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Kritik bei Handball-EM : „Der Spielplan ist am Ende Wahnsinn“

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Nicht nur auf dem Parkett geht es hart zu Sache: Die Handball-EM belastet Spieler wie die Norweger Petter Overby (links) und Christian O'Sullivan (rechts) sowie den Isländer Haukur Thrastarson besonders stark. Bild: AFP

Der Modus der Drei-Länder-EM beschert den Handballspielern diesmal ein noch härteres Programm als sonst. Die Kritik wird immer größer ob der immensen Belastungen. Und die Hetze geht nach dem Turnier weiter.

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          Was Bundesliga-Manager jedes Jahr im Januar bei den Handball-Großveranstaltungen machen, hatte Viktor Szilagyi schon vor dem Turnier in Norwegen, Schweden und Österreich halb im Ernst, halb im Spaß gesagt: „Wir sitzen auf der Tribüne und hoffen, dass sich keiner unserer Spieler verletzt.“ Dutzende von Bundesliga-Profis laufen für die 24 Ländermannschaften auf, die bei der Europameisterschaft antraten oder noch aktiv sind; einige Kader wie die Schwedens, Dänemarks oder Norwegens sind in der Mehrzahl mit Akteuren besetzt, die bei deutschen Klubs ihr Geld verdienen.

          Wenn an diesem Donnerstag die Hauptrunde beendet ist, haben die hochbelasteten Spieler das Schlimmste überstanden: „Die Hauptrunde ist ein Abnutzungskampf“, sagte Szilagyi, der Geschäftsführer Sport des THW Kiel, gegenüber dem österreichischen „Standard“. Die Qualität der Spiele sei im Vergleich zur Vorrunde schon deutlich gesunken. Vier Spiele waren nach der Vorrunde zu bestreiten, und für die Teams der Gruppe B in Malmö hielt der Spielplan eine besondere Härte bereit – einen Doppelspieltag am Dienstag und Mittwoch.

          „Es ist schon krass genug, jeden zweiten Tag spielen zu müssen. Zum Ende einer Hauptrunde, wenn es um den Einzug ins Halbfinale geht, an zwei Tagen nacheinander spielen zu müssen, ist Wahnsinn“, urteilte Patrick Groetzki gegenüber „Eurosport“. Der Rechtsaußen der Rhein-Neckar Löwen, langjähriger Nationalspieler, war diesmal nicht nominiert. Mitfühlen konnte er trotzdem. Weil es in jedem Land der aufgeblähten EM eine Start-Veranstaltung mit Eröffnungsspiel geben sollte, zog sich der erste Spieltag von Donnerstag (in Graz und Trondheim) und Freitag (in Wien, Göteborg und Trondheim) bis Samstag in Malmö hin. Nach der Vorrunde gab es unterschiedliche Varianten von Reisen und freien Tagen.

          Damit die Hauptrunde nun an einem Tag beendet ist und alle Halbfinal-Teilnehmer weitgehend gleiche Pausen vor der Runde der letzten Vier am Freitag in Stockholm haben, muss Titelfavorit Norwegen an zwei Tagen nacheinander spielen. Im Halbfinale spielt Spanien gegen Slowenien (18.00 Uhr), Kroatien trifft auf Norwegen (20.30 Uhr). Alle Spiele gibt es im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM. „Eine EM oder WM an mehreren Orten muss Sinn machen“, sagt Mark Schober, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Handballbundes (DHB). Der Modus dieser Drei-Länder-EM erscheint in vielerlei Hinsicht nicht sinnvoll. Eine EM mit solchen Entfernungen soll es nicht wieder geben.

          Noch härter als Norwegen hätte es Weltmeister Dänemark getroffen: Die Dänen stiegen erst samstags ein. Wären sie den ganzen Weg gegangen, hätten sie zwischen dem 11. und dem 26. Januar neun Spiele bestreiten müssen. Aus Sicht der abgebenden Vereine sind sie zum Glück längst ausgeschieden, wobei Morten Olsen (Hannover), Lasse Svan (Flensburg) und die Brüder Landin (Kiel) entweder überwiegend schwach oder gar nicht spielten, weil sie schon angeschlagen nach Malmö gekommen waren. Es ist für alle, die noch dabei sind, ein knochenhartes Programm, das schon Tribut gefordert hat: Magnus Röd verletzte sich im Spiel gegen Ungarn am Sonntag. Nach seinem Haar-Riss im Fuß ist das Turnier für ihn beendet; die Norweger müssen auf ihren wichtigsten Mann neben Sander Sagosen verzichten.

          Und die SG Flensburg-Handewitt ist ebenfalls betroffen. „Für uns ist das eine Katastrophe“, schimpfte Trainer Maik Machulla. Etwa vier Wochen wird Linkshänder Röd den Flensburgern fehlen. Schon schauen sie sich nach einem Teilzeit-Ersatz für den Norweger um, denn als zweiter Mann im rechten Rückraum steht nur „Veteran“ Holger Glandorf bereit, der wegen einer Schulter-Operation in der Hinrunde kaum zum Zuge kam.

          Für die Nationalspieler aus Kiel und Flensburg geht die Hetze weiter. Am Samstag nach der EM spielt der THW in Hannover, einen Tag später die SG gegen den SC Magdeburg. Zwei Spitzenspiele, die ersten Vier der Tabelle untereinander. Es folgen die Gruppenspiele der Champions League, das deutsche Pokalfinale Anfang April, das Olympia-Qualifikationsturnier Mitte April, die Champions-League-Endrunde Ende Mai, dann die Olympischen Spiele: „Wir pressen die Topspieler aus“, sagt Szilagyi. Bald würden Spitzenspieler für große Veranstaltungen wie EM und WM absagen, prognostiziert er.

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