https://www.faz.net/-gtl-95p8c

Handball-EM : Aufregung um Videobeweis bei deutschem Spiel

  • -Aktualisiert am

Die Emotionen müssen raus: Kai Häfner und die Deutschen kommen doch noch zum Remis. Bild: AFP

Beim EM-Spiel gegen Slowenien spielen sich kuriose Szenen ab. Die Deutschen kassieren Sekunden vor Schluss das 24:25. Doch es gibt wilde Proteste – und eine besondere Verlängerung mit Happy End.

          Ein Spiel mit besonderer Verlängerung, ein aufregender Showdown an einem ungewöhnlichen Handballabend: Deutschland konnte am Montagabend froh sein, wenigstens noch ein 25:25 gegen Slowenien ergattert zu haben auf dem Weg in die Hauptrunde der Europameisterschaft in Kroatien. Das war Tobias Reichmann zu verdanken, der zum Ausgleich traf. Aber auch dem Slowenen Blaz Blagotinsek, der sich kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit einen Regelverstoß geleistet hatte – er verhinderte den Anwurf der Deutschen durch Paul Drux, die gerade das 24:25 durch Blaz Janc hatten hinnehmen müssen.

          Handball-EM 2018
          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Die Slowenen wähnten sich als Sieger, die Deutschen protestierten, und sie bekamen Recht. Die Offiziellen in Zagreb und die litauischen Schiedsrichter berieten etwa fünf Minuten, am Kampfrichtertisch wurden Videoaufnahmen studiert, die Deutschen schwankten zwischen Hoffen und Bangen. Letztlich aber wurde zu ihren Gunsten entschieden: Rote Karte für den Übeltäter Blagotinsek, ein allerletzter Siebenmeter für die Deutschen, so sieht es das Regelwerk nach einem Vergehen wie dem von Blagotinsek vor. Und Reichmann, der Rechtsaußen von der MT Melsungen, machte das Beste daraus: ein Tor nach einer längeren Pause, eine Erlösung für seine Mannschaft.

          „Wir sind glücklich, dass Reichmann eine solche Nervenstärke gezeigt hat“, sagte Bundestrainer Christian Prokop erleichtert nach einem Duell mit Seltenheitswert, in dem die Deutschen sich nach schwachem Beginn enorm anstrengen mussten, um sich aus der Bredouille zu befreien. Ohne die Hilfe eines ungestümen Slowenen aber wäre das nicht gelungen. Zwei Stunden später legte Slowenien Protest ein gegen die Wertung des Spiels. „Die Schiedsrichter haben die Möglichkeit des Videobeweises genutzt und die letzten Sekunden intensiv begutachtet. Ihre finale Entscheidung ist regelkonform. Die sportliche Enttäuschung unseres Gegners ob des dramatischen Spielendes verstehen wir, aber einem Protest der slowenischen Delegation sehen wir gelassen entgegen“, teilte der Deutsche Handballbund mit.

          Handball-EM 2018: Spielplan, Ergebnisse, Termine

          Das deutsche Team hatte sich am Montag auf den ersten größeren Härtetest bei diesem Turnier eingestellt, auch wenn die Slowenen ein bisschen angeschlagen wirkten, nicht zuletzt wegen mancher Ausfälle. So haben sie jüngst auch Nik Henigman wegen einer Verletzung ersetzen müssen, für ihn rückte Gregor Potocnik nach. Der deutsche Kapitän Uwe Gensheimer erwartete in jedem Fall „mehr Druck auf dem Kessel“ als zuletzt gegen Montenegro. Das konnte auch auf den stimmgewaltigen Anhang der Slowenen bezogen werden, wobei die Zagreber Arena keineswegs voll besetzt war.

          Die Deutschen bekamen umgehend zu spüren, dass Slowenien ein anderes Kaliber als Montenegro ist. Sie hatten beträchtliche Mühe, ihre Linie zu finden, vor allem im Angriff. Bezeichnend dafür war, dass Deutschland sein erstes Tor erst in der siebten Minute erzielte, durch einen von Gensheimer verwandelten Siebenmeter. Der Mann von Paris St. Germain ist ein Spezialist für solche Fälle, allerdings stieß er dabei am Montag doch auch an Grenzen: Gensheimer nutzte nach seinem ersten Volltreffer zwei solcher Chancen nicht. Das schmerzte umso mehr, als die Deutschen ansonsten in der Offensive kaum zum Zuge kamen. Ihre Aktionen waren nicht präzise genug, es mangelte an Durchschlagskraft. Da verwunderte es nicht, dass Deutschland deutlich in Rückstand geriet – auch wenn zwischendurch durch Reichmann doch wieder ein Siebenmetertor zustande kam, jedoch erst im zweiten Versuch, nachdem der slowenische Torwart Urban Lesjak den ersten Wurf pariert hatte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.
           Ein Flugzeug von Thomas Cook steht auf dem Rollfeld des Flughafens von Manchester.

          Reisekonzern : Thomas Cook ist pleite

          In der Nacht wurde das Aus besiegelt: Der älteste Reisekonzern der Welt steht vor der Zwangsliquidation. Das betrifft auch Zehntausende deutsche Urlauber. Condor-Maschinen sollen zunächst weiter fliegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.