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EM-Hauptrunde : Deutschlands Handballer verlieren auch gegen Norwegen

  • -Aktualisiert am

Enttäuschte Gesichter beim Deutschen Handballbund (DHB) Bild: dpa

Ähnlicher Spielverlauf wie gegen Spanien: Das von vielen Corona-Fällen gebeutelte deutsche Handball-Team startet stark gegen Norwegen, führt zuerst. Doch nach 25 Minuten häufen sich die Fehler.

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          Es gibt wirklich kuriose Konstellationen bei dieser EM. Ein deutscher Rückraum mit Lukas Stutzke, Julian Köster und David Schmidt – dafür brauchte es sehr viel Phantasie. Und doch spielte die Handball-Nationalmannschaft am Freitagabend in dieser Besetzung gegen Norwegen, den Dritten der EM von 2020. Auf Daniel Rebmann als Torwart wäre auch niemand gekommen, bevor das Coronavirus im deutschen Lager grassierte.

          Handball-EM 2022

          So aber sind die Mittel dieser kaum abgestimmten Mannschaft begrenzt, der Rückraum bleibt harmlos. Bei allem Willen und Kampf – auf höchstem Niveau reicht das nicht. Auch das zweite Hauptrundenspiel verlor Bundestrainer Alfred Gislasons Team in Bratislava, diesmal 23:28. Damit rückt das Halbfinale am Freitag in Budapest in weite Ferne, ist nur noch mit fremder Hilfe erreichbar.

          Gislason versuchte viel, und Norwegen erreichte kaum gewohnten Standard. Gegen die zusammengewürfelten Deutschen genügte das. Beim 17:22 in der 46. Minute hatte sich der DHB schon die Zähne an der Weltklasseabwehr ausgebissen. Am Ende wurde es ein aussichtsloser Kampf – aber wie sich der 21 Jahre alte Köster oder Christoph Steinert hineinwarfen, hatte faszinierende Momente. „Wir haben bis zum letzten Moment um jedes Tor gekämpft“, sagte Schlussmann Johannes Bitter.

          Das tägliche Bulletin ergab: Keine weiteren Corona-Fälle im deutschen Team. Julius Kühn, theoretisch schon am Donnerstag wieder einsatzfähig, pausierte weiter – sein PCR-Test vom Freitag blieb positiv. Es ist also keineswegs selbstverständlich, dass Spieler nach fünf Tagen und eingehender kardiologischer Untersuchung zurückkehren. Immerhin hatte Gislason den gleichen Kader im Einsatz wie beim herben 23:29 gegen Spanien; ungewohnte Stetigkeit für den isländischen Regisseur des deutschen Improvisationstheaters.

          Auch diesmal waren die Kontakte unter den Deutschen außerhalb des Parketts auf ein Minimum reduziert – es wird nicht einmal zusammen geduscht. Nach dem Spiel verschwitzt in den Bus, die 700 Meter ins Teamhotel. Auch die Gegner-Analyse geschah isoliert per Videokonferenz. Der norwegische Trainer Christian Berge wechselte munter durch, ohne dass die Leistung litt. Superstar Sander Sagosen war übermotiviert, saß viel auf der Bank.

          Wie im Spanien-Spiel hatten die Deutschen Nachteile bei der Cleverness, haderten mit den Schiedsrichtern und Bällen, die nicht zu ihnen prallten – trotzdem blieben die Köpfe oben, und die 500 deutschen Fans in der Ondrej Nepela-Arena feierten ihr Team. „Wir haben ein bisschen Lehrgeld gezahlt“, sagte der DHB-Coach. „Ich bin trotzdem stolz auf meine Jungs, sie haben alles gegeben und nie aufgegeben.“

          Handball-EM 2022

          Begonnen hatte der Tag mit der Erklärung für das Zögern des DHB beim Rückzug von dieser EM. Die Folgen wären drakonisch gewesen: „Ein Ausscheiden aus dem Turnier hätte nach unserem Rechtssystem eine Sperre der Nation bedeutet, also keine Teilnahme an einer WM-Qualifikation und schwierige Umstände hinsichtlich der EM 2024“, sagte Martin Hausleitner, der Generalsekretär des Europäischen Handballverbandes, und weiter: „Es hätte auch wirtschaftliche Konsequenzen gegeben, bei denen wir verpflichtet gewesen wären, sie einzufordern.“ Derart strenge Konsequenzen machten den Rückzug aus DHB-Sicht unmöglich.

          Handball-EM 2022

          Spanien schlägt Russland – Auch Schweden erfolgreich

          Handball-Europameister Spanien hat das Tor zum EM-Halbfinale weit aufgestoßen. Der Titelverteidiger gewann nach einem Kraftakt auch den Hauptrunden-Krimi gegen Russland 26:25 (12:11) und hat mit nun 6:0 Punkten beste Aussichten auf einen der vier Plätze für die Medaillenspiele in Budapest. Auch Schweden nahm in der deutschen Hauptrundengruppe 2 am Freitag Kurs auf das Halbfinale. Der WM-Zweite besiegte Polen in Bratislava locker mit 28:18 (14:6) und untermauerte seine Titelambitionen eindrucksvoll. Schweden, am Sonntag dritter Hauptrundengegner des deutschen Teams, hat nunmehr 4:2 Punkte auf dem Konto. Beste Werfer gegen die noch punktlosen Polen (0:6) waren Hampus Wanne, Fredric Pettersson und Emil Mellegard mit je vier Treffern.

          Mitfavorit Spanien hatte sich in seinem zweiten Hauptrundenspiel zuvor schwerer getan als erwartet. Russland hatte unmittelbar vor der Schlusssirene per Siebenmeter die Chance auf den Ausgleich, Igor Soroka warf den Ball jedoch an den Pfosten. Vor der Schlussphase hatte das Team vom früheren Bundesliga-Coach Velimir Petkovic sogar 22:18 (41.) in Führung gelegen. Agustin Casado Marcelo war mit sieben Toren erfolgreichster Werfer für den spanischen EM-Champion von 2018 und 2020, der tags zuvor die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) im ersten Spiel der zweiten Turnierphase klar besiegt hatte (29:23). Russland, das nun 2:4 Zähler auf dem Konto hat, ist am Dienstag der letzte Hauptrundengegner des deutschen Teams. (sid)

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