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Handball-Torwart Wolff : Ein Kerl wie ein Baum

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„Es gibt nichts Angenehmeres, als einen Ball zu halten“: Handball-Torwart Andreas Wolff. Bild: dpa

Dank Torwart Andreas Wolff steht Deutschland bei der Handball-EM prächtig da. Auch wenn es manchmal weh tut. Doch Wolff hat beim Turnier in Polen ein ambitioniertes Ziel.

          Der „Hexer“ ist wieder da, unübersehbar. Ein neuer „Hexer“, als Nachfolger eines Mannes namens Andreas Thiel, der auch mal im Tor der deutschen Handball-Nationalmannschaft stand. Und die Gegner zur Verzweiflung treiben konnte mit seinen katzenartigen Reflexen. Handball-Deutschland aber hat jetzt den nächsten Andreas. Nachname Wolff, 24 Jahre alt, unter Vertrag bei der HSG Wetzlar. Und unter besonderer Beobachtung seit einigen Tagen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Deutschland macht mächtig Tempo bei der Europameisterschaft in Polen, und Wolff ist einer seiner Antreiber, er ist eine deutsche Entdeckung - einer, an dem sich ein ganzes Team aufrichten kann. Aber gleich ein „Hexer“? Nur ein Klischee, sagt Wolff, er wehrt sich vehement gegen dieses Etikett, das ihm flugs verpasst worden war. „Das möchte ich von mir weisen. Das ist nicht angemessen.“ Als Kind, erzählt er, habe er ein Buch gelesen, das von Thiel und einem anderen Handball-Torhüter, Stefan Hecker, verfasst worden war. Und ihn, den Jüngling, tief beeindruckt hat. „Der Original-Hexer“, sagt Wolff, „ist eine Legende.“ Und er ist ein Aufsteiger - einer mit glänzenden Perspektiven.

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          Auch Deutschland steht in Polen prächtig da, nicht zuletzt dank Wolff. Schlägt sich besser als erwartet, kann weiterhin auf das Halbfinale hoffen. Und vielleicht sogar auf ein bisschen mehr. „Mein Traum“, sagt Wolff, „ist die Europameisterschaft.“ Soll heißen: der Titel. Das klingt ein wenig vermessen, aber Wolff ist überzeugt, dass Deutschland jeden Gegner bezwingen könne. Die Russen zum Beispiel, die an diesem Sonntag (18.15 Uhr / Live in der ARD und im Handball-EM-Ticker bei FAZ.NET) in Breslau auf die Deutschen warten. Mit den Dänen könnte das schon schwieriger werden, mit ihnen müssen sich Wolff und Co. am kommenden Mittwoch auseinandersetzen, zum Abschluss der Hauptrunde. Der deutsche Handball sorgt in jedem Fall wieder für Gesprächsstoff. Eine prima Sache, sagt Wolff, „es ist wichtig, dass der Handball sich wieder mehr in den Vordergrund spielt“. Und in Deutschland wirklich wahrgenommen wird als Ballsportart Nummer zwei hinter dem Fußball.

          Wolff tut einiges dafür. Er ist eine Wucht, allein schon wegen seiner Statur. Fast zwei Meter lang, mehr als 100 Kilogramm schwer, ein Kerl wie ein Baum. „Ich bin physisch ganz gut beisammen“, sagt er, „sehr lange Arme, große Hände.“ Und trotzdem ist Wolff ziemlich flink. Er sei, sagt er, ungewöhnlich beweglich in Anbetracht seiner Größe. Und glaubt, dass das eine Menge damit zu tun habe, dass er bereits früh damit begonnen habe, „mich sehr viel zu dehnen“. Das hilft Deutschland, sich zu strecken, wieder nach höheren Zielen zu greifen.

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          Wolff weist bei dieser Europameisterschaft bislang überaus beachtliche Werte vor. Er hatte am Freitag beim 29:19 gegen Ungarn 41 Prozent der Bälle abgewehrt, die auf ihn zugeflogen waren. Doch er selbst mag sich nicht groß mit solchen Quoten beschäftigen. „Davon kann man sich nichts kaufen. Sie sind sehr vergänglich.“ Also gleich wieder die nächste Aufgabe in Angriff nehmen, ganz nach der Devise von Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Und sich von neuem präparieren für den einsamen Job des Torwarts. Für all die Härten, die damit verbunden sind. Und vielleicht sogar eine gewisse masochistische Veranlagung erfordern. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein“, sagt Carsten Lichtlein, der Routinier aus Gummersbach, der vorläufig von Wolff als Stammtorwart im Nationalteam eindeutig verdrängt worden ist, aber trotzdem jede Parade des anderen feiert, als sei sie ihm selbst gelungen: „Eigentlich stellt sich keiner freiwillig in die Kiste und lässt sich die Bälle mit 120 Kilometern am Kopf vorbeischießen.“

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