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Rote Karte gegen Niederlande : Der traurige EM-Start des Uwe Gensheimer

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Uwe Gensheimer (rechts) trifft Torwart Bart Ravensbergen beim Siebenmeter am Kopf. Bild: Picture-Alliance

Uwe Gensheimer ist das Star des deutschen Handball-Teams. Für die EM hat er sich – mal wieder – viel vorgenommen und hofft auf den großen Wurf. Doch der Auftakt gerät so gar nicht nach seinem Geschmack.

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          Uwe Gensheimer verließ das Feld mit gesenktem Haupt. Exakt 15 Minuten und 53 Sekunden waren beim deutschen EM-Auftakt gegen die Niederlande gespielt, da war der Arbeitstag für den Kapitän der deutschen Handballer bereits beendet: Rote Karte wegen unsportlichen Verhaltens. Gensheimer hatte den gegnerischen Torhüter Bart Ravensbergen beim Siebenmeter voll im Gesicht getroffen – den Schiedsrichtern blieb nach Ansicht der Videobilder keine andere Wahl.

          Es war Gensheimers zweiter vergebener Siebenmeter in der ersten Viertelstunde – eine ungewöhnliche Quote für den ansonsten so treffsicheren Kapitän. „Das hat sich nicht gut angefühlt“, sagte Gensheimer: „Jetzt bin ich erleichtert, jetzt kann ich locker sein, zwischendurch war ich das nicht. Aber es war eine klare rote Karte, der Torwart hat sich nicht bewegt.“

          Anstatt also gegen den international zweitklassigen Gegner wichtiges Selbstvertrauen für den Kampf um den ersehnten Titel zu tanken, verfolgte Gensheimer die Partie fortan von der Tribüne aus. Anders als etwa im Fußball zieht eine Rote Karte aber nicht automatisch eine Sperre für die nächsten Spiele nach sich. Gensheimer darf an diesem Samstag (18.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und in der ARD) gegen Spanien wieder spielen.

          Der 33-Jährige erlebte einen traurigen Start in ein Turnier, das seines werden soll. Bei der EM in Norwegen, Österreich und Schweden kämpft Gensheimer schließlich für seinen sportlichen Traum. „Mein ganz großes Ziel bleibt ein Titel mit der Nationalmannschaft“, sagte Gensheimer dem „Mannheimer Morgen“. Es sei „kein Geheimnis“, fügte er im Gespräch mit dem „Sportbuzzer“ hinzu, „dass ich gern mehr erreicht hätte“. Gensheimer weiß: „Ich bin jetzt im Herbst meiner Karriere, und irgendwann ist die zu Ende.“

          Die EM ist bereits sein sechstes Turnier als Anführer des DHB-Teams, und Gensheimers Gier nach dem großen Wurf ist riesig. Der vielleicht beste Linksaußen der Welt will schließlich nicht als „Uwe, der Unvollendete“ abtreten. Für dieses Ziel befindet sich Gensheimer im Tunnel. Weil sein langjähriger Zimmerpartner Patrick Groetzki diesmal nicht dabei ist, belegt der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen als einziger der 17 Spieler ein Einzelzimmer. Ein Privileg, das sich der Mann mit dem genialen Handgelenk in den vergangenen Jahren verdient hat.

          „Er hat sich neben Hendrik Pekeler als mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld bewährt. Er nimmt die Mannschaft mit, geht voran, obwohl er auf einer Abnehmer-Position spielt, pusht das Team und die Fans“, sagte Bundestrainer Christian Prokop dem Sport Informations Dienst und bescheinigte Gensheimer „eine ganz tolle Entwicklung in den letzten zwei, drei Jahren“. Vor allem habe sich „Uwe in seiner Persönlichkeit weiterentwickelt“.

          Gensheimer hat seit seinem Debüt in der Nationalmannschaft 2005 in 177 Länderspielen sage und schreibe 1015 Treffer erzielt. Seit 2014 führt Gensheimer das Team an und ist längst der unumstrittene Star des deutschen Handballs. Er ist regelmäßig in Fernsehshows zu sehen, wird von den Kids geliebt und stellt mit seinen 236.000 Followern bei Instagram sogar viele Fußballstars inzwischen in den Schatten.

          Gensheimers Geschichte im DHB-Dress ist seit jeher eine besondere. Seit seinem Debüt vor 15 Jahren ist der gebürtige Mannheimer immer mehr in die Rolle einer prägenden Figur gewachsen, er holte mit Bronze in Rio sogar eine olympische Medaille – der ganz große Wurf im Trikot mit dem Adler auf der Brust gelang dem trickreichen Torjäger aber bis heute (noch) nicht.

          Handball-EM 2020

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