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Handball-EM : Der deutsche Traum vom Halbfinale lebt

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Torwart Andreas Wolff war gegen Ungarn in Bestform. Bild: dpa

Was für ein Spiel! Die Deutschen besiegen schwache Ungarn bei der EM und zeigen dabei zuweilen Handball zum Genießen. Dabei hilft dem jungen Team ein großer Trumpf.

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          Der Schwung hält an, der deutsche Handball wird weiter von der Hoffnung getragen, aus Polen mit einem größeren Ertrag zurückzukehren. Erst recht nach der Show vom Freitag: Deutschland zeigte die nächste beeindruckende Darbietung bei der Europameisterschaft, es war zuweilen sogar Handball zum Genießen. Und es war eine klare Sache für die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson, die nach dem 29:19-Sieg über Ungarn zum Auftakt der Hauptrunde in Breslau ein Plus von vier Punkten hat.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Damit lässt sich den kommenden Aufgaben sehr zuversichtlich entgegenblicken. An diesem Sonntag geht es gegen Russland (18.15 Uhr / Live in der ARD und im Handball-EM-Ticker bei FAZ.NET), das am Freitag in letzter Minute seinen ersten Sieg beim 28:28 gegen Schweden verspielte, ehe den Deutschen einige Tage Pause vergönnt sind bis zum Kräftemessen mit Dänemark am kommenden Mittwoch. Dann könnte die Entscheidung über die Halbfinalteilnahme fallen. Versteht sich, dass Sigurdsson hochzufrieden war, auch wenn ihn das Ergebnis, wie er sagte, ein bisschen überrascht habe.

          Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, beschrieb die Leistung der Deutschen blumig so: „Wir sind auf dem Weg von einem großen Kahn zu einem Schnellboot.“ Er betonte auch: „Man darf vom Halbfinale träumen.“ Allerdings solle man trotzdem keine Erwartungen aufbauen, „von denen man erdrückt wird“. Teammanager Oliver Roggisch mahnte ebenfalls, das Geschehen vom Freitag nicht überzubewerten: „Nicht abheben, schön auf dem Boden bleiben.“

          Die deutschen Fans in Breslau waren ganz aus dem Häuschen. Bilderstrecke
          Die deutschen Fans in Breslau waren ganz aus dem Häuschen. :

          Ein großer Trumpf der Deutschen war die hintere Reihe. Dass auf die deutsche Deckung, trotz ihres jugendlichen Anstrichs, Verlass ist, hatte sich schon in den vergangenen Tagen gezeigt. In Gestalt von Finn Lemke und Hendrik Pekeler zum Beispiel, die den Mittelblock bilden. Was von ihnen gefordert wird, beschrieb Kapitän Steffen Weinhold dieser Tage so: „Es ist wichtig, dass wir keinen Zentimeter zurückgehen und die Gegner wissen, dass es wehtut, wenn sie dahin kommen.“

          Das bekam diesmal nicht zuletzt Laszlo Nagy zu spüren, einer der bekanntesten Rückraumschützen der Ungarn. Nagy ist derzeit in seiner Heimat bei MKB Veszprem tätig, er hatte zuvor zwölf Jahre für den FC Barcelona gespielt und mit diesem Klub zweimal die Champions League gewonnen. Nagy hatte enorme Mühe, sich gegen Lemke und Co. zu behaupten. Der 2,10 Meter lange Magdeburger Lemke, eigentlich ein Mann von sanftem Wesen, stemmte sich zusammen mit seinen Teamkollegen furchtlos gegen den ungarischen Angriff – Nagy fand kaum Raum zur Entfaltung.

          Spielplan der Handball-EM 2016: Termine und Ergebnisse

          Lemke ist ein juveniler Zerstörer, der schnell zumindest zu einer kleinen Größe in Sigurdssons Team geworden ist. Er oder Kreisläufer Jannik Kohlbacher sind treue Gefolgsleute von Sigurdsson, sie wissen, dass sie von dem Isländer eine große Chance bekommen haben, sich auf einer größeren Bühne des Handballs zu bewähren. „Das zahlen wir zurück“, sagt der Wetzlarer Kohlbacher, in jedem Fall mit enormem Einsatzwillen.

          Das offenbarte sich am Freitag von der ersten Minute an. Die Deutschen übernahmen umgehend das Heft des Handelns. Mit einer stabilen Verteidigung, mit einem reaktionsschnellen Torwart Andreas Wolff, mit einer variablen Offensive und sehenswerten Kombinationen. Sigurdssons Team ließ deutlich erkennen, welchen Spaß es am Handball hat – und von welchem Ehrgeiz es beflügelt ist.

          Deutschland hatte bereits im ersten Teil dieses Handballabends in Breslau siebzehn Tore erzielt. Und es ließ dabei lediglich neun Gegentreffer zu. Ein deutliches Zeichen dafür, wie effektiv Lemke und seine Mitstreiter zu Werke gingen, wie sehr auch Wolff wieder eine Stütze des Teams war. Die Ungarn wussten offenbar kaum, wie ihnen geschah.

          Sigurdsson konnte es sich schließlich wegen der Überlegenheit seines Teams sogar erlauben, sein Stammpersonal ein bisschen zu schonen. Dafür schickte er Männer wie Simon Ernst, Erik Schmidt oder Torhüter Carsten Lichtlein auf das Feld. Deutschland, dessen bester Schütze Fabian Wiede mit sechs Toren war, war dennoch nicht zu bremsen. Lichtlein, bisher im Schatten von Wolff, parierte sogar zwei Siebenmeter. Und Rechtsaußen Johannes Sellin traf zu guter Letzt aus dem Rückraum. Handball-Deutschland hat neuerdings immer Überraschungen parat.

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