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Handball : Großwallstadt: Konkurs abgewendet und Primus besiegt

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Darf wohl auch nächstes Jahr noch Bundesliga in Großwallstadt spielen: Gabor Decsi Bild: AP

Vier Topteams der Bundesliga verloren am 25. Spieltag auswärts, der TV Großwallstadt verzeichnete dagegen gleich zwei Erfolgserlebnisse.

          Vier Topteams der Bundesliga verloren am 25. Spieltag auswärts, der TV Großwallstadt verzeichnete dagegen gleich zwei Erfolgserlebnisse.

          Der VfL Bad Schwartau unterlag mit 24:30 (13:14) beim Tabellenzweiten TBV Lemgo, die SG Wallau/Massenheim kassierte bei der SG Hameln ein überraschendes 22:28 (10:11). Der THW Kiel verlor mit 23:29 (11:12) bei der HSG Wetzlar und in der Bundesligta weiter an Boden. Besonders bemerkenswert war aber die erste Niederlage von Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt seit dem 25. Oktober 2000. Dafür zeichnete der TV Großwallstadt verantwortlich, der mit 24:22 (12:9) die Oberhand behielt.

          Bürgschaft über 700.000 Mark soll die Lizenz sichern

          Ausgerechnet Großwallstadt. Zuletzt hatte der Traditionsverein massive Probleme bei der Abgabe der Lizenzierungsunterlagen, da sich Hauptsponsor Honda zurückgezogen hatte. Wie schon 1998 standen die Mainfranken vor dem Konkurs, wie seinerzeit konnte Siegfried Roch inzwischen Entwarnung geben. Die Großwallstädter Torwart-Legende ging vor drei Jahren in die Verantwortung, ist jetzt Manager des TVG.

          Und übergab als solcher beim Deutschen Handball-Bund (DHB) den Lizenzantrag. Das war überhaupt nur möglich, weil die Etat-Unterdeckung durch eine Bürgschaft in Höhe von 700.000 Mark ausgeglichen worden war. Private Gönner und Sponsoren, die teilweise durch Spendenaufrufe eines lokalen Radiosenders geködert worden sind, stehen für diese Bürgschaft gerade. „Das Budget von 3,1 Millionen Mark ist gesichert“, erklärte Roch. „Wir haben keine Bedenken mehr, die Lizenz nicht zu erhalten.“ Der Verein sei dennoch weiter auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor, damit die Bürgschaft gar nicht erst in Anspruch genommen werden müsse.

          Großwallstadt bleibt der Favoritenschreck

          Auf dem Spielfeld präsentierte sich der TVG regelrecht beflügelt von den positiven Nachrichten aus dem wirtschaftlichen Umfeld. Die Mannschaft von Trainer Peter Meisinger lag gegen die ohne vier Stammspieler angetretenen Flensburger schon nach fünf Minuten mit 5:0 in Führung. „Es ist sensationell, wie die Mannschaft zurzeit spielt“, lobte Meisinger seine Schützlinge, die mit Kiel, Magdeburg, Wallau-Massenheim und Flensburg-Handewitt nun schon vier Spitzenteams in die Knie gezwungen haben.

          Für den Spitzenreiter aus dem hohen Norden war der Ausrutscher in Mainfranken allerdings nicht allzu dramatisch, da bis auf Lemgo und den SC Magdeburg (der erst am Freitag gegen die HSG Nordhorn spielt) alle Mitkonkurrenten patzten. „Wir haben nach dem Fehlstart nie ins Spiel gefunden“, sagte SG-Coach Erik-Veje Rasmussen. „Diese Niederlage müssen wir schnell vergessen, um unser Ziel nicht zu gefährden.“ Und das lautet: endlich Meister werden.

          Vielleicht hat ja Lemgo etwas dagegen. Der TBV revanchierte sich gegen Bad Schwartau für die Pokal-Niederlage und rückte bis auf drei Punkte an Flensburg-Handewitt heran. Vor allem das in Topform agierende Rückraum-Trio Volker Zerbe, Daniel Stephan und Marc Baumgartner lässt die Mannschaft von Trainer Juri Schewzow weiter vom Meistertitel träumen.

          Burn-out-Syndrom bei Seriensieger Kiel

          In der Champions League steht Kiel im Halbfinale, in der Meisterschaft ist der Zug für den Seriensieger nach der Schlappe in Wetzlar aber schon abgefahren. Nach der vierten Pleite im fünften Spiel stehen bereits neun Punkte Rückstand auf den schleswig-holsteinischen Erzrivalen zu Buche. Kiels Manager Uwe Schwenker wollte bei seiner Mannschaft das Burn-out-Syndrom erkannt haben: „Wille und Einstellung sind bei uns einfach nicht da. Viele sind müde. Aber es sind ja Menschen, keine Maschinen.“

          Wie ein Uhrwerk lief dagegen in der Schlussphase das Spiel der Hessen um den überragenden Markus Baur. Punktgleich mit Nordhorn rangiert Wetzlar nun im Mittelfeld der Tabelle, doch Trainer Velimir Petkovic warnt: „Wir dürfen nicht in Euphorie verfallen. Das war noch nicht der Klassenerhalt.“

          Mit dem VfL Hameln punktete nämlich auch ein unmittelbarer Mitkonkurrent im Abstiegskampf. Das überraschende 28:22 über die hoch gehandelte SG Wallau-Massenheim war der erste Erfolg unter dem neuen Trainer Nikola Beslac.

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