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Halbfinals bei Handball-EM : Mit „Balkan-Blut“ und nordischer Gelassenheit

  • -Aktualisiert am

Voller Emotionen: Ljubomir Vranjes, Trainer von Slowenien, bei der Handball-EM Bild: Reuters

Von Vranjes bis Cervar: Die Trainer, die nach dem EM-Titel streben, haben allesamt ihre Besonderheiten. Doch wer setzt sich am Ende durch? Und wer muss sich geschlagen geben?

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          Es war ein Satz mit Folgen, der Ljubomir Vranjes auf den Posten des slowenischen Nationaltrainers brachte. Der Handball-Verband Sloweniens war gar nicht unzufrieden mit den Plazierungen unter Trainer Veselin Vujovic. Der Serbe genießt auf dem Balkan Legendenstatus. Seine Menschenführung war aber oft fragwürdig. Es war eine Aussage Vujovics als Vereins-Trainer des kroatischen Spitzenklubs RK Zagreb, den er neben den Slowenen betreute, die ihn im November 2019 den Job kostete: Einen seiner Spieler wollte er „zum Sterben wegschicken“, sagte Vujovic in der Auszeit eines Spiels, unzufrieden mit dessen Leistung. Wenig später hatte Vujovic seine Kündigung auf dem Tisch.

          Daraufhin hob Vranjes den Finger; er hatte ja Erfahrungen in der Führung von Nationalteams gesammelt – erst in Serbien, später in Ungarn, wenig erfolgreich. Auch das mit viel Brimborium angekündigte „Abenteuer“ bei Telekom Veszprem war für Vranjes nach hinten losgegangen. So stand der Handball-Lehrer im Oktober 2018 ziemlich allein da; der gute Ruf aus Bundesligatagen trug nicht mehr. Immerhin hatte Vranjes die SG Flensburg-Handewitt zum Gewinn der Champions League 2014 geführt. Doch wer den 166 Zentimeter kleinen Trainer in diesen Tagen bei der EM sieht, spürt das Feuer lodern. Mehr als das: „Ich habe Balkan-Blut und skandinavische Gelassenheit in mir. Das ist eine gute Mischung. Und ich weiß, was im Handball zählt“, sagte Vranjes der „Handballwoche“.

          Durch die Vorrunde sind die Slowenen nahezu „spaziert“. Die erste Niederlage im Turnier am Mittwoch gegen Norwegen tat nicht weh – sie waren schon vorher im Halbfinale. Dort wartet an diesem Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM) in Stockholm Spanien. Für Vranjes, den Schweden aus Göteborg mit serbischen Wurzeln, ist es eine triumphale Rückkehr. Nicht wenige empfanden die Unterzeichnung des Vertrages beim schwedischen Spitzenklub IFK Kristianstad im März 2019 als Zurückstufung, nachdem es zuvor immer ein Treppchen aufwärts gegangen war. Vranjes nicht. Gerade sagte er, dass er zurück in die Bundesliga wolle. Mit den Slowenen bewirbt er sich eindrucksvoll für eine Wiedereingliederung ins deutsche Oberhaus.

          In Aktion: Kroatiens Nationaltrainer Lino Cervar bei der Handball-EM, hier in Wien

          Es sind interessante Trainerfiguren, die aufeinandertreffen. Den Status des Favoriten hat Christian Berge akzeptiert. „Wir waren bei der WM Zweiter, da ist es doch klar, dass wir jetzt Erster werden wollen“, sagte er vor dem Turnier. Seit 2014 steht der frühere Flensburger Coach an der Seitenlinie Norwegens. Mit seiner großen, blauen Brille und dem Norwegerpullover sieht er aus wie ein Grundschullehrer. Er hat einiges durchgemacht. Zweimal litt er als Spieler unter Lymphdrüsenkrebs. Deswegen endete die Karriere früh. An der Bank steht er stets mit Gehörschutz, denn ein Tinnitus beeinträchtigt ihn.

          Aber da steckt mehr Vitalität und Energie in diesem Trondheimer, als man vermuten mag. Berge will nicht beliebt sein, was die traditionell auf Harmonie bedachten Norweger irritiert. „Ich könnte politisch korrekt über die Mannschaft sagen, alle sind gleich wichtig. Aber das stimmt nicht. Sander Sagosen und Göran Johannessen schreibe ich in großen Buchstaben“, sagte Berge in einem Interview. Und weiter: „Ich instruiere wenig und höre viel zu. Meine wichtigste Aufgabe ist, ihnen das Vertrauen zu geben, sie selbst zu sein.“ Ungeschlagen bislang, wird sich Berges Team an diesem Freitag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM) im Duell mit Kroatien einer harten Prüfung unterziehen müssen.

          Denn gegen Vranjes und seine Slowenen und Berge und seine Norweger spielen Teams, die mit allen Wassern gewaschen sind. Die Spanier als Titelverteidiger mit ihrem zurückhaltenden Trainer Jordi Ribera scheint nichts aus der Ruhe bringen zu können. Eine Mannschaft voller Erfahrung, voller Klasse. Und dann ist da noch Lino Cervar. Das „Rumpelstilzchen“ an der Seitenlinie möchte am Ende der Karriere unbedingt die Krönung mit Kroatien. Ein Glück, dass Spielführer Domagoj Duvnjak immer weiß, was zu tun ist – und bisweilen einfach ignoriert, was Cervar angesagt hat.

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