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Handball-Kommentar : Korrekturen sind dringend nötig

  • -Aktualisiert am

Schonungslose Analyse: Handball-Bundestrainer Christian Prokop darf weitermachen Bild: dpa

Handball-Bundestrainer Christian Prokop hat Lehrgeld gezahlt beim frühzeitigen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der EM. Er muss sich und sein Verhalten hinterfragen. Aber er muss nicht unbedingt in Frage gestellt werden.

          Tempo, Tempo, nur nicht nachlassen: Handball ist eine Art Hochgeschwindigkeitssport und auch ein Kampfsport. Ein faszinierendes Spektakel in der Regel, das seit jeher auch das deutsche Sportpublikum in seinen Bann zieht. Handball ist tief verwurzelt in der nationalen Sportlandschaft, auch weil deutsche Mannschaften immer wieder zu Großem fähig waren, bei Weltmeisterschaften oder kontinentalen Turnieren. Aber der Lack hat gelitten nach dem letzten Coup, dem Hoch 2016 in Polen, das Image ist angekratzt.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Drei Wettbewerbe in Folge, in denen Deutschland das Ziel deutlich verpasst hat: zweimal mit den Männern, 2017 in Frankreich und nun in Kroatien, einmal mit den Frauen, bei der Handball-Weltmesse unlängst auf heimischem Boden. Triste Zeiten für eine Sportart, die sich gerne rühmt, hierzulande in der Popularitätsrangfolge gleich hinter dem Fußball zu liegen. Die Baisse schmerzt umso mehr, als Handball-Deutschland sich eigentlich mit Verve in die Zukunft stürzen wollte, vor allem mit den Männern. Und nun aber erst einmal ein Tief überwinden muss, ehe es Schlag auf Schlag weitergeht. Mit der WM im Jahr 2019, die gemeinsam mit Dänemark ausgerichtet wird – und den Deutschen eine Medaille bescheren soll. Mit Olympia 2020, wo Deutschland gar nach Gold strebt.

          Prokop hat sich verkalkuliert

          Große Ambitionen, an denen, ungeachtet der Misere von Kroatien und des deutlichen Abstandes zur Weltspitze, festgehalten wird. Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, spricht forsch von unverhandelbaren Visionen. Hanning geriert sich als größter Schrittmacher im deutschen Handball – und ist nun unter beträchtlichen Druck geraten, weil er Christian Prokop als Bundestrainer installiert hatte. Ein Mann ohne internationale Erfahrung, der prompt eine Menge Lehrgeld zahlte.

          Prokop hat sich verkalkuliert bei dem Versuch, dem Team seinen Stempel aufzudrücken, er entwarf ein Team ohne Ausstrahlung. Und selbst die kompromisslose Einsatzbereitschaft, eigentlich ein Fundament des deutschen Handballs, blitzte nicht immer wie erhofft auf. Prokop muss, da bei den Deutschen offensichtlich einiges zerbrochen ist in Kroatien, sich und sein Verhalten hinterfragen, aber nicht unbedingt in Frage gestellt werden – sofern er erkennen lässt, die deutschen Gegebenheiten zu akzeptieren, die Kräfte wieder bündeln und sie in die richtigen Bahnen lenken zu können, wie es sein Vorgänger Dagur Sigurdsson in Polen geschafft hatte.

          Handball-EM 2018: Spielplan, Ergebnisse, Termine

          Prokops Vorstellungen vom modernen Handball klingen plausibel. Allerdings, das ist das Dilemma, steht dafür nur ein begrenzter Kreis von Spielern zur Verfügung. Vor allem für die Rückraumachse, die sich als gravierendste Schwäche der Deutschen in Kroatien entpuppte. Die Bundesliga setzt dort in erster Linie auf ausländisches Personal; kaum einer der Deutschen, die diese wichtigen Positionen im Angriff einnehmen, hat Champions-League-Erfahrung. Prokop bleibt nicht viel Zeit für die neue Aufbauarbeit und für Korrekturen. Er muss sich sputen, um ein Team von Format zu bilden. Das hat er sich zum Teil selbst zuzuschreiben.

          Angekratztes Image: Die deutschen Spieler nach der Niederlage

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