https://www.faz.net/-gtl-uahi

Deutschland im WM-Halbfinale : Das Wintermärchen geht weiter

Mit Wucht und Gebrüll: Christian Schwarzer im Anflug Bild: dpa

Ein Handball-Krimi mit Happyend: Die deutsche Nationalmannschaft hat das WM-Viertelfinale gegen Spanien mit 27:25 gewonnen. Die nervenstarke DHB-Auswahl trifft im Halbfinale zum zweiten Mal im Turnierverlauf auf Frankreich.

          4 Min.

          Und schon wieder ein Feuerwerk des Handballs, eine Stunde des Genusses: Die Traumreise geht also weiter für die deutsche Handball-Nationalmannschaft, sie steht nach dem 27:25 über Spanien im Halbfinale der Weltmeisterschaft, das allein erfüllt sie schon mit großem Stolz. Doch das Feuer in ihr ist so stark, dass sie, nachdem sie nun auch den Titelverteidiger besiegt hat, ihr Werk auch gekrönt sehen möchte. Der Triumph über die Spanier bestärkte die Deutschen in ihrem Wunsch, den Gipfel zu erklimmen. Das ist die Botschaft des Dienstags, der dem deutschen Handball ein neues rauschhaftes Erlebnis bescherte. Im Semifinale wartet nun wieder Frankreich, das sich überraschend gegen den Favoriten Kroatien mit 21:18 durchsetzte. Die Franzosen hatte die deutsche Mannschaft in der Hauptrunde bezwungen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Es gab, kein Wunder, kein Halten mehr in der Kölner Arena, nachdem die Sirene nach dem Spiel gegen Spanien ertönt war. 19.000 Zuschauer feierten die Deutschen, als wären sie bereits ganz oben angelangt. Ein frenetisches Publikum, dazu tanzende, ausgelassene Spieler, die alle bisherigen Strapazen, vielleicht auch ihre Müdigkeit zu vergessen haben schienen: Partytime in Köln, Kapitale derzeit des Karnevals - und des Handballs. Und beseelt von der Hoffnung, dass es am Donnerstag das nächste Fest gibt.

          „Der absolute Hammer“

          „Davon konnten wir vor zwei Wochen noch nicht ausgehen, dass wir im Halbfinale stehen. Ich war mir nie sicher, dass wir gewinnen. Wir konnten uns nie entscheidend absetzen, es war bis zum Schluss ganz eng“, erklärte Bundestrainer Heiner Brand. Der Schwung, der in den vergangenen Tagen entstanden war, befähigte die deutschen Handballspieler dazu, dem Champion des vergangenen Jahres zu trotzen - und sie bewältigten die Aufgabe scheinbar auch ohne große Nervosität. Ihr inzwischen offenbar unerschütterliches Selbstvertrauen war ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

          Mit Wucht und Gebrüll: Christian Schwarzer im Anflug Bilderstrecke
          Deutschland im WM-Halbfinale : Das Wintermärchen geht weiter

          „Keiner hat mehr mit uns gerechnet, das hat uns richtig heiß gemacht“, sagte Abwehrchef Oliver Roggisch, der nach diversen Kämpfen gegen Kreisläufer-Koloss Rolando Urios ein dickes Veilchen auf der linken
          Wange hatte. „Es ist unglaublich, was hier passiert. Das ist der absolute Hammer.“

          Verheißungsvoller Start

          „Wir sind als Mannschaft aufgetreten und deshalb waren wir die Besseren. So müssen wir weitermachen“, sagte der erst während des Turniers reaktivierte Altmeister Christian Schwarzer, der vor dem größten Erfolg seiner Karriere steht: „Ich spiele schon lange Handball, aber das ist der absolute Wahnsinn.“ Am Montagabend hatte Bundestrainer Heiner Brand sicherheitshalber mit Michael Haaß einen weiteren Rückraumspieler nominiert; für ihn musste der Lemgoer Torhüter Carsten Lichtlein seinen Platz im deutschen Kader räumen. Haaß kann in der Mitte des Rückraums eingesetzt werden.

          Dort hatte zwar zuletzt Michael Kraus, der für den verletzten Kapitän Markus Baur einspringen musste, überzeugt. Allerdings mangelt es dem jungen Göppinger doch noch an Erfahrung; in Haaß, der bei der SG Kronau/Östringen unter Vertrag steht, glaubte der Bundestrainer eine Alternative gefunden zu haben. Die Spanier waren zuletzt nicht so dominant wie erwartet aufgetreten; daraus schöpften die Deutschen zusätzlichen Mut. Ihr Start war auf alle Fälle schon verheißungsvoll. Aus einer stabilen Deckung heraus erarbeitete sich Deutschland die ersten Möglichkeiten. Gegenstöße wie beim 1:0 durch den Hamburger Torsten Jansen schätzt Brand sehr; schließlich muss dadurch kein mühsamer Aufbau in der Offensive betrieben werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ganz schön neblig: Der Covid-19-Impfstoff muss in Spezialkühlschränken aufbewahrt werden bei mehr als eisigen Temperaturen.

          Corona-Impfung : Was man über mögliche Nebenwirkungen weiß

          In Deutschland wird gegen Covid-19 geimpft. Die Impfstoffe sind neu und vielen nicht geheuer, sie fürchten gar Langzeitfolgen. Dabei ist über unerwünschte Begleiterscheinungen der Spritze schon viel bekannt.
          Welche Folgen Corona-Infektionen für Sportler, hier Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im September beim Spiel in der Schweiz, haben, wird derzeit erforscht.

          Corona-Folgen für Sportler : „Wir werden Karrieren enden sehen“

          Professor Wilhelm Bloch erforscht die Langzeitfolgen von Covid-19 für Sportler. Er erklärt, was das Virus in trainierten Körpern anrichten kann, warum er nicht zur Handball-WM geflogen wäre und ob Athleten bevorzugt geimpft werden sollten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.