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Handball-EM : Deutschland siegt im Drama von Breslau

  • -Aktualisiert am

Steffen Weinhold Bild: AFP

Deutschlands Handballer entscheiden eine dramatische Partie ganz knapp für sich. Dass es gegen Schweden zum Sieg reicht, haben Sigurdssons Jungs vor allem einen zu verdanken. Die Hoffnung aufs Weiterkommen bleibt.

          Es war ein Treffen unter guten Bekannten, nicht wenige schwedische Handball-Nationalspieler verdienen schließlich ihr Geld in der Bundesliga. Die Deutschen wussten am Montagabend in Breslau also genau, mit wem sie es zu tun hatten. Zwar konnten sie aus ihren Kenntnissen über Handball auf schwedische Art zunächst nicht wie gewünscht Kapital schlagen – aber letztlich feierte Deutschland doch eine Handball-Party mit Tanzeinlage. Das hatten sich die Deutschen auch verdient nach dem 27:26 gegen die Schweden, nach einem aufreibenden Duell mit Höhen und Tiefen, das bis zuletzt spannend war.

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          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson hat nun gute Aussichten, sich für die Zwischenrunde der Europameisterschaft in Polen zu qualifizieren. Es steht kurz vor diesem Ziel. Das Werk kann am Mittwoch im letzten Vorrundenspiel gegen Slowenien vollendet werden, das am Montag mit einem 24:24 gegen Spanien überraschte. Deutschland könnte dazu mit zwei Pluspunkten in die nächste Runde einziehen; das wäre eine vielversprechende Basis.

          Sigurdsson konnte zu Recht stolz auf seine Mannschaft sein, die sich mit einem herausragenden Torhüter Andreas Wolff und mit großem Willen den Erfolg sicherte; die erst in ein Tal gerutscht war und schließlich mit bemerkenswerter Energie zurückkehrte. Ein Team mit zwei Gesichtern – und am Ende erlöst, erleichtert und glücklich. „Das ist superwichtig für das Selbstvertrauen“, sagte Hendrik Pekeler nach dem Sieg. Sein Teamkollege Erik Schmidt nannte als „riesige Faktoren“ die Deckungsarbeit – und den so impulsiven wie reaktionsschnellen Wolff.

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          Der Isländer Sigurdsson hatte sich tags zuvor in Kurzform anerkennend über Schweden geäußert, aber er hatte auch, wie bei seinem eigenen Team, Schwankungen im Spiel der Schweden festgestellt. Die Skandinavier waren am Montag zunächst auf alle Fälle stabiler, sie agierten druckvoll im Rückraum, vor allem Linkshänder Johan Jakobsson war kaum zu bremsen. Der Flensburger traf, wie er wollte. Sigurdsson hatte den Gummersbacher Torhüter Carsten Lichtlein in die Startformation beordert, ersetzte ihn dann aber doch wieder durch den Wetzlarer Wolff. Auch Lichtlein hatte der Wucht von Jakobsson nichts entgegensetzen können. Es dauerte einige Zeit, bis die Deutschen einigermaßen zueinander fanden, bis so etwas wie ein Plan in ihren Aktionen zu entdecken war, speziell im Angriff. Ihre Durchschlagskraft war nicht allzu groß, und nur die Siebenmetertreffer von Rechtsaußen Tobias Reichmann hielten den Rückstand erst einmal in Grenzen.



          Deutschland schaffte dann in einem kleinen Zwischenhoch den Ausgleich zum 10:10, was auch mit einigen gelungenen Paraden von Wolff zu tun hatte. Die agilen Schweden konterten jedoch prompt und zogen wieder davon; sie entschieden den ersten Teil dieses Breslauer Handballabends 17:13 für sich. Manchmal herrschte ein wahres Durcheinander bei den Deutschen. So als in Unterzahl Niclas Pieczkowski in einem gelben Leibchen als „Libero“ auf das Feld geschickt wurde, Torwart Wolff aber nicht wie erforderlich seinen Posten räumte – daraus ergab sich eine zusätzliche Zeitstrafe für Deutschland. Auch Kapitän Steffen Weinhold konnte dem Team keinen wirklichen Schwung verleihen. Weinhold rackerte zwar, wurde aber in der Regel von den schwedischen Verteidigern gebremst - vorläufig.

          An Moral immerhin mangelte es Deutschen nicht. Sie stemmten sich unverdrossen gegen das schwedische Team, versuchten ihr Glück mit einer sehr offensiv ausgerichteten Deckung – und waren den Skandinaviern plötzlich ebenbürtig. Mehr noch: Weinhold, nun zielstrebiger, erzielte das 21:20. Ein Signal zum Aufbruch, endgültig. Die Deutschen waren kaum wiederzuerkennen: mutig, voller Leidenschaft, treffsicher. Sie bestimmten nun das Geschehen, und sie ließen sich, trotz des schwedischen Aufbäumens, trotz der Roten Karte für Christian Dissinger nach einem Foul an Jakobsson, trotz des Zitterns, den Vorsprung nicht mehr nehmen.

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