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Deutschland ist Weltmeister : Handballer feiern ihr Wintermärchen

Strahlend angestrahlte Medaillenträger Bild: REUTERS

Deutschland ist Handball-Weltmeister, zum dritten Mal nach 1938 und 1978. Im packenden, teilweise hektischen Endspiel in Köln besiegte die deutsche Auswahl Polen mit 29:24. Und dann wurde gefeiert. Karneval am Rhein - zwei Wochen vor Rosenmontag.

          Goldene Hände, Zauberhände? Hände auf alle Fälle, die ein Prachtwerk schufen: Deutschland Weltmeister im Handball - und alle Dämme brachen in der Kölnarena, die für die Deutschen zur Goldgrube wurde. Nichts hielt sie mehr, niemand konnte sie mehr bremsen, nachdem der große Wurf gelungen, nachdem Polen geschlagen war. 29:24, das ist die Chiffre des Triumphes, des dritten Titels, nach 1938 und 1978. Deutschland wieder auf dem Gipfel also, nach 29 Jahren - und damit bereits für Olympia 2008 in Peking qualifiziert, gekrönt nach einer weiteren rauschenden Aufführung.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          In infernalischem Lärm, verursacht von 19.000 enthusiastischen Zuschauern, tanzten die Deutschen ausgelassen im Kreis, als sie ihr Werk endlich vollbracht hatten. Als alle Anspannung und aller Druck von ihnen gewichen war und das Gefühl der Befreiung, der Erlösung sich Bahn brechen konnte. Und die Gewissheit, etwas Einmaliges zuwege gebracht zu haben. (Siehe auch: Kommentar: Aus den Schlagzeilen in die Zukunft)

          Brand auf dem Höhepunkt seines Schaffens

          Heiner Brand, der Bundestrainer, drückte als einen der Ersten Christian Schwarzer an seine Brust. Eine herzliche, innige Umarmung. Brand steht auf dem Höhepunkt seines Schaffens im Handball. Weltmeister als Spieler, Weltmeister als Trainer. Niemand hatte ein solches Kunststück zuvor geschafft. Der Gummersbacher, 54 Jahre alt, ist die Galionsfigur des deutschen Handballs seit langem. Das Team, das sich selbst und ihm an dem denkwürdigen Sonntag einen Traum erfüllte, trägt seine Handschrift. Brand verlangt Teamgeist, das ist das oberste Gebot, alle Spieler müssen das verinnerlichen. Und sie haben erfahren, was entstehen kann, wenn sie sich daran halten.

          Strahlend angestrahlte Medaillenträger Bilderstrecke

          Ein Wiedersehen also mit den Polen auf höchster Ebene. In der Vorrunde hatten die Deutschen 25:27 verloren, sie enttäuschten damals vor allem im Angriff und zogen schnell ihre Lehren daraus. Brand hatte das Geschehen damals exakt analysieren lassen, das blieb nicht ohne Wirkung. Sein Team wurde wesentlich schlagkräftiger, das hatten Weltmeister Spanien und zuletzt auch Europameister Frankreich zu spüren bekommen. Und die Polen sollten ein möglichst noch stärkeres Deutschland erleben, hatte Kapitän Markus Baur jedenfalls angekündigt: „Noch einmal einen draufpacken.“ Und sie schafften es auch, wenngleich zwischendurch mit einigen Mühen. (Siehe auch: Reaktionen: „Was Größeres gibt es nicht“)

          Fritz wieder in exzellenter Form

          Man kennt den Rivalen, der über einen sehr gefährlichen Rückraum verfügt, gut; viele Polen verdienen schließlich ihr Geld in der Bundesliga. Mithin war das Finale auch so etwas wie ein Liga-Treffen. Doch es trug noch eine andere pikante Note: Die Schiedsrichter des Tages stammten aus Frankreich, dem Land, aus dem die Deutschen nach dem Halbfinale heftige Vorwürfe zu hören bekommen hatten - wegen des vermeintlich sehr ausgeprägten Heimvorteils.

          Die erste Aktion in diesem Duell war auf alle Fälle schon ganz nach dem Geschmack der Deutschen: Der Hamburger Torsten Jansen erzielte artistisch das 1:0. Zwar leistete sich das Team danach einige Fehlwürfe, etwa durch Christian Zeitz. Trotzdem reichte es zur Führung, auch weil Torhüter Henning Fritz sich wieder in exzellenter Form befand. Einige Male fuhr der Kieler den Polen bereits in den ersten Minuten in die Parade; so scheiterten sie auch mit einem Kempa-Trick an dem Mann, der schon zuletzt ein großer Rückhalt war. So wuchs der Vorsprung ständig.

          Ein Bangen und Zittern

          Brands polnischer Kollege Bogdan Wenta beantragte wegen der permanenten Angriffswellen der Deutschen früh eine Auszeit. Das änderte allerdings wenig an dem Geschehen. Zeitz aber erhielt kurz danach erst einmal eine Pause, just nachdem er beim Stand von 11:7 einen Gegenstoß nicht hatte verwerten können. Mit der Geduld von Brand war es damit vorerst dabei. Trotz verpasster Gelegenheiten verteidigten die Deutschen mit dem herausragenden Fritz und einer grundsätzlich energisch zupackenden Deckung ihr Hab und Gut. Und sie hatten ja Holger Glandorf, den schmächtigen Nordhorner, der immer wieder für den unberechenbaren Zeitz einspringt. Glandorf nahm jedenfalls noch einmal Maß, ehe Teil eins dieses Handball-Nachmittags beendet war, und er traf damit zum 17:13.

          Die Deutschen wirkten bis dahin sehr entschlossen, häufig auch sehr konzentriert. Sie wollten sich die Chance, Handballgeschichte zu schreiben, natürlich keinesfalls entgehen lassen. 20:14 nach 34 Minuten, das verdeutlichte ihre Dominanz, ihre Energie. Doch plötzlich wurden die Mienen sorgenvoll: Fritz am Boden, umgeknickt bei einem Abwehrversuch, eine Beinverletzung. Die Fans skandierten seinen Namen, sie bemühten sich, ihn in seinem Schmerz aufmuntern. Fritz, der traurige Held, musste das Feld verlassen - Bewährungsprobe für Johannes Bitter, den Magdeburger. Bitter versteht sein Geschäft ja auch, er konnte es umgehend beweisen. Dennoch: Die Deutschen gerieten nun in eine schwierige Situation, sie schienen doch unsicher geworden zu sein nach dem Ausfall von Fritz. Sie verloren ihre Linie, einiges misslang ihnen in der Offensive, die Polen verkürzten den Rückstand, auf 21:22 etwa. Ein Bangen und Zittern nun.

          Auf Bitter, gefeiert wie Fritz, war zwar Verlass, aber auf die deutschen Schützen nicht mehr. Ein Nervenspiel wieder, bis Pascal Hens sich zweimal in die Höhe schwang, den Ball in das Tor wuchtete: 24:21. Ein Aufatmen bei den Deutschen, sie wurden wieder stabiler, treffsicherer auch, sie kämpften, und sie kamen aus der Bredouille. Zwei Minuten vor dem Ende ließen sie sich von ihrem Publikum schon hochleben. Sie schwenkten eine Deutschland-Fahne, sie setzten sich später goldene Kronen auf, ehe sie geehrt wurden als Nachfolger von Spanien.

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