https://www.faz.net/-gtl-96grs

Handball-Bundestrainer Christian Prokop und das deutsche Team verpassten das Halbfinale. Bild: Reuters

Aufregung bei Handball-EM : „Die Geschichte ist völliger Unsinn“

  • Aktualisiert am

Handball-Bundestrainer Prokop soll vor dem entscheidenden EM-Spiel gegen Spanien wutentbrannt das Training abgebrochen haben. Nun reagiert der Verband. Auch der Vizepräsident äußert sich klar gegenüber FAZ.NET.

          5 Min.

          Der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), Bob Hanning, hat mit deutlichen Worten auf Vorwürfe gegen Bundestrainer Christian Prokop reagiert. Einen Bericht der „Bild“, wonach Prokop Stunden vor dem entscheidenden EM-Spiel gegen Spanien (27:31) in Varazdin wutentbrannt das Training abgebrochen habe, weil er mit der Leistung einiger Spieler nicht zufrieden gewesen sei, dementierte Hanning: „Die Geschichte stimmt einfach nicht und ist völliger Unsinn“, sagte er gegenüber FAZ.NET. Zum Zeitpunkt des Trainings sei Hanning laut eigener Aussage selbst nicht in der Halle gewesen. Er habe sich aber von Axel Kromer, Vorstand Sport im DHB, bestätigen lassen, dass das Training nicht abgebrochen worden sei. Es sei richtig, dass das Training nicht gut lief und der Bundestrainer unzufrieden gewesen sei. Als er die Halle danach verließ, sei das Training allerdings schon beendet gewesen.

          Der DHB bestätigte am Freitagmittag in einer Mitteilung, dass eine Einheit vor der Niederlage gegen die Iberer stattgefunden hat. Aber: „Dieses fand in der üblichen Art und Weise statt. Anderen Darstellungen widersprechen wir.“ DHB-Präsident Andreas Michelmann sagte zudem: „Ich kann dazu einfach nichts sagen, weil ich nicht dabei war.“ Das Vertrauensverhältnis zwischen Spielern und Trainer sieht er jedenfalls nicht als zerrüttet an. Stattdessen hält er die aktuelle DHB-Auswahl in Teilen für überschätzt. „Wir waren 2016 Europameister und Olympia-Dritter, also gefühlt eine der besten Mannschaften der Welt“, sagte der 58-Jährige. „Wenn du aber Position für Position durchgehst, gibt es immer drei, vier Mannschaften die besser sind als wir.“ Prokop werde deswegen Zeit gegeben. „Ich weiß, wie schwierig das ist, mit neuen Ideen bei einer Mannschaft anzukommen, die gefühlt besser ist, als sie besetzt ist.“

          Handball-EM 2018: Spielplan, Ergebnisse, Termine

          Trotz der verpatzten EM möchte der DHB definitiv an Bundestrainer Christian Prokop festhalten. „Es war klar, dass wir dem Trainer bei dieser EM in Kroatien die Möglichkeit geben mussten, Neues auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln“, sagte Präsident Michelmann am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Liefern muss er bei der Heim-WM 2019 und den Olympischen Spielen 2020.“ Auch der in die Kritik geratene DHB-Vize Bob Hanning werde definitiv bleiben. Hanning selbst sagte gegenüber FAZ.NET über eine mögliche Entlassung von Prokop: „Das kann ich mir im Ansatz nicht vorstellen, dass so etwas passiert.“

          DHB-Vizepräsident Bob Hanning (links) und Bundestrainer Prokop.

          Schwer gezeichnet vom blamablen EM-Aus traten Deutschlands Handballer um den angezählten Bundestrainer nach einer kurzen Nacht am Donnerstag die vorzeitige Heimreise an. Schon da war die Diskussion um Prokop in vollem Gange. „Man muss kein Handball-Fachmann sein, um zu sehen, dass es zwischen Trainer und Mannschaft nicht richtig gepasst hat“, sagte Michael Roth, Trainer des Bundesligavereins MT Melsungen. Zwar hält der DHB trotz des sportlichen Debakels in Kroatien vorerst an Prokop fest, doch auf dem Weg zur Heim-WM muss und will der Verband in den kommenden Wochen alle Personalien hinterfragen.

          Unterstützung gab es auch vom früheren Bundestrainer Heiner Brand. „Man sollte jetzt nicht anfangen, an Christian Prokop zu zweifeln“, sagte Brand. „Jeder Trainer zahlt mal Lehrgeld. Das ist im Vorjahr Dagur Sigurdsson und zuvor auch mir passiert.“ HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann sieht ebenfalls keinen Grund, den Trainer infrage zu stellen. Uwe Schwenker, Präsident des Liga-Verbandes HBL, mahnt zur Gelassenheit: „Wir sollten nicht alles verfluchen und verdammen. Die Eindrücke sind noch zu frisch, als dass man aus der ersten Emotion heraus Urteile fällen sollte.“

          In den kommenden vier bis sechs Wochen wird der DHB die verkorkste Europameisterschaft, die nach dem enttäuschenden neunten Platz nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM zum zweiten sportlichen Reinfall innerhalb von zwölf Monaten wurde, intensiv aufarbeiten – Ausgang offen. „Im Vorjahr haben wir auf eine Analyse verzichtet, weil es danach einen Umbruch gab. Dieses Mal werden wir das sehr ehrlich und hart mit uns ausmachen müssen, mit den Trainern, dem Präsidium und der Mannschaft“, kündigte Hanning an und stellte klar: „Es gibt eine unverhandelbare Vision: Wir wollen eine WM-Medaille und Olympia-Gold. Das werden wir ab heute angehen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Lässt die Muskeln spielen: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

          Türkische Syrien-Offensive : „Erdogan will unsere Allianz brechen“

          Ünal Ceviköz, der Vize-Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei CHP, erklärt im Interview die innenpolitischen Motive des Nordsyrien-Feldzugs – und warum er die Ansiedlung von zwei Millionen Flüchtlingen in der „Sicherheitszone“ für utopisch hält.

          Trump beleidigt Pelosi : „Sie ist sehr krank“

          Die Demokraten haben ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten abgebrochen, weil Donald Trump die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi beleidigt haben soll. Der Präsident legte auf Twitter noch nach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.