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Handball-Torhüter : Liebe und andere Störfälle

Erfahrener Mann: „Von mir wird viel erwartet”, sagt Johannes Bitter Bild: dpa

Bundestrainer Heiner Brand schenkt ihnen sein Vertrauen: Johannes Bitter, Carsten Lichtlein und Silvio Heinevetter sind die Grundlage für den Erfolg. Dabei hat jeder der drei deutschen Torhüter vor der Handball-EM persönliche Probleme.

          3 Min.

          Früher gab es den „Hexer“, also Andreas Thiel. Nach ihm gab es Henning Fritz, der manchmal an den „Hexer“ erinnerte. Eigentlich hatte der deutsche Handball selten Probleme mit seinen Torleuten. Sie parierten, und oft gelang ihnen das außergewöhnlich gut. Am Sonntag reiste die deutsche Nationalmannschaft nach Österreich, mit drei Tormännern, mit Johannes Bitter, Carsten Lichtlein und mit Silvio Heinevetter. Der Bundestrainer sagt, dass er ihnen vertraue. Das ist natürlich eine Selbstverständlichkeit.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Heiner Brand braucht bei der Europameisterschaft eine funktionierende Abwehr mit verlässlichen Torhütern. Das ist die Grundlage für den Erfolg. Die Deutschen würden bei der EM gerne das Halbfinale erreichen, für ein neu strukturiertes Team wäre dies ein respektables Abschneiden. Aber werden Brands Torleute auch halten, was sie - im Prinzip - versprechen? Möglicherweise ist Brand doch ein wenig beunruhigt - weil alle drei, weil Bitter, Lichtlein und Heinevetter keineswegs unbelastet in Österreich antreten, wo die Deutschen in der Vorrunde in Innsbruck von Dienstag an auf Polen, Slowenien und Schweden treffen.

          Druck wie Gegenwind

          Bitter gilt als Anführer, nicht nur im Tor. Der Hamburger ist ein sehr erfahrener Mann, er sagt deshalb: „Von mir wird viel erwartet.“ Bitter stand in den letzten Tests für die EM zwar wieder im Tor, er zeigte zufriedenstellende Leistungen, aber im Training hatte er sich ein wenig zurückgehalten. Er wolle, sagte er, kein Risiko eingehen. Unlängst nämlich war der Hamburger am linken Ellenbogen operiert worden, freie Gelenkkörper hatten dort beträchtliche Schmerzen verursacht.

          Carsten Lichtlein (Foto hinten) steht vor einer ungewissen Zukunft.
          Carsten Lichtlein (Foto hinten) steht vor einer ungewissen Zukunft. : Bild: dpa

          Bitter war so stark beeinträchtigt, dass er seinen Platz im Vereinsteam, Tabellenführer der Bundesliga, dem Schweden Per Sandström überlassen musste. Der Hamburger demonstriert nun Zuversicht, er signalisiert dem Bundestrainer, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. „Ich kann mit dem Arm alles machen“, betont Bitter, und nach der Zwangspause verspürt er angeblich frischen Tatendrang. Er habe „total viel Lust, wieder im Tor zu stehen“. Wie stabil er wirklich ist, wird sich allerdings erst in Innsbruck erweisen.

          Heinevetter, der zu spektakulären Auftritten imstande ist, lässt derzeit wenig von sich hören, zumindest in der Öffentlichkeit. Vor kurzem in Mannheim, bei einem Medientag des Deutschen Handball-Bundes, war der Berliner gar nicht zu fassen. Just an diesem Tag waren in einer Boulevardzeitung Bilder seiner neuen Lebensgefährtin Simone Thomalla veröffentlicht worden - Fotos, auf denen viel nackte Haut zu sehen war. Die Schauspielerin, fast zwanzig Jahre älter als Heinevetter, hatte sich für ein Männer-Magazin entblättert, offensichtlich wollte der Berliner sich Fragen dazu nicht stellen. Die Liaison mit der Schauspielerin Simone Thomalla lenkt die Aufmerksamkeit von Gazetten auf Heinevetter, dieses öffentliche Interesse scheint dem Sportsmann bisweilen gehörig zu schaffen zu machen. Der Berliner Manager Bob Hanning spricht von Druck, den Heinevetter wie Gegenwind empfinde.

          „Das wäre ein Traum“

          Brand versucht, die Angelegenheit diskret zu behandeln. Er nennt es eine Privatgeschichte - solange sie im Team nicht für Unruhe sorge. Das scheint tatsächlich nicht der Fall zu sein. Lichtlein sagt zwar, dass die Situation für Heinevetter nicht einfach sei, die Kollegen aber scheinen Rücksicht auf den Berliner zu nehmen. „Wir lassen ihn in Ruhe“, sagt Lichtlein. Auch ihn beeinträchtigt eine Beziehung, dabei geht es jedoch um eine Art Liebesentzug. Lichtlein wird den TBV Lemgo am Ende der Saison verlassen müssen, der Klub hat ihm kein neues Angebot vorgelegt.

          Lichtlein findet diese Entwicklung äußerst erstaunlich. Angeblich hat dieser Schritt mit wirtschaftlichen Nöten der Lemgoer zu tun, bei denen zwei weitere deutsche EM-Teilnehmer unter Vertrag stehen, Holger Glandorf und Michael Kraus. Das künftige Gehalt, sagt Lichtlein, wäre unter seiner Würde gewesen - so jedenfalls hätten ihm die Lemgoer ihr Vorgehen begründet. Der Tormann steht somit vor einer ungewissen Zukunft, „ich muss damit fertig werden“. Lichtlein hofft jetzt darauf, bei der Europameisterschaft häufig zum Einsatz zu kommen und sich für einen neuen Arbeitgeber empfehlen zu können. Er liebäugelt bereits mit den finanzstarken Rhein-Neckar Löwen: „Das wäre ein Traum.“ Auch der Spielgestalter Kraus, für den eine Ablösesumme fällig wäre, ist dort im Gespräch.

          Sechs Hände also für Deutschland - jede, normalerweise, gut genug, um dem Nationalteam Rückhalt zu geben. In diesen Tagen aber scheinen drei Männer auf einem zentralen Posten selbst für helfende Hände dankbar zu sein.

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