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Corona-Dilemma bei Handball-EM : „Das ist das neue Normal, wir müssen damit leben“

  • -Aktualisiert am

Die Lage bleibt dynamisch: Frank Bohmann Bild: imago/Zink

Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, hat trotz der vielen Corona-Fälle für den Verbleib der deutschen Auswahl beim EM-Turnier gestimmt. Das muss aber nicht das letzte Wort sein.

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          Hatten Sie Bauchschmerzen bei der Entscheidung, für einen Verbleib der Nationalmannschaft im EM-Turnier zu stimmen?

          Die Entscheidung trifft ja nicht die HBL. Vor der EM haben wir als Liga gesagt: Nicht den Titel zu holen ist das Ziel, sondern, gesund zu bleiben. Da ist nun deutlich etwas dazwischengekommen. Anders, als verlautbart wird, haben fast alle Länder damit zu kämpfen. Wir sind wirklich in einem Dilemma und werden erst in ein paar Monaten sagen können, ob unsere Entscheidung richtig war.

          Handball-EM 2022

          Wäre ein Rückzug des Deutschen Handballbundes (DHB) nicht sinnvoller?

          In dieser Abwägung steht die Gesundheit der Spieler über allem. Dass die Verläufe der bisherigen Infektionen mild oder symptomfrei sind, hat dazu geführt, dass sich der DHB entschieden hat, weiterzumachen. Wir tragen das als HBL mit. Dem sind lange Diskussionen vorangegangen. Vom Erkenntnisstand heute ausgehend, ist es zumutbar, im Turnier zu bleiben.

          Was hätte den Ausschlag für eine Absage gegeben?

          Wenn das Team gesagt hätte, wir wollen nicht mehr, hätte es eine neue Situation gegeben. Oder es wären keine Spieler mehr nachnominiert worden und die Mannschaft spielte mit denen, die da sind. Das wären dann nicht mehr 16, sondern weniger Spieler gewesen. Das wäre aber auch unfair für die gewesen, die noch hier (in Bratislava/d. Red.) und spielfähig sind. Um ganz sicher die Infektionskette zu beseitigen, hätte man 16 neue Spieler nachnominieren müssen, was nicht machbar ist. Wir hatten auch diese Diskussion, aber das geht nicht. Übrigens haben alle nun nachnominierten Spieler gesagt, sie wollen dabei sein. Und das Management der Klubs hat dem zugestimmt.

          Müsste der DHB den Spielern nicht die Entscheidung abnehmen?

          Es ist schwierig, einem 25-Jährigen, dem im Vereinsleben viele Entscheidungen abgenommen werden, nun ausgerechnet diese Entscheidung zuzumuten. Es gibt dazu keine einfachen Antworten.

          Müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben – oder sind das blanke Brot-und-Spiele, was wir in Bratislava erleben?

          Ich glaube, vor sechs Wochen wäre mit der Delta-Variante und ihren Verläufen das Turnier abgebrochen worden. Jetzt aber, und davon ausgehend, dass die Infektionen auf das Omi­kron-Virus zurückzuführen sind, haben wir gesagt: Das ist das neue Normal. Wir müssen damit leben. Das zeigen auch die täglich neuen Rekorde bei den Zahlen der Infektionen in Deutschland. Aber es gibt zweifelsohne ein Risiko für die Spieler. Wir haben jedoch vereinbart, das neue Normal als Maßstab zu nehmen. Wenn wir die Omikron-Variante weiterhin als allergrößtes Risiko wahrnehmen und uns um jeden Preis schützen wollen, dürften Sie und ich auch nicht mehr zur Arbeit gehen.

          Handball-EM 2022

          Wann wäre denn ein Rückzug vom Turnier angebracht?

          Das Ganze ist endlich. Vor ein paar Tagen habe ich gesagt, wenn noch einmal fünf nachnominiert werden, geht das nicht. Da musste ich mich revidieren. Aber man schaut täglich zur Mittagszeit bange auf die PCR-Tests – wenn jetzt beide Torhüter ausfielen, müsste ein Feldspieler ins Tor. Zum Glück waren ja heute (am Donnerstag, d. Red.) alle PCR-Tests der Deutschen negativ. Dafür fallen nun zwei Spanier aus.

          Befürchtet die HBL Spielausfälle in der Bundesliga?

          In der Regel sind die infizierten Spieler nach fünf Tagen wieder gesund. Die, die jetzt infiziert sind, werden zum Liga-Start am 6. Februar mit dem Pokal-Viertelfinale wieder da sein. Aber das Risiko, sich vor einem Bundesligaspiel wieder zu infizieren, wenn die Spieler, zurück in Deutschland, auf ihre Familien treffen, ist gegeben. Wir werden uns daran gewöhnen müssen.

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