https://www.faz.net/-gtl-2ezu

Handball : „Uns fehlen die Verbrechertypen“

  • Aktualisiert am

Nach den Pleiten gegen Russland (18:22), Frankreich (19:25) und Ungarn (22:33) ist der Konflikt zwischen Verband und Bundesliga um die Ziele des deutschen Damen-Handballs voll entbrannt. Zudem geht Trainer Dago Leukefeld hart mit seinen Spielerinnen ins Gericht: „Einige können mit dem Druck ebensowenig umgehen wie mit der Kritik. Uns fehlen einfach die Verbrechertypen, die auch mal kaltschnäuzig abschließen.“

          Der Sprung zurück in die Weltspitze ist kläglich gescheitert, der Konflikt zwischen Nationalmannschaft und Bundesliga scheint voll entbrannt: Deutschlands Frauenhandball befindet sich nach dem Debakel bei der Europameisterschaft in Rumänien in der Sackgasse.

          „Der Leistungssport muss der Mittelpunkt des Verbandes werden. Zwischen Nationalmannschaft und Vereinen muss es eine gemeinsame Richtung geben“, erklärte Bundestrainer Dago Leukefeld: „Ich orientiere mich schon am Machbaren und nicht am Wünschenswerten.“ Seit dem dritten Platz bei der WM 1997 im eigenen Land sucht die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) vergeblich den Anschluss zur Weltklasse. Mittlerweile haben selbst Nationen wie Frankreich den Weltmeister von 1993 überholt.

          Keine Aussicht auf Erfolg

          Den Trend bestätigten jetzt das schlechteste Abschneiden bei kontinentalen Meisterschaften überhaupt und enttäuschende Leistungen in Rumänien. Aussicht auf Besserung ist angesichts der Aufstockung der Bundesliga von zwölf auf 14 Teams ab der kommenden Saison nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Dadurch wird die Liga nicht besser, eher schlechter. Und die Situation schwieriger“, fürchtet Leukefeld. Die bislang enttäuschende Grit Jurack (Leipzig) bestätigt den Trend: „In der Bundesliga werden wir zu selten gefordert. Da reichen oft durchschnittliche Leitungen, um erfolgreich zu sein.“

          Doch nicht nur mit den Vereinen, auch mit den Spielerinnen selbst geht DHB-Coach Leukefeld nach den Pleiten gegen Russland (18:22), Frankreich (19:25) und Ungarn (22:33) hart ins Gericht. „Einige können mit dem Druck ebensowenig umgehen wie mit der Kritik. Uns fehlen einfach die Verbrechertypen, die auch mal kaltschnäuzig abschließen“, betonte der 37-jährige Thüringer.

          Schwerfällige Spielerinnen

          Insbesondere vermeintliche Leistungträgerinnen wie Franziska Heinz (Dortmund) sowie das Leipziger Duo Ingrida Radzeviciute und Grit Jurack - in ihren Vereinen allesamt Stars - erwiesen sich als Nervenbündel. Die 23-jährige Linkshänderin Jurack, deren Stern vor vier Jahren bei der EM 1996 aufging, wirkt auffällig schwerfällig und gesteht: „Zuletzt haben wir in Leipzig nicht Schnellkraft, sondern Kraft-Ausdauer trainiert.“

          Natürlich weiß auch Leukefeld um die wirtschaftlichen Zwänge der Vereinsmannschaften. „Doch die Bundesliga ist im internationalen Vergleich kein Spitzenverband mehr. Lützellinden lebt in erster Linie von Altstars oder eingebürgerten Spielerinnen.“ Um die Spannungen zwischen Auswahl und Liga zu entschärfen und den deutschen Frauenhandball zurück auf die Erfolgsspur zu führen, soll es künftig eine Gruppe geben, die zwischen den beiden „Parteien“ vermitteln soll. „Die Koordination und die gegenseitige Akzeptanz von Bundesliga und Nationalmannschaft sind für die Zukunft sehr wichtig“, betonte DHB-Sportdirektor Peter Sichelschmidt.

          Weitere Themen

          Deutsche Damen folgen den Herren ins Halbfinale

          Hockey-EM : Deutsche Damen folgen den Herren ins Halbfinale

          Die deutschen Hockey-Damen haben sich das Leben selbst schwer gemacht. Aber nach dem Unentschieden gegen Irland stehen sie dennoch im Halbfinale der EM in Belgien. Die Männer müssen in der Runde der letzte vier gegen den Gastgeber spielen.

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Bastian Benrath

          F.A.Z.-Sprinter : Dunkle Wolken am Sommerhimmel

          In Sachsen beginnt der Prozess im Mordfall Daniel H., und in Paris möchte Boris Johnson weiter Zugeständnisse beim Brexit-Abkommen erwirken. Wie sie dennoch zu einem lockeren Sommertag kommen, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.