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Handball-EM : Heiner Brands Fluch aus der Karibik

  • -Aktualisiert am

Heiner Brand hat nach eigener Aussage genug vom Handball Bild: dpa

Das deutsche Nationalteam begeistert bei der Handball-EM – und profitiert dabei von dem Umschwung, den Heiner Brand schon früh forderte. Der DHB will den früheren Bundestrainer nun wieder einbinden. Doch der ist weit weg.

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          Es muss nicht immer Handball sein. „Das habe ich lange genug mitgemacht“, sagt Heiner Brand. Statt nach Polen reiste er lieber in die Karibik. Der Urlauber ist dennoch in gewisser Weise präsent bei der Europameisterschaft. Über Brand wird wieder gesprochen beim Deutschen Handballbund (DHB). Der Gummersbacher, Weltmeister als Spieler und als Trainer, eine prägende Figur des deutschen Handballs, soll sich wieder engagieren beim DHB.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Obwohl er den Verband, vor allem Vizepräsident Bob Hanning, im vergangenen Jahr scharf attackiert hatte nach dem Rücktritt von Bernhard Bauer als DHB-Chef. Andreas Michelmann allerdings, Bürgermeister von Aschersleben und neuer DHB-Präsident, wirbt nun um Brand. Er wünsche sich, sagte er, ein klärendes Gespräch mit ihm. Würde sich freuen, wenn Brand sich wieder einbringen würde beim DHB. Selbst Hanning, im Handballverband für den Leistungssport zuständig und Geschäftsführer der Berliner Füchse, plädiert für ein „Comeback“ von Brand. Michelmanns Idee, sagte Hanning in Breslau, „ist absolut in meinem Sinne.“

          „Basiert allein auf der Person Hanning“

          Brand war 2015 als Sportmanager beim DHB ausgeschieden. „Der Punkt, aufzuhören, war lange fixiert“, sagte der 63 Jahre alte Gummersbacher. Er hatte zu dem umtriebigen Hanning schon lange ein distanziertes Verhältnis. Im vergangenen August zog er öffentlich über den Berliner her, der Streit im DHB spitzte sich damit zu. „Dass der DHB so tief gespalten ist, basiert allein auf der Person Hanning“, klagte der ehemalige Bundestrainer damals.

          Er bescheinigte seinem einstigen Ko-Trainer eine „narzisstische Persönlichkeitsausprägung. Solche Menschen können keine vernünftige Beziehung aufbauen oder im Team arbeiten.“ Der Rundumschlag hatte für großen Aufruhr gesorgt und Brand auch Kritik eingebracht. So sagte Uwe Schwenker, der Präsident der Handball-Bundesliga: „Mit diesen persönlichen Diffamierungen tut Brand sich selbst und dem Handball keinen Gefallen.“

          Er wolle die Sache mit Hanning nicht mehr kommentieren, sagte Brand jetzt. „Das Thema ist für mich erledigt.“ Und auch Michelmanns Ansinnen stößt bei ihm nicht auf großes Interesse. Das habe nichts mit Michelmann zu tun, betonte Brand, „er hat mir nichts getan, ich habe nichts gegen ihn“. Er ist jedoch immer noch verärgert darüber, dass nach seinem Angriff auf Hanning „eine Lüge“ gestreut worden sei, vom Präsidium des DHB „in seiner Gesamtheit“. Und zwar dahingehend, „dass ich nur sauer wäre, keinen Rentenvertrag vom DHB erhalten zu haben“. Brand weist das zurück – und behauptet, dass der DHB damit seinerzeit lediglich von der „eigentlichen Thematik“ habe ablenken wollen. Er bleibt deswegen nun auf Distanz zum Verband. „Solange das nicht offiziell geklärt ist, ist für mich kein Bedarf da.“ Eine Art Fluch aus der Karibik sozusagen.

          Brand äußerte sich außerdem süffisant über die neue deutsche Bewegung im Handball – er hatte sie bereits in seiner Amtszeit immer wieder gefordert, ohne Erfolg allerdings. Nun steht das deutsche Team bei der EM in Polen im Halbfinale. Er habe sich, sagte Brand, gerade „mit Freude“ alte Zeitungsartikel angeschaut mit Aussagen von Managern von Bundesligaklubs. „Die haben sich einen Spaß daraus gemacht, dagegenzuarbeiten“, sagte er. Gegen ihn also und sein Bestreben, dass die Bundesliga den nationalen Nachwuchs stärker fördern möge. „Ich habe mich beschimpfen lassen müssen von denen, ich hatte darunter zu leiden.“ Und jetzt sei ein Weg eingeschlagen worden, „den ich mir 15 Jahre lang erhofft hatte“.

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          Hanning wäre, sollte es Michelmann doch gelingen, Brand zu einer Rückkehr zu bewegen, zu einer Kooperation bereit. Er könnte sich Brand als Botschafter des DHB in den WM-Jahren vorstellen; Deutschland richtet 2017 die Frauen-WM aus und 2019, gemeinsam mit Dänemark, die Männer-WM. „Wir müssen ihn auf jeden Fall gewinnen, für den Handball was zu tun“, sagte Hanning. „Wir brauchen jeden, wir brauchen auch Brand. Er ist eine Ikone.“ Brands Tätigkeit im Handball beschränkt sich derzeit auf eine beratende Funktion in der Schiedsrichter- und Regelkommission des Internationalen Handballverbandes. Er genießt angeblich den Abstand zum Handball. „So weit weg zu sein ist auch ganz schön.“

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