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Handball : Tempogegenstoß mit Internet-Brokern

  • -Aktualisiert am

Schon bei der WM Ende Januar wird die deutsche Handball-Nationalmannschaft für die Systracom Bank werben. Schnelles Spiel und schnelle Bank passen zusammen, hoffen die Verantwortlichen.

          Ein Sinn für Trends hatte der Deutsche Handball-Bund (DHB) noch nie. In einer Zeit, in der die Firmen der New Economy als Sportsponsoren hauptsächlich Negativschlagzeilen machen, unterschreibt der DHB einen Zwei-Jahres-Vertrag mit der Systracom Bank AG als Geldgeber. Bereits bei der am 23. Januar beginnenden Handball-Weltmeisterschaft in Frankreich treten die Internet-Broker als Hauptsponsor der Nationalmannschaft auf.

          Die Verantwortlichen flüchten sich bei der Unterschrift in Platitüden: „Schneller Handballsport und schnelles Ordern per Internet besitzen gleichermaßen eine hervorragende Zukunft. Die Zusammenarbeit zwischen DHB und Systracom wird für beide Seiten erfolgreich sein", meint DHB-Präsident Ulrich Strombach. Mit Sport als Teaser kämpft das junge Unternehmen um Bekanntheit. „Systracom wird Spitzenspiele der Handball-Nationalmannschaft nach Berlin holen", erklärte Vorstandssprecher Klaus-Peter Möritz.

          Gedenken an Metabox

          Ähnlich vollmundig hatten sich in der Vergangenheit auch andere Firmen der neuen Wirtschaft gegeben. Doch oft war das Glück nicht von langer Dauer. Zuletzt hatte der Basketball-Bundesligist Metabox Braunschweig seinen gleichnamigen Sponsor verloren. Metabox hatte dem Verein 13,5 Millionen Mark für die nächsten drei Jahre zugesichert, aber nach dem Börsen-Crash war im Dezember vergangenen Jahres die Geldquelle versiegt.

          Nicht besser erging es dem Fußball-Club FC Augsburg und den Eishockey-Team der Ausgsburg Panthers. Die hofften auf die millionenschwere Unterstützung von Infomatec, deren Gründer Gerhard Herlos mittlerweile wegen Verdacht auf Insidergeschäfte und zweifachen Kursbetruges in Untersuchungshaft sitzt.

          Handball muss nehmen, was kommt

          Nun kommt es zu einer Kooperation zwischen dem einstmals etablierten Verband und einem Start-Up. Der Internet-Broker aus Berlin ist am 21. September vergangenen Jahres gestartet, mittelfristig ist der Börsengang geplant. Finanziert wird der Deal aus der Werbekampagne von Systracom. Zur Etablierung der Marke hat Möritz alleine 20 Millionen Mark bis Ende 2000 eingeplant, weitere 40 Millionen Mark sind bis zum Ende 2001 vorgesehen.

          Der Handball in seiner derzeitigen Imagesituation muss an Partnern nehmen, was kommt. Denn in der Beliebtheit ist diese Sportart weit abgesunken. Bei der Studie „Marken des Sports" des Kölner Marktforschungsinstituts SPORT + MARKT AG im Oktober 2000 liegt der Handball bei neun Prozent. Davor liegt Eishockey mit 13 Prozent, während Basketball (7) und Volleyball (6) noch dahinter liegen. Aber diese Mannschaftssportarten liegen gegenüber Fußball (65), Automobilsport (58) und Boxen (30) weit abgeschlagen.

          Kein glückliches Händchen bei der Sponsorensuche

          Schon in der Vergangenheit hatte der Handball-Bund Probleme bei der Sponsorensuche. Ein mit 750.000 Mark jährlich dotierter Vertrag mit der Brauerei Krombacher wurde aufgelöst, nachdem bei der Frauen-Weltmeisterschaft 1997 in Berlin ein alkoholisierter Zuschauer zwei dänische Fans niederstach. Später
          kooperierten die Handballer mit dem Unternehmen Gin Tonic, das mit seiner „SportsWear-Linie" auf den Trikots warb. Damit verärgerte der DHB seinen Ausrüster Nike. Das Thema Gin Tonic ist jetzt getrunken, Nike bleibt auch im Jahr 2001 Ausrüster.

          Der finanziell in Nöte geratene Verband schloss dann einen Vertrag mit der Kölner Firma Maxima, die als Sponsor den Traditionsclub VfL Gummersbach in noch größere finanzielle Bedrängnis brachte und auch dem DHB die zugesagten Gelder nicht zahlte. Heute existiert das Unternehmen nur noch für die Gerichte. Nach 18-monatigen Ermittlungen schickte die Kölner Staatsanwaltschaft nun eine 342 Seiten umfassende Anklageschrift an die 14. Große Strafkammer des Kölner Landgerichts. Den beiden Vorständen Ulrich Simon und Karl Peter Hieb droht ein Verfahren wegen Untreue, Betrug, Insolvenzdelikten und Verstöße gegen das Versicherungsaufsichtsgesetz.

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