süffisant weist Holdhaus dabei darauf hin, „dass unser Präsident erster Klasse um die Welt fliegt“.

          Angeblich war Moustafa, der sich nach Angaben von IHF-Mitgliedern wie ein Diktator geriert und dessen Spitzname „Pharao“ lautet, bislang generell nicht bereit, sich intensiv mit der Doping-Thematik auseinanderzusetzen. „Ich habe versucht, mit ihm zu reden“, sagt Holdhaus, „das ist sinnlos.“

          Gewisser Hang zu Cannabis und Schmerzmitteln

          Dabei gibt es auch im Handball immer wieder Dopingfälle. So wird ein offensichtlich weitverbreiteter Hang registriert, sich mit Cannabis zu berauschen. Vor allem französische Athleten scheinen daran Gefallen gefunden zu haben; allerdings ist noch kein Handballspieler bei einer WM oder einer Europameisterschaft mit dieser Substanz ertappt worden. Immerhin aber könnte in einem Sport, der seine Protagonisten durch eine Terminhatz sehr stark belastet, in dem deswegen der Einsatz von Schmerzmitteln alltäglich zu sein scheint, auch anderer Missbrauch betrieben werden, zum Beispiel durch Anabolika.

          Ins Gerede war just auch einst die Nationalmannschaft aus Moustafas Heimat gekommen: Sie soll vor Olympia 2004 in Athen durch die Ankündigung von Dopingtests aufgeschreckt worden sein. „Die Hälfte der ägyptischen Spieler“, sagt Holdhaus, „war plötzlich nicht mehr existent.“ Angeblich hatte Moustafa, der seit 2000 an der Spitze der IHF steht und 2009 für eine dritte Amtszeit kandidieren will, jüngst schon eine Art Einlenken im Anti-Doping-Kampf angedeutet. Er stieß damit aber bei dem Fachmann Holdhaus auf Widerstand. Schließlich hatte der Ägypter nach den Worten des Österreichers klargemacht, dass er wissen wolle, wer eine Dopingprobe abgeben müsse - und zu welchem Zeitpunkt. „Das habe ich abgelehnt“, sagt Holdhaus, „das ist verrückt.“ Die IHF wird nun in Kroatien sicherlich in Sachen Doping aktiv sein, auch ohne Holdhaus. Ob das Überwachungssystem funktioniert, ist die Frage. Einer der Kollegen von Holdhaus soll sich bei der WM um dieses heikle Feld kümmern. Der Mann stammt von der Elfenbeinküste.

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