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Die Probleme des Handballs : Schmerzhafter Expansionskurs

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Anstrengende Vorbereitung, Strapazen während der EM: Nicht nur die deutschen Nationalspieler, hier Jannik Kohlbacher, stehen unter Stress. Bild: dpa

Das internationale Handball-Geschäft wird von einer atemlosen Hetze bestimmt. Dabei schadet nicht nur die hohe Termindichte dem Sport. Die Ablehnung unter den Spielern – auch bezüglich der nun startenden EM – ist groß.

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          Wer ist der Titelverteidiger? Wo fand die vergangene Europameisterschaft statt? Wievielte wurden die Deutschen, die an diesem Donnerstag gegen die Niederlande (18.15 Uhr/ live im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und ZDF) ins Turnier starten? Selbst Fachleute geraten ins Grübeln, wenn solche Fragen zu beantworten sind. Alle Jahre wieder im Januar spielen der Internationale und der Europäische Handballverband ihre Großturniere aus. Der Jahresbeginn ist begehrt, weil weitgehend ungestört vom Fußball. Doch führt die rasche Abfolge von WM und EM zu einer Entwertung der Titel; in der atemlosen Hetze, die den Handball nicht nur als Spiel, sondern auch strukturell bestimmt, ist es nicht einfach, sich an den großen Gewinner vom vergangenen Jahr zu erinnern.

          Diese nun startende EM könnte aus anderen Gründen im Gedächtnis bleiben. Es ist die erste mit vergrößertem Teilnehmerfeld – 24 statt 16 Nationen sind dabei. Erstmals werden drei Länder Gastgeber sein; Norwegen, Schweden und Österreich. Das Finale am 26. Januar findet in der Stockholmer Tele2-Arena statt, einem Fußballstadion. Auch das ist ein Novum. Die Gründe für den Expansionskurs des europäischen Verbandes EHF sind bekannt und benannt. Mehr Nationen sollen teilnehmen können, und damit soll mehr Geld verdient werden. Von „neuen Märkten“ spricht Michael Wiederer, der Präsident der EHF. Skandinavien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Südosteuropa: Sie bilden den Kern des europäischen Handballs. Nun sind die Niederlande dabei, Bosnien, Lettland und Portugal. Die Mammut-EM soll positiv auf die Handball-Entwicklung in diesen Ländern wirken.

          Die meisten deutschen Spieler lehnen diese Form, vor allem die Ausdehnung auf drei Länder, wegen der Reisestrapazen ab und fürchten, eine solche Veranstaltung sei atmosphärisch weniger dicht. Auch Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), hält nach den schlechten Erfahrungen der WM in Deutschland und Dänemark nichts von mehreren Ausrichtern. Vor einem Jahr gab es während des Turniers keine Berührungspunkte.

          Auch DHB-Präsident Andreas Michelmann hätte sich ein Sechzehner-Turnier in einem Land gewünscht. Aber um den Markt und die Bekanntheit der Sportart zu vergrößern, sei der Schritt hin zur Vergrößerung „sinnvoll und logisch“, sagte er der „Handballwoche“. Bestätigt wird er von den Kartenverkäufen: Graz, Trondheim und Göteborg melden weitgehend ausverkauft. Mögen Kritiker auch schimpfen – an den Spielorten ist diese EM schon jetzt ein Publikumsmagnet. Für die Spieler ist es ein schmerzhafter Wachstumskurs. Inklusive der Medaillenspiele können es neun Spiele in zweieinhalb Wochen sein. Immerhin hat die EHF einen freien Tag zwischen dem letzten Vorrundenspiel und dem ersten Hauptrundenspiel spendiert.

          Und wie war das noch im Jahr 2018? Spanien gewann in Zagreb mit einem 29:23 gegen Schweden den Titel. Deutschland wurde Neunter. Wer wusste das noch?

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