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Handball : Wallaus junge Wilde haben keinen Respekt

  • -Aktualisiert am

Angriff auf die Großen der Liga: der Wallauer Weber Bild: dpa

In Wallau-Massenheim ist nach einigen schwierigen Jahren wieder neuer Mut und Angriffslust zu erkennen. In dieser Saison will man die Großen des deutschen Handballs ärgern.

          Die Zeit der Zurückhaltung ist vorüber: Acht Jahre nach dem zweiten und bislang letzten Titel ist im hessischen „Ländchen“ zwischen Wiesbaden und Frankfurt der Anspruch „deutscher Handballmeister“ wieder hoffähig.

          Der langjährige Manager der SG Wallau/Massenheim, Bodo Ströhmann, hat dies in den Folgejahren stets postuliert, gescheitert sind die Ligabesten der Jahre 1992/1993, DHB-Pokalsieger von 1994 und IHF-Pokalgewinner (1992) aber immer. Es ging abwärts, sportlich und finanziell, und im Winter 1999/2000 war die Spielgemeinschaft dem Konkurs nicht mehr fern. 18 Monate später demonstriert Manager Stephan Schoene im zweiten Jahr seiner Tätigkeit gewachsenes Selbstbewusstsein und spricht von einer „Zielvorstellung mit Platz eins bis sechs“ für die neue Saison, die Anfang September beginnt. Ähnlich forsche Töne gab es lange nicht mehr zu hören.

          Verzicht auf Ausländer

          Als sogenannte „junge Wilde“ haben die Wallauer Handballer in den zurückliegenden zwei Spielzeiten für Schlagzeilen gesorgt. Der frühere Internationale Martin Schwalb (194 Länderspiele/38 Jahre) hat Jan-Olaf Immel, Steffen Weber, Pascal Hens und Christian Rose zu Nationalspielern geformt, ausländische Spitzenkräfte waren aufgrund des vergleichsweise knappen Etats nicht finanzierbar.

          Einzige Ausnahmen: Torwart Zoran Djordjic, 117-maliger jugoslawischer Nationalspieler und Rechtsaußen Mark Schmetz aus Holland. Seither gilt Wallau als Vorzeigeklub für Nachwuchsarbeit auf hohem Niveau. Der Sprung an die deutsche Spitze wurde vor wenigen Monaten nur knapp verpaßt; auch weil Immel von der WM mit einem Bandscheibenvorfall zurückkehrte und in der Rückrunde passen mußte. Mit dem vierten Platz lag Wallau dennoch klar über den Erwartungen setzte unverhofft einen südlich-geographischen Kontrapunkt gegenüber den finanzstarken Klubs aus Magdeburg, Lemgo, Flensburg, Kiel und Essen.

          „Jetzt sind wir selber groß“

          Zwar ist Schwalb, der Bundesligatrainer des Jahres 2000, mit der konkreten Vorgabe des SG-Managers „nicht ganz einverstanden“ und will keine Tabellenpositionierung ausgeben. Aber der 38-Jährige war schon zu seiner aktiven Zeit eher ein Beschwichtiger. „Doch der Respekt ist weg“, sagt Schwalb. Zu Beginn seiner Trainerkarriere vor drei Jahren, erzählt er, habe er oft im Zimmer gesessen, seine Mannschaft vor Augen gehabt, die großen Spielernamen der Gegner studiert und sich gefragt: „Mein Gott, wie sollen wir die schlagen?“

          Vorbei. „Jetzt sind wir selber groß. Wir haben die beste halblinke Seite mit Immel, Hens und Olalla und den vielleicht besten Torwart der Bundesliga.“ Der 160-malige spanische Nationalspieler Iosu Olalla, er wechselte vom Champions-League-Sieger Portland San Antonio Pamplona nach Wallau, passt in das neue Rekordbudget von 4,3 Millionen Mark - und menschlich zu Wallau, wo es unter der Leitung von Schwalb auf mannschaftliche Homogenität und weniger auf individuelle Selbstinszenierung ankommt.

          Erinnerungen an große Zahltage

          Seit den großen Tagen zu Beginn der 90er Jahre, als die SG Wallau/Massenheim im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Badel Zagreb 10.000 Zuschauer in die Frankfurter Festhalle lockte, hat insbesondere der THW Kiel die Bundesliga dominiert. In Wallau mangelte es an Geld, daran änderte auch die zwischenzeitliche Namensänderung in SG W.M. Frankfurt (1998 bis 2000) nichts, und an schlüssigen Konzepten. Mittllerweile wird die Handball-Profisparte geführt wie ein Unternehmen mit Aufsichtsrat (Ralf Jahncke) und Geschäftsführer (Gregor Luft).

          Pekuniär über den Berg ist man noch nicht, aber auf einem guten Weg. In der Saison 2000/2001 kamen statt der kalkulierten 1600 Zuschauer pro Heimspiel 2500 in die Frankfurter Ballsporthalle, nun wird mit 2800 geplant. Was die Mannschaft auszeichnet außer intelligentem Offensivspiel? „Wir müssen in jeder Partie unbedingten Siegeswillen zeigen“, sagt Schwalb. Körperlich sei sein Team so fit wie noch nie: „Wir könnten an einem Wochenende drei Spiele gegen Kiel machen.“ Und mit dem Rechtsanwalt Olalla, der in in seiner Karriere bislang 28 nationale und internationale Titel gewonnen hat, wird die Abwehr weiter gefestigt. Einstudieren lassen hat Schwalb zuletzt als dritte Variante ein defensives 3:2:1-System. Ein „Meilenstein“ sei dies in der Entwicklung der Mannschaft. Und das klingt dann schon eher so wie früher Bodo Ströhmann.

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