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Deutschland im Finale : Denkwürdiger Triumph im Nervenspiel

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Markus Baur und Dominik Klein genießen den Heldenstatus Bild: AFP

Das Halbfinale der Handball-WM zwischen Deutschland und Frankreich war an Spannung kaum zu überbieten: Nach zweimaliger Verlängerung gewann Deutschland 32:31. Nach der Schlusssirene brachen in der Kölnarena alle Dämme

          Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat das Endspiel bei der Weltmeisterschaft erreicht. Das Team von Trainer Heiner Brand setzte sich am Donnerstag vor 19.000 Zuschauern in der Köln-Arena nach zwei Verlängerungen in einem an Spannung kaum zu überbietenden Halbfinale mit 32:31 (27:27, 21:21, 11:12) gegen Europameister Frankreich durch.

          Im Finale am Sonntag trifft die deutsche Auswahl ebenfalls in Köln erneut auf Polen, das den Deutschen in der Vorrunde die einzige WM-Niederlage zugefügt hatte. (Siehe auch: Halbfinale: Polen gewinnt gegen Dänemark). Bundestrainer Brand könnte es seinem fußballerischen Vorbild Franz Beckenbauer gleich tun und nach dem Gewinn des Titels als Spieler (1978) auch die WM-Trophäe als Trainer holen. Nur der Weltmeister schafft übrigens die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.

          „Wir gewinnen mit einem Tor Unterschied“

          Das bronzene „Sommermärchen“ der deutschen Fußballer haben die Handballer schon jetzt getoppt. „Damit konnten wir vor zwei Wochen nicht rechnen. Ich habe es genossen“, sagte Brand über die neuerliche Energieleistung seiner Mannschaft, die den Franzosen schon in der Hauptrunde vor fünf Tagen mit 26:29 das Nachsehen gegeben hatten.

          Markus Baur und Dominik Klein genießen den Heldenstatus Bilderstrecke

          Vor den Augen von Bundespräsident Horst Köhler und den 19.000 enthusiastischen Zuschauern in der abermals ausverkauften Kölnarena stand die Partie auf des Messers Schneide. „Wir gewinnen mit einem Tor Unterschied“, hatte Köhler allerdings schon in der Halbzeit gemutmaßt. Er sollte recht behalten.

          Baur erzielte die entscheidenden Tore

          Doch bis es im WM-Halbfinale soweit war, sah er ein Krimi der Extraklasse: nach 60 Minuten stand es 21:21, nach der ersten Verlängerung 27:27. Im gesamten Spielverlauf wechselte ständig die Führung. Keine Mannschaft konnte sich weiter als mit zwei Toren absetzen. Deutschland führte am Anfang mit 3:1 und 5:3. Frankreich lag kurz vor der Pause 12:10 in Führung und später noch einmal 17:15. Den Ausgleich zum 21:21 erzielte der deutsche Kapitän Baur zwölf Sekunden vor Schluss.

          In der Verlängerung konnte Frankreich jeweils ein Tor vorlegen, Deutschland aber immer wieder ausgleichen. Holger Glandorf erzwang 30 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung die erneute Zusatzschicht. Mit 27:27 ging es in die zweite Verlängerung. Hier führte Deutschland 30:29 und 31:30. Eine Minute vor Schluss verwandelte Baur einen Siebenmeter zum 32:31. Im Gegenzug ließen die Franzosen den Ball fallen.

          Brand: „Ich habe es genossen“

          Mit La-Ola-Wellen und minutenlangen Ovationen feierten die Zuschauer ihre WM-Helden, die sich erschöpft in den Armen lagen und ihr Glück kaum fassen konnten. „Finale - Finale“ hallte es durch die Arena. Beste Werfer der deutschen Mannschaft waren Baur (5/4) und Glandorf (5) sowie Pascal Hens und Florian Kehrmann (beide 4). Auf Seiten Frankreichs trafen die Bundesliga-Spieler Daniel Narcisse (8) Nikola Karabatic und Joel Abati (beide 6) am besten.

          Schon in den Anfangsminuten hatten die Fans ihre WM-Helden mit Sprechchören und Gesängen nach vorn gepeitscht. Das spornte die Gastgeber zu einer abermals tadellosen Leistung in der Abwehr an. Dahinter hielt Schlussmann Henning Fritz zahlreiche schwere Bälle, so dass die deutsche Mannschaft immer wieder zu Ballgewinnen kam. Allerdings ließ im Vergleich zum Hauptrunden-Sieg die Wurfeffektivität zu wünschen übrig.

          Handball- Krimi mit Happy End

          Ohne Not warfen Pascal Hens & Co. mehrmals über das französische Gehäuse oder daran vorbei. Von 26 Würfen landeten bis zur Pause nur elf im Ziel. Vor allem Frankreichs Rückraum-Ass Karabatic traf auf der Gegenseite ein ums andere Mal und markierte bis zum 9:9 fünf Treffer. Danach kam Baur, der zunächst auf der Bank Platz genommen hatte, für Michael Kraus als Spielmacher aufs Parkett, um das mitunter hektische deutsche Spiel zu ordnen.

          Im Tollhaus am Rhein mobilisierte die DHB-Auswahl auch in der zweiten Halbzeit alle Kräfte. Mit unbändigem Willen und dem famosen Fritz als Rückhalt im Tor hielten die deutschen Spieler mit. Doch erst als der nervenstarke Baur 65 Sekunden vor dem Ende der zweiten fünfminütigen Verlängerung mit einem Siebenmeter die 32:31-Führung schaffte und der zum Mann des Spiels gewählte Fritz abermals sensationell hielt, war der Handball- Krimi mit einem Happy End vorbei.

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