https://www.faz.net/-gtl-9vntv
Bildbeschreibung einblenden

Handballtorwart Bitter : Spezielle Aura

Auch mit 37 Jahren noch hungrig: Johannes Bitter will mit dem Nationalteam noch mehr erreichen. Bild: dpa

Johannes Bitter ist der letzte Weltmeister von 2007 in der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Er rutschte überraschend in den EM-Kader. Nun hat er aber Lust auf mehr. Olympia ist der Traum.

          2 Min.

          Johannes Bitter war auch später noch in Hochform. Als es nicht mehr darum ging, Bälle abzuwehren, sondern als andere Reflexe gefragt waren. Habe er da in den vergangenen Tagen nicht etwas über eine Torwartkrise gelesen? Bitter lachte – wie einer, der schon manches mitgemacht hat und weiß, wie das Geschäft läuft, auch was die Bewertungen von außen angeht. Das ist ja auch so, 37 Jahre ist Bitter alt, Weltmeister 2007, und trotz aller Abgebrühtheit auf der einen Seite verströmte er am Montagabend auch eine Freude, als wäre er ganz frisch dabei.

          Minutenlang hatten die deutschen Fans in der Wiener Stadthalle ihn noch gefeiert nach dem 34:22-Sieg über Österreich: „Jogi, Jogi“. Es wollte gar nicht mehr aufhören. Selbstverständlich wurde er zum Spieler des Spiels gekürt nach 15 gehaltenen Bällen, einer Quote von 54 Prozent. In der zweiten Halbzeit, sagte Bitter, sei es „fast ein Schaulaufen“ gewesen. Er hatte in der ersten Halbzeit den Boden dafür bereitet, zusammen mit der Abwehr, die Christian Prokop nach anfänglichen Schwierigkeiten von einer 6:0- auf eine 3:2:1-Formation mit Hendrik Pekeler an der Spitze umgestellt hatte.

          Das und Bitters Hereinnahme für Andreas Wolff nach einer Viertelstunde waren die richtigen Maßnahmen des Bundestrainers für den Moment, aber die Geschichte hatte ja schon vorher begonnen: Mit Bitters Nominierung, die auch für ihn selbst „absolut überraschend“ gekommen war. Viele hatten weiter mit Silvio Heinevetter als zweitem Mann gerechnet, manche auch mit Dario Quenstedt, dem ein paar Jahre jüngeren Kieler.

          Dann aber zauberte Prokop den erfahrenen Bitter aus dem Hut. Der hatte in der Bundesliga starke Leistungen gezeigt, aber nicht mehr bei einem Spitzenteam sondern fern von zu Hause beim TVB Stuttgart; zu Frau und drei Kindern in Hamburg pendelt er. Doch Prokop schätzte die Situation richtig ein. Angesichts der vielen Ausfälle war es klug, eine verlässliche Größe mitzunehmen – mitsamt der positiven Ausstrahlung, die Bitter mitbringt. „Das war phantastisch“, sagte Prokop. „Er hat das ganze Turnier schon eine hervorragende Aura in diese Mannschaft gebracht.“

          Gemeinsam im Aufzug

          Die EM hatte nicht allzu gut begonnen für die deutschen Torhüter, in Wien aber sind auch sie in Form gekommen, und beide haben nun Lust auf mehr. Nicht nur auf das bedeutungslose Spiel gegen Tschechien am Mittwoch (20:30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und ARD) sowie das folgende Spiel um Rang fünf in Stockholm (Samstag, 16 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM). „Er ist eine emotionale Stütze für mich bei diesem Turnier gewesen“, sagte Wolff. Folgen also weitere gemeinsame Auftritte im April in Berlin – und im Sommer in Tokio? Wenn es nach Bitter geht, durchaus. „Wir wissen alle, was kommt“, sagte er. „Erst eine Olympia-Qualifikation und dann hoffentlich die Olympischen Spiele. Mir macht es Spaß.“ Am Dienstag kam erst einmal ein Aufzug im Erdgeschoss des deutschen Teamhotels an. Als die Tür aufging, traten Wolff und Bitter aus derselben Kabine. Das hatte durchaus etwas zu bedeuten. Ein Handballtorwart steigt nicht mit jedem anderen in den Fahrstuhl. Selbst wenn es nur zum Frühstück geht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

          Nach Zielkes Rücktritt : Sewing, übernehmen Sie!

          Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

          Corona in Arizona : Wer Maske trägt, macht sich verdächtig

          Der Lockdown ist in Arizona schon lange her. Abertausende Touristen genossen die Freiheit im Südwesten. Jetzt ist der Staat Corona-Hotspot – und politischer Streit erschwert die Rettung.

          Corona-Medikament für Europäer : Eine Zwangslizenz für Remdesivir?

          Die EU hat das erste Medikament gegen Covid-19 zugelassen – doch vorerst liefert der Hersteller Gilead nur nach Amerika. In Brüssel wird Druck aufgebaut: Notfalls könne man Remdesivir auch gegen den Willen von Gilead für Europa herstellen lassen.
          In seinen seltenen Interviews gab sich der ehemalige Wirecard-Chef analytisch und sachorientiert.

          Wirecard-Skandal : Der Unsichtbarmacher

          Markus Braun war Mr. Wirecard und der reichste Dax-Chef. Nun ist er in einen beispiellosen Bilanzskandal verstrickt. Irgendwo zwischen der Utopie unsichtbaren Geldes und der Wirklichkeit unregelmäßiger Zahlen hat er sich verzettelt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.