https://www.faz.net/-gtl-9lg4a

Handball-Champions-League : „Scheiß-Situation“

  • Aktualisiert am

Frustrierte Löwen: Nach Aus im Pokal und Rückstand in der Liga auch in der Champions-League gescheitert Bild: dpa

Die Handballer der Rhein-Neckar Löwen gehen in der letzten Saison von Erfolgstrainer Jacobsen leer aus. Mit dem knappen Aus in der Champions League ist die letzte Titeloption dahin.

          2 Min.

          Der riesigen Enttäuschung folgte die große Stille. Es dauerte eine Weile, bis die frustrierten Handballer der Rhein-Neckar Löwen nach dem bitteren Aus in der Champions League beim Vorjahresfinalteilnehmer HBC Nantes ihre Kabinentür öffneten und mit versteinerten Mienen zum Bus schlichen. Durch das 27:30 (14:14) im Rückspiel gingen die Löwen bereits zum fünften Mal nacheinander im Achtelfinale der Königsklasse K.o. und verspielten damit ihre letzte Titelchance in dieser Saison. „Das ist eine Scheiß-Situation“, beschrieb Kapitän Andy Schmid in drastischen Worten die Gefühlslage.

          Es wird also nichts mit einem Abschiedsgeschenk für den im Sommer scheidenden Erfolgstrainer Nikolaj Jacobsen. „Das hat er nicht verdient, aber wir haben alles gegeben“, sagte Kreisläufer Jannik Kohlbacher. Jacobsen fühlte in der Stunde des Scheiterns mit seiner Mannschaft, die er zwischen 2016 und 2018 zu drei Supercuptiteln, zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg geführt hatte. „Das ist hart für die Jungs“, sagte der dänische Weltmeister-Coach.

          48 Stunden nach der Bundesliga-Niederlage beim Abstiegskandidaten VfL Gummersbach erwischten die Nordbadener einen guten Start in die Begegnung und führten 7:3 (10.). Danach ließ die Mannschaft aber zu viele Torchancen ungenutzt und ging mit einem 14:14 in die Pause. Nach dem Seitenwechsel legte Nantes ein 21:18 (41.) vor. Bei den Löwen kamen die Torhüter Andreas Palicka und Mikael Appelgren nicht ins Spiel. Mit dem siebten Feldspieler im Angriff kämpften sie sich aber zurück und kamen beim Anschlusstreffer zum 25:26 (53.) wieder dem Viertelfinale nahe. Doch in der Schlussphase kehrte die Abschlussschwäche zurück und die Franzosen zogen in die nächste Runde ein.

          „Wir hatten es selbst in der Hand und müssen die Schuld bei uns suchen“, sagte Nationalspieler Patrick Groetzki. Vor allem aus dem Rückraum fehlte die Torgefahr, die Nantes in Person von Romain Lagarde hatte. Der 22-Jährige, der 2020 zu den Löwen wechseln wird, war mit acht Toren der beste Werfer beim Sieger. „Es ist bitter, hier so auszuscheiden“, sagte Schmid, „aber es passt ein bisschen zu dieser Saison. Dass es nach den unglaublich erfolgreichen Jahren auch mal so etwas geben wird, war zwar nicht absehbar, aber wir müssen es in Kauf nehmen. Jetzt sind wir zurück auf dem Boden.“ Die Nordbadener waren zuvor bereits im DHB-Pokal gescheitert und haben auch in der Meisterschaft bei acht Punkten Rückstand auf Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt keine realistische Titelchance mehr.

          Unaufgeregt nahm der Sportliche Leiter Oliver Roggisch das Verpassen aller Saisonziele: „Wir sind alle verwöhnt aus den vergangenen Jahren. Eine Saison ohne Champions League kann dieser Verein verkraften.“ Derzeit sind die Löwen in der Bundesliga nur Vierter - vier Punkte hinter dem THW Kiel auf Rang zwei, der das Ticket für die Königsklasse bringt.

          „Es wird schwer, die Mannschaft jetzt aufzubauen“, räumte Jacobsen ein. „Aber wir wollen Dritter oder Vierter werden, damit wir sicher in der nächsten Saison im EHF-Pokal dabei sind.“ Diesen Wettbewerb gewannen die Löwen übrigens 2013 schon einmal - damals durch einen Finalsieg in Nantes. Ein solches Happy End blieb ihnen diesmal verwehrt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Müller? Boateng? Hummels? Bundestrainer Joachim Löw schraubt derzeit an seinen Formulierungen zum Thema.

          Rückkehrer für DFB-Team : Die Verrenkungen des Joachim Löw

          Um die Form von Müller, Boateng und Hummels muss man sich keine Sorgen machen. Es ist der Bundestrainer, der in Form kommen muss, wenn es in diesem Sommer bei der Fußball-EM etwas werden soll.
          Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang

          Kritik an Verfassungsschutz : Geschwätzige Geheimnisträger

          Bei dem Versuch, die AfD zu beobachten, handelt sich der Verfassungsschutz Kritik ein. Schon wieder sind Details nach außen gedrungen. Dabei steht der Dienst eigentlich für Verschwiegenheit. Was ist da los?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.