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Auf die Torhüter Silvio Heinevetter (links) und Andreas Wolff kommt es gegen Spanien an. Bild: dpa

Handball-EM : Deutschland setzt auf die „schwarze Bestie“

  • -Aktualisiert am

Die deutschen Handballer stehen vor dem „Endspiel“ im Kampf um den Einzug ins EM-Halbfinale. Spanien ist ein ganz schwerer Brocken. Ein Spieler hat allerdings beste Erinnerungen an den Gegner.

          Die Erinnerung ist natürlich noch da, auch bei Andreas Wolff, obwohl er sich mit der Rückblende nicht beschäftigen will, zumindest nicht in diesen Tagen. „Es interessiert niemanden mehr, was in der Vergangenheit war“, sagte Wolff am Dienstag über das Geschehen vor zwei Jahren in Polen, als er mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft den europäischen Thron erobert hatte und einer der Erfolgsgaranten war im finalen Duell mit Spanien. Das war nun wieder ein größeres Thema am Dienstag in Sveti Martin na Muri, wo die Deutschen während des kontinentalen Turniers in Kroatien logieren.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Und sich nun gesammelt haben vor dem Wiedersehen mit den Spaniern an diesem Mittwoch (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und im ZDF) in Varazdin, wo es für Deutschland um alles oder nichts gehen wird bei dem kroatischen Intermezzo. Am Dienstagabend unterlag Mazedonien gegen Tschechien 24:45, während zuvor Spanien beim 26:31 gegen Slowenien gepatzt hatte. Ein Sieg über die Iberer würde den Deutschen den Einzug ins Halbfinale bescheren. Und dabei soll Torwart Wolff eine Rolle einnehmen wie damals in Polen, als er einen beträchtlichen Anteil daran hatte, dass die Deutschen die Spanier entzauberten.

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          Spanien, immer wieder Spanien: Das wurde Wolff am Dienstag dann doch ein bisschen zu viel. Er habe das komplett aus seinem Kopf gestrichen, sagte er letztlich über seine Großtaten in Polen. Und mit ironischem Anstrich fügte er hinzu: „Ich weiß gar nicht mehr, gegen wen wir im Finale gespielt haben.“ Für Bundestrainer Christian Prokop gibt es keinen Zweifel daran, dass es nun in jedem Fall nicht zuletzt wieder auf die Torhüter ankommen wird, auf Wolff und seinen Berliner Kollegen Silvio Heinevetter. Er erwartet, „dass sie so weitermachen wie zuletzt“. In enger Kooperation mit der Abwehr, als Basis für flotte Angriffe, die zu „leichten“ Toren führen sollen. Dass in der Verteidigung nun jedoch der Berliner Paul Drux fehlen wird, der sich am Sonntag einen Meniskusriss zugezogen hatte, schmerzt Prokop. Er sagte, damit einen „zentralen Baustein“ verloren zu haben. Trotzdem fordert er, „dass der Ball schneller und mutiger hinten rauskommt“.

          Ob Wolff zur Startformation gehören wird, ließ Prokop offen. „Das wird man sehen.“ Nicht unwahrscheinlich jedoch, dass er zunächst auf den Kieler setzt, der den Spaniern in Polen wegen seiner katzenartigen Reflexe wie eine „schwarze Bestie“ vorgekommen war. Wolff, 26 Jahre alt, sprach zwar von einem Aufwärtstrend im deutschen Team – eine Erkenntnis, die er aus der Begegnung mit den Dänen zog, in der die Deutschen, trotz der Niederlage, schwungvoller agiert hatten als zuvor. Trotzdem mochte der Schlussmann, der spätestens 2019 zu dem polnischen Spitzenklub Kielce wechselt, nicht verhehlen, ein „bisschen nervös“ zu sein. Schließlich steht für den Novizen Prokop und sein Team eine Menge auf dem Spiel. Auch weil die Deutschen schon bei der Weltmeisterschaft 2017 in Frankreich mit dem Scheitern an Qatar im Achtelfinale ihr Ziel deutlich verpasst hatten.

          Wolff stellt sich auf ein „unglaublich cleveres“ spanisches Team ein, das – mit einem anderen Gesicht als in Polen – neben Frankreich „den besten Handball“ in Kroatien zeige. „Es wird uns einiges abverlangt werden, um durch das Bollwerk durchzukommen.“ Für den Mann mit Gardemaß ist es deshalb zwingend notwendig, zum Abschluss der Hauptrunde in Varazdin „die Bad Boys auszupacken, um die Spanier das Fürchten zu lehren“. Wolff erhofft sich zudem eine Steigerung im Rückraum, er wünschte sich, dass sich in dieser Reihe endlich einmal „zwei oder drei Spieler“ hervorheben und das Team tragen. In der jüngeren Vergangenheit war dies nicht der Fall, es handelte sich um das auffälligste Manko der Deutschen. So sagte auch Prokop am Dienstag: „Wir brauchen eine exzellent funktionierende Spielführung.“ Ein Appell in erster Linie an Steffen Fäth und Philipp Weber.

          Wolff betrachtet sich, obwohl er beim THW Kiel nicht wie gedacht Fuß fassen konnte, längst als eine verantwortliche Kraft im deutschen Team, auch abseits des Parketts, als jemand mit Richtungskompetenz. In dieser Position nahm er sich am Dienstag die Freiheit, die öffentliche Kritik an gewissen Maßnahmen von Prokop locker beiseite zu wischen. „Das ist absolut irrelevant“, behauptete Wolff, „wir müssen uns darauf konzentrieren, unseren Job zu machen.“ Der Schlussmann suchte auch das Gespräch mit Uwe Gensheimer, dem schwächelnden Kapitän der deutschen Auswahl. Wolff gab dem Mannheimer, der bei Paris St-Germain unter Vertrag steht, bei dieser Gelegenheit den Rat, sich nicht verrückt machen zu lassen.

          „Er ist auch nur ein Mensch“, sagte Wolff, „wir sollten uns alle mal ein bisschen entspannen.“ Der Kieler hat offensichtlich, obwohl Prokop den Kieler Rune Dahmke nachnominiert hat, immer noch großes Vertrauen in Gensheimer. „Er ist der beste Linksaußen der Welt“, betonte Wolff, „wir brauchen seine Fähigkeiten. Ich bin überhaupt nicht besorgt.“ Aber, ganz allgemein, ein wenig angespannt vor einem bedeutungsvollen Abend für den deutschen Handball mit spanischer Note – unter etwas anderen Vorzeichen aber als damals in Polen.

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