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Handball-Titel : Spanien und die Vorteile bei der EM

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Wieder bejubelt Spanien den Titel bei der Handball-EM. Bild: dpa

Spanien Handballer haben ihren Titel erfolgreich verteidigt, und das mit einem erfahrenen Team. Im Reise- und Spielstress dieser aufgeblähten EM gab es neben dem Wissen, wie man etwa gewinnt, einen weiteren Vorteil.

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          In der Interviewzone wirkten die Spieler, als wäre jeder weitere Schritt eine Qual. „Unsere Batterien sind auf null“, sagte Gedeon Guardiola von den Rhein-Neckar Löwen, „wir wollen jetzt nur nach Madrid und mit unseren Fans feiern.“ Guardiola und seine Kollegen der spanischen Handball-Nationalmannschaft besiegten Kroatien am Sonntag in einem harten und zähen Finale 22:20. Es war auch deswegen so torarm, weil keiner mehr konnte. Am Ende gewann das Team mit der besseren Abwehr und dem besseren Torwart.

          Spanien hat seinen Titel verteidigt, und das mit einer Mannschaft der Erfahrung. Fünf der sieben Kernspieler sind 30 Jahre alt und älter. Der beeindruckend kühle Kopf des Teams ist der 38 Jahre alte Spielmacher Raul Entrerrios. Kreisläufer Juan Aguinagalde ist 37, Abwehrchef Viran Morros nur ein Jahr jünger. Von der ersten Partie in Trondheim bis zum Finale in Stockholm haben die Spanier den Gegnern ihre Spielweise aufgezwängt, Geschwindigkeit verhindert, auf individuelle Klasse im Rückraum und am Kreis vertraut: So holt man Titel. Für die Federacion Espanola de Balonmano war es die achte Medaille bei 14 ausgespielten Europameisterschaften. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio gab es als Sahnehäubchen obendrauf für den alten und neuen Champion des Kontinents.

          Im Reise- und Spielstress dieser aufgeblähten EM gab es neben dem Wissen, wie man etwas gewinnt, einen weiteren Vorteil für Spanien. Ihre Hauptakteure spielen entweder beim FC Barcelona oder in Europas Osten bei Kielce und Szeged. Der immer lösungsorientierte Nationaltrainer Jordi Ribera versammelte seine Auswahl am 26. Dezember. Da hatten seine Stars zehn freie Tage hinter sich, denn die Ligen, aus denen sie kommen, hatten längst Weihnachtsferien.

          Man muss nicht alles Geschehene dieser EM mit dem Deutschen Handballbund in Beziehung setzen. Aber Bundestrainer Christian Prokop hatte in seinem Fazit zu Recht darauf hingewiesen, dass es noch am 29. Dezember einen Bundesliga-Spieltag gegeben hatte. Das reduzierte seine Lehrgangstage auf ein Minimum. Den Stress der Bundesliga mit schweren Spielen an jedem Wochenende haben die Spanier weder in ihrer schwachen heimischen Liga, wo der FC Barcelona seit Jahren unangefochten dominiert, noch in Polen oder Ungarn, wo Kielce und Szeged dominieren.

          Riberas Spieler sind zwar vergleichsweise alt, aber sie kommen frisch zur Nationalmannschaft – und Verletzte haben die Spanier sehr selten. Das sind entscheidende Wettbewerbsvorteile. Dass der spanische Verband in der persönlichen Ausbildung der jungen Spieler viel richtig macht, hilft Ribera darüber hinaus, denn es kommen immer Talente nach, wie jetzt Aleix Gomez.

          Hierzulande ist man stolz auf die funktionierende Liga und will den Erfolg der Nationalmannschaft. In Spanien spielt die Liga keine Rolle, nur das Nationalteam zählt. Man kann es am Kalender ablesen: Während die Handball-Bundesliga schon am Wochenende mit den Krachern Flensburg gegen Magdeburg und Hannover gegen Kiel weitergeht, pausiert die Liga Asobal bis zum 6. Februar.

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