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Handball-Regelecke : Wie qualifiziert sich Deutschland noch fürs Halbfinale?

Bundestrainer Prokop: Die Finger einer Hand reichen nicht, um die möglichen Konstellationen durchzurechnen. Bild: EPA

Vor dem Gruppenendspiel des deutschen Teams bei der Handball-EM gegen Spanien stellt sich die Frage: Wie müssen die anderen spielen, damit es zum Einzug ins Halbfinale reicht? FAZ.NET hat vorgerechnet.

          Bei großen Turnieren mit komplizierten Tabellensituationen wird er angeblich immer wieder zu Rate gezogen: der Rechenschieber. Dabei weiß heutzutage doch kein Mensch mehr, wie so ein analoges Ding gehandhabt wird. Gerechnet wird aber trotzdem, allerdings eher nach der beliebten „wenn-dann-Methode“, gerne mit Papier und Bleistift. So auch bei der aktuell laufenden Handball-EM in Kroatien, deren Teilnehmerfeld extrem ausgeglichen ist und deshalb bei allen Teams die bange Frage gestellt wird: Wie schaffen wir den Einzug ins Halbfinale?

          Handball-EM 2018

          Vier von neun Spielen sind in der Finalrunde der „deutschen Gruppe“ gespielt, dazu wurden die sechs Ergebnisse der direkten Vergleiche aus den Vorrundengruppen „mitgenommen“. Noch haben vor den abschließenden fünf Spielen noch alle sechs Mannschaften Chancen auf den Einzug ins Halbfinale, wenn auch unterschiedlich Wahrscheinliche. Am spielfreien Montag stellt sich folgende Konstellation dar.

          Die Ausgangssituation

          1. Dänemark 6:2 Punkte
          2. Spanien 4:2
          3. Deutschland 4:4
          4. Mazedonien 3:3
          5. Tschechien 2:4
          6. Slowenien 1:5

          Olympiasieger Dänemark braucht als Tabellenführer nur noch einen Punkt im letzten Spiel gegen Mazedonien (Mittwoch, 18.15 Uhr im FAZ.NET-Liveticker zur Handball-EM), um sich seiner Sache sicher zu sein. 

          Der EM-Zweite Spanien, vor zwei Jahren im Finale von Deutschland vorgeführt, hat vor dem Gruppenendspiel am Mittwoch (20.30 Uhr / FAZ.NET-Liveticker zur Handball-EM), der EM-Revanche gegen Deutschland, am Dienstag noch den harten Kampf gegen den WM-Dritten Slowenien (Dienstag, 18.15 Uhr) auszutragen.

          Die Slowenen liegen derzeit zwar am Ende der Tabelle, könnten aber mit zwei abschließenden Siegen gegen Spanien und Tschechien (Mittwoch, 16 Uhr) und für sie glücklichen Resultaten der anderen Spiele auch noch auf Platz zwei springen.

          Dazwischen liegen die Außenseiter aus Mazedonien und Tschechien. Auch sie haben noch jeweils zwei Spiele zu absolvieren, darunter den direkten Vergleich am Dienstag (20.30 Uhr). Wer dieses Match gewinnt, kann sich bei einem weiteren Erfolg am Mittwoch ebenfalls noch Chancen auf den Einzug in die Medaillenrunde ausrechnen.

          Bleibt der Blick auf den noch aktuellen Europameister: die deutsche Mannschaft. Sie hat den Nachteil, schon vier Spiele absolviert zu haben und am Dienstag zuschauen zu müssen, wie die Konkurrenten spielen. Sie hat gleichzeitig den Vorteil, dank des spielfreien Dienstags eine Ruhetag mehr zu haben. Zudem stellt das Spiel zwischen Deutschland und Spanien das Gruppenfinale dar: wenn die beiden Finalgegner von 2016 sich „auf der Platte“ wiedersehen, sind alle anderen Resultate bekannt.

