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Handball : "Es ist Zeit für eine neue Generation"

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Kraftvoll aus dem deutschen Rückraum: der wurfgewaltige Pascal Hens Bild: picture-alliance/ dpa

Der wegen seiner dünnen Beine nur „Pommes“ genannte Pascal Hens ist eine der großen deutschen Handball-Hoffnungen. Im Interview spricht er über die WM-Chancen, die Stars von gestern - und ein Rezept, um die Stimmung beim Turnier zu befeuern, hat er auch.

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          Nach dem Abtritt der „goldenen Generation“ um Stefan Kretzschmar sollte Pascal Hens zum Gesicht des deutschen Handballs werden. Verletzungen kamen ihm jedoch immer wieder in die Quere. Mit 26 Jahren und weit über 100 Länderspielen ist der Rückraumspieler vom HSV Hamburg mittlerweile einer der Erfahrensten im Team von Heiner Brand.

          Vermissen Sie im Vorfeld der WM etwas mehr Vorfreude und Begeisterung in der Öffentlichkeit?

          Es hätte schon ein bisschen mehr sein können, aber wir spielen halt nur Handball und sind keine Fußballer. Auf eine Fußball-WM freut man sich schon fünf Monate vorher. Aber so ist es eben: Fußball ist in Deutschland Nummer eins, und dann kommt lange nichts. Trotzdem wollen wir uns mit dem Handball als Nummer zwei etablieren.

          Spüren Sie in der Mannschaft schon eine besondere Stimmung?

          Die Vorfreude und die Euphorie bei uns sind natürlich riesig. Hoffentlich schaffen wir es, ein ähnliches Feeling zu bekommen, wie es bei den Fußballern war.

          Nutzt Heiner Brand die Einmaligkeit einer Heim-WM, um zusätzlich Druck aufzubauen, wie Jürgen Klinsmann das tat?

          Überhaupt nicht. Es geht Heiner erst mal darum, dass wir körperlich topfit und taktisch gut vorbereitet sind. Was dann noch zusätzlich durch die Zuschauer kommt, das lassen wir auf uns zukommen.

          Den Druck haben Sie sich mit den Trainingsshirts mit dem Slogan „Projekt Gold“ ja auch selbst gemacht, oder?

          Das ist unser Ziel, auf das wir die ganze Zeit hinarbeiten: am Ende ganz oben zu stehen und Gold zu gewinnen. Das haben wir uns auf die Shirts gedruckt, um das auch zu repräsentieren und uns immer gegenseitig in die Köpfe zu rufen.

          Angenommen, Sie würden am Ende Dritter und hätten ein begeisterndes Turnier gespielt. Wäre das auch ein Erfolg?

          Wenn man im Halbfinale gegen eine überragende französische oder kroatische Mannschaft ausscheidet und dann Dritter wird, kann man auch zufrieden sein. Es ist zurzeit alles relativ ausgeglichen in der Weltspitze. Da kann jeder jeden schlagen.

          Was könnte den Ausschlag zugunsten der deutschen Mannschaft geben?

          Wir haben im letzten Jahr schon eine gute EM gespielt, obwohl wir einige Verletzungssorgen hatten. Wir hoffen jetzt natürlich, dass wir durch die Unterstützung im eigenen Land noch ein bisschen stärker auftrumpfen können. Wir sind bestimmt taktisch in der Weltspitze ganz weit oben. Während andere viel mit ihrer körperlichen Robustheit machen, ist das unsere Stärke.

          Konnte die Mannschaft sich angesichts der zahlreichen Verletzungen überhaupt richtig vorbereiten?

          Es ist schon recht unglücklich im Augenblick. Sich gut einzuspielen, ist da nicht einfach. Aber es ist ja auch nicht so, dass die anderen Jungs nicht da sind. Die sind beim Training da und sehen, was wir spielen. Den Rest besorgen dann die Physiotherapeuten. Ich mache mir da keine großen Sorgen.

          In der Öffentlichkeit und in den Medien wurde viel über die Rückkehr von Altstars wie Christian Schwarzer und Stefan Kretzschmar diskutiert. Wie steht die Mannschaft dazu?

          Die ganze Diskussion nimmt ein bisschen überhand. Wir sind eine Mannschaft, die bald eine WM spielt, und einige Leute reden immer nur von Kretzschmar und Schwarzer. In der Mannschaft war das nie groß ein Thema. Wir haben zwei Super-Linksaußen mit Torsten Jansen und Dominik Klein, die zum Turnier fit sind. Deshalb wird das Thema Kretzschmar auch nicht mehr groß aufkommen. Bei Christian Schwarzer muss man abwarten, wie es mit Sebastian Preiß aussieht. Wenn Blacky doch noch dazustößt, würde es mich natürlich freuen. Er ist ein Weltklasse-Kreisläufer, der uns auf jeden Fall weiterbringen würde.

          Ein Name wie Kretzschmar steht auch für Glamour und Show. Benötigt der deutsche Handball nach dem Abtritt der „goldenen Generation“ jetzt Gesichter oder Erfolge?

          Bestimmt beides. Ich glaube schon, dass wir einige Gesichter und Persönlichkeiten in der Mannschaft haben. Wenn wir jetzt ein geiles Turnier spielen, würden noch einige Gesichter mehr bei den Leuten haften bleiben. Es wird Zeit, dass in der Öffentlichkeit langsam mal aufgehört wird, über Schwarzer, Kretzschmar, Petersen zu sprechen. Es wird Zeit, dass mal neue Namen ins Spiel kommen und vielleicht über eine neue Generation gesprochen wird. Dafür wäre der Titel sicher ein wichtiger Schritt.

          Bei Ihrem Klub HSV Hamburg haben Sie mal mehr Show gefordert, um das Publikum zu packen. Gilt das auch für die Nationalmannschaft?

          Das denke ich schon. Es hilft, wenn wir da Emotionen reinbringen: dass man mal die Faust zeigt, die Arme hochreißt beim Zurücklaufen, damit der Funke auch überspringt, damit ein Hexenkessel entsteht. Das beeindruckt dann auch die anderen Mannschaften. Bei einer WM, bei der viele Spiele sehr eng sind, kann so was auch mal entscheidend sein.

          Können oder wollen Sie der Star einer deutschen Weltmeistermannschaft werden?

          Da einen einzelnen Namen als Star zu nennen, fände ich blöd. Irgendwann hat mal jemand über mich gesagt: Das ist ein Riesentalent, ein neuer Wunderlich. Jetzt wird immer noch vom großen Durchbruch geredet. Das ist doch immer dieselbe Leier. Ich bin vielleicht aufgrund der vielen Verletzungen in den letzten Jahren nicht ganz so weit gekommen und unter den Ansprüchen geblieben, die die Leute an mich hatten. Aber ich setze mich da nicht groß unter Druck. Ich werde immer Gas geben, und wenn ich dann eine gute WM spiele, freue ich mich. Und wenn wir mit der Mannschaft Weltmeister werden, freue ich mich noch viel mehr.

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