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Premier Handball League : Kampfansage an die Champions League

  • -Aktualisiert am

Der Handball liegt im Spielfeld: Wer nimmt ihn auf? Bild: Picture-Alliance

Bisher wird Europas Handball-König in der Champions League gekürt. Nun allerdings gibt es Pläne für eine neue Liga. Sie sind ambitioniert – und stoßen auf positive Resonanz.

          Wolfgang Gütschow kennt die Gepflogenheiten des Handballs aus dem Effeff, und er ist bestens vernetzt in der Szene. Er berät Spieler wie Nationaltorhüter Carsten Lichtlein, zu seinem Kundenkreis gehört aber auch Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Jetzt will Gütschow in eine neue Dimension vorstoßen, es geht dabei um ein Handball-Gebilde, über das seit längerem schon diskutiert wird: eine europäische Superliga.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Gütschow hat dafür bereits ein Konstrukt unter der Bezeichnung Premier Handball League AG (PHL) geschaffen. Die AG wurde im vergangenen November in Zürich ins Handelsregister eingetragen, Gütschow ist der Präsident des Verwaltungsrates der PHL. Die von Investoren finanzierte PHL soll, wie ihr Initiator gegenüber dem „Handelsblatt“ sagte, im Jahr 2019 starten. Und sie soll die Champions League ersetzen.

          Gütschow findet, dass der Handball dringend modernisiert werden müsse. „Er hat kein vermarktbares Premiumprodukt. Die Spitze der Branche muss sich von Provinz-Image und Kapuzenjacken trennen.“ Er positioniert sich damit als Herausforderer des Europäischen Handballverbandes (EHF), der die Champions League mit dem Finale in Köln organisiert. Der Wettbewerb wirkt inzwischen ein wenig aufgebläht, weckt aber zumindest mit der Endrunde in Köln große Aufmerksamkeit.

          Die EHF äußert sich vorläufig nur zurückhaltend zu dem Thema PHL. Man werde sich mit dieser Angelegenheit befassen, sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer am Montag, sie jedoch sorgfältig behandeln. Es ist nicht zu erwarten, dass die EHF ohne weiteres klein beigibt. „Sie wird mit allen Mitteln um die Champions League kämpfen“, sagt Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL). Notfalls, vermutet er, sogar mit Sperren für Spieler, die sich in der PHL engagieren.

          Bohmann steht dem Modell von Gütschow in jedem Fall positiv gegenüber. „Es hört sich gut an.“ Zumal die PHL sich nicht nur in europäischen Metropolen etablieren will, sondern später auch in den Vereinigten Staaten Fuß fassen möchte. Der Handball habe damit, sagt Bohmann, die Chance, eine Weltsportart zu werden. Die Manager der Bundesligaklubs werden sich bei einer Sitzung während des Allstar-Games Anfang Februar in Nürnberg mit Gütschows Plänen auseinandersetzen.

          Danach ist ein Franchisesystem mit zwölf Lizenznehmern aus zwölf europäischen Großstädten vorgesehen, eine Liga also ohne Aufstieg und Abstieg, angelehnt an die Struktur der nordamerikanischen Basketballprofiliga. Im Gespräch sind Städte wie Barcelona und Berlin, Moskau und Paris. Aber auch der THW Kiel könnte in der PHL mitmischen. Der Manager des deutschen Serienmeisters, Thorsten Storm, hat schon Interesse signalisiert. Auch weil die Vereine sich dadurch vom Diktat der EHF befreien könnten. Storm wird im „Handelsblatt“ mit den Worten zitiert: „Wir bezahlen die Spieler, die Spieler werfen die Tore, aber die Regeln bestimmen andere.“

          Bislang ist die Champions League der höchste Titel im Vereinshandball.

          Die PHL will nicht nur dazu beitragen, die Strahlkraft der Teams zu erhöhen, durch sie soll der Handball generell attraktiver werden. Durch Profi-Schiedsrichter, durch einfachere Regeln, durch den Videobeweis, durch Vorgaben, die die Passivität im Spiel eindämmen sollen. Die PHL ist dem Vernehmen nach schon dabei, sich personell für die Handball-Zukunft zu rüsten. So soll Peter Vargo, Österreicher wie Wiederer, seinen Vertrag bei der EHF gekündigt haben, um bei der PHL einzusteigen. Vargo war bei der EHF für das Marketing zuständig.

          „Das ist schon eine Kampfansage“, sagt der deutsche Handballfunktionär Bohmann, der keinen Zweifel an der Seriosität von Gütschow hat. „Er ist ein vernünftiger Mensch.“ Er bezieht das auch darauf, dass das Projekt erst 2019 Wirklichkeit werden soll. „Das muss ordentlich in die Hand genommen werden.“ Dann aber soll es an Tempo nicht fehlen. Gütschow blickt schon über Europa hinaus, spricht davon, dass eines Tages auch Dubai oder Chicago Teil der neuen Handballwelt sein könnten: „Wir müssen lernen, Handball zu träumen.“

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