          Variante A: Favoritensiege vor dem Gruppenfinale

          Davon ausgehend, dass die Favoriten Dänemark (gegen Mazedonien) und Spanien (gegen Slowenien) ihre Aufgaben lösen und zudem Außenseiter Tschechien beide Spiele (gegen Mazedonien und Slowenien) verliert, wird die Tabelle vor dem letzten Spiel folgendes Bild aufzeigen:

          1. Dänemark 8:2
          2. Spanien 6:2
          3. Mazedonien 5:5
          4. Deutschland 4:4
          5. Slowenien 3:7
          6. Tschechien 2:8

          Dann würde den Deutschen ein einfacher Sieg (schwer genug) gegen Spanien zum Sprung auf Platz zwei reichen, denn bei Punktgleichheit entscheidet der direkte Vergleich.

          Variante B: Mazedonien spielt groß auf

          Etwas anders sieht die Lage aus, sollte Mazedonien nicht nur Tschechien, sondern auch Dänemark besiegen und an die Tabellenspitze springen:

          1. Mazedonien 7:3
          2. Spanien 6:2
          3. Dänemark 6:4
          4. Deutschland 4:4
          5. Slowenien 3:7
          6. Tschechien 2:8

          Dann würde Deutschland selbst ein Sieg gegen Spanien nichts mehr nutzen, da im Dreiervergleich mit den dann punktgleichen Teams aus Dänemark, Deutschland und Spanien die Dänen mit 4:0 Punkten die Nase vorne hätten.

          Variante C: Auch Slowenien schafft den großen Wurf

          Ebenso aussichtslos wird es, wenn nicht nur Mazedonien, sondern auch Slowenien in den verbliebenen Spielen zum großen Wurf ausholt, und beide Partien gewinnt:

          1. Mazedonien 7:3
          2. Dänemark 6:4
          3. Slowenien 5:5
          4. Spanien 4:4
          5. Deutschland 4:4
          6. Tschechien 2:8

          Auch dann würde den Deutschen selbst ein Rekordsieg gegen Spanien nichts mehr nutzen, da sie den direkten Vergleich gegen Dänemark verloren haben.

          Variante D: Sogar die Tschechen überraschen

          Und was passiert, wenn auch die Tschechen gegen Mazedonien überraschen und gewinnen?

          1. Dänemark 6:4
          2. Mazedonien 5:5
          3. Slowenien 5:5
          4. Spanien 4:4
          5. Deutschland 4:4
          6. Tschechien 4:6

          Dann könnte es bei einem abschließenden Unentschieden zwischen Spanien und Deutschland sogar zu einer „Untergruppe“ mit vier punktgleichen Mannschaften kommen. Dabei hätten die Deutschen angesichts von ihren dann drei Unentschieden aber keine realistische Chance aufs Weiterkommen. Bei einem Sieg würde aber der Sprung auf Platz zwei gelingen.

          Variante E: Noch eine Vierergruppe

          Die interessanteste Tabellenkonstellation würde sich ergeben, wenn Mazedonien gegen Tschechien unentschieden spielt und gegen Dänemark gewinnt, sowie Spanien und Tschechien jeweils Slowenien schlagen:

          1. Spanien 6:2
          2. Mazedonien 6:4
          3. Dänemark 6:4
          4. Tschechien 5:5
          5. Deutschland 4:4
          6. Slowenien 1:9

          In diesem Fall könnte Deutschland durch einen Erfolg über Spanien tatsächlich noch von Platz fünf auf Rang zwei springen und Dänemark „mitziehen“, denn in diesem Fall würde der Vierervergleich der Teams mit je 6:4 Punkten zugunsten des Olympiasiegers (4:2) und des Europameisters (3:3 und bessere Tordifferenz als Mazedonien) ausfallen.

          Handball-EM 2018: Spielplan, Ergebnisse, Termine

          Fazit: Siegen lassen und siegen

          Letztlich bleibt festzustellen: Ein Sieg gegen Spanien muss auf alle Fälle her – und vorher sollten alle anderen auch mitgespielt haben. Das Fazit von Bundestrainer Christian Prokop fällt entsprechend aus: „Wir haben es nicht mehr in der eigenen Hand, das haben wir uns leider selbst zuzuschreiben. Jetzt müssen wir abwarten und die anderen Spiele schauen.“

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