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Die WM in ungeahnten Dimensionen : Deutschland, einig Handball-Land

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Die Handball-WM zieht die Deutschen in ihren Bann Bild: AFP

Zum wahren Wintermärchen fehlt nur noch das Happyend: Ein Sieg im WM-Finale gegen Polen. Sagenhafte TV-Quoten, Public-Viewing wie im Sommer, schlechte Verlierer, strahlende Sieger, schuftende „Physios“. Ein Überblick in Stichworten.

          Selbst Heiner Brand hat zugegeben, dass er das alles nicht für möglich gehalten hat. Die durchs Land schwappende Handball-Euphoriewelle, die außergewöhnlichen TV-Quoten. Dazu fahnenschwenkende Kinder, die am frühen Morgen im Regen vor dem Mannschafshotel stehen und „Heeeeiner Braaaand“ fordern - oder pubertierende, kreischende und wild fotografierende Mädchen, die beim Anblick von „Pommes“ Pascal Hens fast die Fassung verlieren.

          Das „Wintermärchen“, so abgedroschen es auch klingen mag, ist längst Wirklichkeit geworden. Ungeachtet dessen, dass das eigentliche Happyend am Sonntag noch aussteht. Bundespräsident Horst Köhler soll vor dem Finale gegen Polen schon die ultimative „La Ola“ proben. Es entsteht der Eindruck, Deutschland ist in diesen Tagen „handballaballa“, und kaum einer will das finale nervenaufreibenden Match verpassen - nur Christel Brand ist allmählich froh, wenn alles vorbei ist. „Meine Nerven halten das nicht mehr lange aus“, sagte die First Lady des deutschen Handballs, die Ehefrau des Bundestrainers.

          Feuerwerk, Polizeieskorte, Menschenspalier - die deutschen Handballspieler sind mit ihrem Finaleinzug in ungeahnte Dimensionen vorgestoßen. Allerdings haben sie die Möglichkeit, ihren Siegeszug mit dem Weltmeistertitel zu krönen. Heiner Brand: „Es ist für die Spieler und mich nicht begreifbar, was hier abgeht. Das ist sensationell.“

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          TEUER: Ticketpreise fürs Finale wuchern

          Wer noch Karten für das WM-Finale bekommen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Für die seit Wochen mit 19.000 Zuschauern ausverkaufte Kölnarena sind Tickets nur noch über das Internet-Auktionshaus „ebay“ zu haben. Am Donnerstag wechselten zwei Karten für den Unterrang für 2.114 Euro den Besitzer. Ursprünglich kostete ein Ticket 136 Euro. Für zwei Karten im Oberrang wurden 1560 Euro gezahlt. Für Halbfinal-Karten der Begegnung Deutschland gegen Frankreich lag der Preis noch bei „schlappen“ 260 Euro.

          BITTSTELLER: Christian Zeitz braucht Tickets

          Not macht erfinderisch: Auf der Suche nach Karten für das Finale kam Christian Zeitz auf eine ungewöhnliche Idee. Wortlos passierte er die so genannte Mixed-Zone, in der Journalisten nach dem Spiel auf die Jagd nach O-Tönen gehen. In den Händen hielt er dabei einen Zettel mit der Aufschrift: „Suche zwei Karten für das Finale.“

          QUOTE: Handball knackt Schallmauer

          Bis zu 15,34 Millionen Fans sahen den Halbfinal-Krimi gegen Frankreich vor den Bildschirmen. Die ZDF-Übertragung erreichte mit 10,64 Millionen Zuschauern im Schnitt und 41,3 Prozent Marktanteil eine Einschaltquote wie bei guten Fußball-Länderspielen und war am Donnerstag das TV-Ereignis des Tages. Beim 32:31-Erfolg des DHB-Teams nach zweimaliger Verlängerung übertraf erstmals ein Handball-Spiel im deutschen Fernsehen die begehrte Zehn-Millionen-Zuschauer-Marke.

          Weder beim deutschen WM-Sieg 1978 noch beim Olympia-Finale in Athen 2004 war das Interesse so groß. Auch das zweite WM-Halbfinale zwischen Polen und Dänemark verzeichnete im DSF mit 2,16 Millionen Handball-Fans im Schnitt und einem Spitzenwert von 4 Millionen Zuschauern eine hervorragende Reichweite.

          HIT: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

          Mit jedem neuen sportlichen Erfolg des Teams um Trainer Heiner Brand ist auch die Popularität des Höhner-Songs „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ enorm gestiegen. Die Kölner Kultband hatte den zwei Jahre alten Song zum offiziellen WM-Song der deutschen Handballnationalmannschaft umgeschrieben und hatte mit diesem eine Welle der Begeisterung ausgelöst. In den AOL-Download-Charts schoss der Song in Rekordzeit auf Platz eins. Vor dem Endspiel werden die Höhner in der Kölnarena live auftreten.

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