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EM-Kommentar : Handball ist pure Emotion

  • -Aktualisiert am

Ein Auf und Ab der Emotionen: Das deutsche Team am Montagabend beim Spiel gegen Slowenien. Bild: AFP

Der Handball steckt voller Härtefälle – er drückt mächtig aufs Tempo. Das ist ein Teil seines großen Reizes. Doch es gibt auch Grenzen, wie das Drama zwischen Deutschland und Slowenien gezeigt hat.

          Einspruch abgewiesen! Das war nicht anders zu erwarten gewesen. Immerhin hatten es sich die Offiziellen des Europäischen Handballverbandes (EHF) nicht einfach gemacht am Montagabend in Zagreb, beim Schlussakt mit Knalleffekt im Duell zwischen Deutschen und Slowenen. Minutenlange Beratungen, Videostudium, erst dann die Entscheidung zugunsten der Deutschen. Eine Rote Karte für einen Slowenen, ein Siebenmeter für das deutsche Team eine ganze Weile nach dem offiziellen Spielende: ein kurioser Moment im Handball, aber auch einer, der offensichtlich seine Berechtigung hatte.

          Die Jury wies Slowenien einen klaren Regelverstoß nach, eine Behinderung beim Anwurf der Deutschen in den letzten 30 Sekunden des Spiels: Das erforderte nach den Regularien die harte Doppelbestrafung. Auch wenn die Slowenen das nicht akzeptieren wollten und – letztlich erfolglos – Protest gegen die Wertung unentschieden einlegten.

          Handball-EM 2018: Spielplan, Ergebnisse, Termine

          Der Videobeweis wird im Hochgeschwindigkeitssport Handball, obwohl der Internationale und der Europäische Handballverband über eine entsprechende Technologie verfügen, selten eingesetzt. Vieles bleibt im Fluss bei den internationalen Großturnieren, auch wenn sich Spieler, Trainer oder Funktionäre häufig über die Schiedsrichter mokieren, die einen beträchtlichen Ermessensspielraum bei ihren Entscheidungen haben. Das wird, inklusive aller Unzulänglichkeiten, als ein wesentliches Merkmal des Handballs betrachtet, in dem es, 60 Minuten lang, Schlag auf Schlag geht und kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt – oder für längere Diskussionen. Die Deutschen betonten nun auch, dass nicht sie – trotz eines sehr echauffierten Torwarts Silvio Heinevetter – die EHF zum Eingreifen gedrängt hätten, sondern die EHF diesen besonderen Fall selbst übernommen und gelöst habe.

          Ein Vorgang mit Seltenheitswert in jedem Fall, der den Slowenen den sicher geglaubten Sieg raubte. Selbst schuld! Sie empfanden das 25:25 wie eine Niederlage, und sie benahmen sich, teilweise, wie schlechte Verlierer. Der hitzköpfige Trainer Veselin Vujovic zum Beispiel, der von einem Zirkus sprach – und sich vor dem allerletzten Wurf von Tobias Reichmann provozierend ins Tor gestellt hatte. Auch Meldungen darüber, dass die Slowenen, die sich von den Referees generell benachteiligt wähnen und sich deswegen offiziell beschwerten, einen Rückzug von der Europameisterschaft erwägen würden, wirken irritierend. Am Ende entschieden sie sich doch für ein Bleiben beim Turnier in Kroatien.

          Erst ein prüfender Blick, dann die Entscheidung: Der Videobeweis wurde richtigerweise eingesetzt.

          Der Handball steckt voller Härtefälle, voller Emotionen, er drückt mächtig aufs Tempo. Das ist ein Teil seines großen Reizes, von den Slowenen am Montagabend eindrucksvoll dargestellt. Bis sie schließlich über das Ziel hinausschossen. Und erleben mussten, dass es im Handball doch auch Grenzen gibt.

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