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Am Ende reichte es für die Deutschen um Finn Lemke (rechts) doch noch zum Sieg. Bild: Reuters

Handball-EM : Die Deutschen sind weiter im Spiel

  • -Aktualisiert am

Lange Zeit haben ist das Duell mit Tschechien für die Handballer ein äußerst mühevolles Unterfangen. Am Ende siegen sie doch noch. Dabei ist vor allem auf zwei Spieler Verlass.

          3 Min.

          Es war ein Abend, an dem wieder ein bisschen Hoffnung aufkeimte, ein Abend, an dem sich die deutschen Handballspieler erfolgreich gegen alle Widrigkeiten stemmten. „Ein Kampfspiel“, sagte der herausragende Schütze Steffen Fäth nach dem 22:19 in Varazdin gegen Tschechien, „in das wir uns reinbeißen mussten.“ Das war lange Zeit ein äußerst mühevolles Unterfangen, ehe in den letzten zehn Minuten doch noch so etwas wie ein Spielfluss bei den Deutschen zustande kam.

          Handball-EM 2018
          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Bundestrainer Christian Prokop und seine Spieler hatten gehörig unter Druck gestanden nach zwei Unentschieden; eine Niederlage gegen die Tschechen hätte im Prinzip schon alle Chancen auf die Halbfinalteilnahme bei der Europameisterschaft in Kroatien zunichtegemacht. Mit dem Erfolg vom Freitag bleiben die Deutschen im Spiel, allerdings warten auf sie noch zwei größere Kaliber in der Hauptrunde: an diesem Sonntag (18.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und in der ARD) die Dänen, die ihr erstes Hauptrundenspiel am Freitagabend gegen den WM-Dritten Slowenien mit 31:28 gewannen und wie Deutschland 4:2 Zähler aufweisen, und am kommenden Mittwoch (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und im ZDF) Spanien. Dänemark ist Olympiasieger, trotzdem sagte Prokop, diesem Gegner „mit sehr viel Dampf“ begegnen zu wollen. Eine mutige Ankündigung angesichts anhaltender Probleme in der Offensive.

          Nicht, dass die Namen der tschechischen Spieler einen großen Klang hätten im europäischen Handball, allerdings hatten die Tschechen zuletzt einige Aufmerksamkeit erregt bei diesem kontinentalen Turnier. Zum Beispiel ein Mann namens Ondrej Zdrahala, der sogar der beste Torschütze der Vorrunde mit 25 Treffern war. Eine reife Leistung des 34 Jahre alten Sportlers, der mal in der zweiten deutschen Liga beim ASV Hamm-Westfalen aktiv gewesen war und jetzt sein Geld in der Schweiz verdient. Seit Filip Jicha, einst eine Größe in Kiel, nicht mehr am Ball ist, verstehen sich die Tschechen allerdings als Handball-Kollektiv, ungeachtet der besonderen Stellung von Zdrahala. Tschechien, der forsche Außenseiter, war aber ebenso wie Deutschland nur mit zwei Punkten in die zweite Phase der EM gezogen, selbst die höher eingeschätzten Dänen und Spanier hatten kein größeres Polster erreicht.

          Eine Ausgangslage, aus der die Deutschen ein bisschen Mut schöpfen konnten nach zwei unbefriedigenden Auftritten in Zagreb, die auch bei Prokop Spuren hinterlassen hatten. Er wirkte auch am Freitag zunächst angespannt. Auch weil die Tschechen sich als unangenehmer Gegner erwiesen und verdeutlichten, dass sie nicht von ungefähr noch im Rennen sind in Kroatien. Die Deutschen konnten zwar auf einen reaktionsschnellen Torhüter Silvio Heinevetter bauen, Prokops Team konnte dies aber nicht wirklich nutzen – weil es seinen Attacken, wie bei den Spielen zuvor, an Schwung und Präzision fehlte. Der Rückraum ließ wieder zu wünschen übrig, mit Fehlwürfen von Paul Drux, von Kai Häfner, von Philipp Weber, vor allem von Julius Kühn. Der Melsunger ist eine wuchtige Erscheinung, offenbart derzeit aber gravierende Mängel.

          Bundestrainer Prokop hatte alle Hände voll zu tun. Bilderstrecke

          So sah sich Prokop wieder zu Wechseln im Rückraum gezwungen, nur Fäth blieb eine Konstante. Der Berliner übernahm Verantwortung, ließ den Mut zum Torwurf erkennen, auch wenn er dabei schon mal einen heftigen Schlag einstecken musste, auf ihn war ebenso Verlass wie auf Torwart Heinevetter. Fünf der neun deutschen Treffer in den ersten 30 Minuten gingen auf das Konto von Fäth, der kürzlich noch von Bob Hanning ermuntert worden war, häufiger die Initiative zu ergreifen. Hanning ist Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), aber auch Manager bei den Füchsen Berlin, bei denen Fäth unter Vertrag steht. Hannings Worte hatten ihre Wirkung offensichtlich nicht verfehlt. Fäth, der auf insgesamt acht Tore kam, war jedoch so etwas wie ein Alleinunterhalter im deutschen Rückraum. Und obwohl die Tschechen mehrmals in Heinevetter ihren Meister gefunden hatten, gingen sie mit einer 10:9-Führung in die zweite Halbzeit. Sie profitierten von der deutschen Angriffsschwäche, die sich selbst bei Kapitän Uwe Gensheimer zeigte.

          Handball-EM 2018: Spielplan, Ergebnisse, Termine

          Die Deutschen suchten zwangsläufig weiterhin in erster Linie Fäth, der sein Team, im Verbund mit Heinevetter, tatsächlich im Spiel hielt. Zwei Kreisläufer entlasteten Fäth dann zwischendurch ein bisschen: Jannik Kohlbacher gelang das 14:14, Patrick Wiencek das 15:14, ohne dass daraus ein Signal zum Aufbruch entstanden wäre. Die Tschechen wandelten das prompt in ein 18:16 um. Die Deutschen mussten sich also wieder mit dem Aufholen beschäftigen, aber es gelang es, sich aus der Bredouille zu befreien. Inzwischen auch mit der Unterstützung des Kieler Torwarts Andreas Wolff, der beim Stand von 19:18 einen Siebenmeter abwehrte. „Ich hatte das Gefühl“, sagte Prokop über den Torhüter-Tausch, „dass ein Wechsel noch mal einen Schub bringen kann.“ Immerhin eine Strategie, die funktionierte. Die Deutschen ließen sich ihren Vorsprung nicht mehr nehmen. Und Prokop sagte zufrieden: „Diese Mannschaft hat sich nicht aufgegeben.“ Das wenigstens hatte man von ihr auch verlangen können.

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