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Frust bei Handball-Team : „So betrunken kann man gar nicht sein“

  • Aktualisiert am

Wollte es nicht wahrhaben: Deutschlands Torhüter Andreas Wolff nach dem Spiel gegen Kroatien Bild: EPA

Nach der dramatischen Niederlage gegen Kroatien in letzter Minute hat Deutschland nur noch hypothetische Chancen auf das EM-Halbfinale. Die Enttäuschung ist groß. DHB-Vizepräsident Bob Hanning steht Rede und Antwort.

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          DHB-Vizepräsident Bob Hanning fürchtet trotz der so gut wie sicher verpassten EM-Medaille keine Diskussion um Handball-Bundestrainer Christian Prokop. „Ich glaube nicht, dass es die gibt. Es besteht ja auch gar kein Anlass dazu. Wir haben das Ziel nur um Millimeter verpasst“, sagte Hanning am Samstagabend nach der 24:25-Niederlage der DHB-Auswahl gegen Kroatien. Man werde die EM im Verband natürlich wie immer analysieren. „Aber ich sehe im Moment überhaupt keinen Bedarf, darüber zu sprechen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass es nach dem Turnier dazu kommt“, betonte Hanning.

          Die deutsche Mannschaft könnte nur noch durch ein Handball-Wunder das Halbfinale erreichen. Dazu müsste sie ihre beiden ausstehenden Hauptrundenspiele gegen Ko-Gastgeber Österreich und Tschechien gewinnen. Gleichzeitig müsste Weißrussland Titelverteidiger Spanien mit sieben oder acht Toren Vorsprung sowie auch Österreich schlagen und Spanien sein letztes Spiel gegen die für das Halbfinale qualifizierten Kroaten verlieren. Dieses Szenario bezeichnete Hanning als höchst unwahrscheinlich.

          Nach der enttäuschenden Niederlage stellte er sich Medienvertretern zu einem Kurzinterview:

          Bob Hanning, das deutsche Team hat gegen Kroatien ein richtig starkes Spiel gemacht, am Ende aber mit 24:25 verloren. Wie fühlt sich das an?

          Hanning: „Natürlich ist man traurig, weil man sieht, was die Mannschaft für den sportlichen Erfolg investiert hat. Ich glaube, wir haben zweimal in dem ganzen Spiel zurückgelegen, einmal direkt am Anfang und einmal ganz am Ende. Wenn man dann am Ende des Tages das Spiel so unglücklich verliert, dann tut das schon weh. Das fühlt sich ganz schön beschissen an.“

          Das Halbfinale war das große Ziel. Glauben Sie noch an die Minimalchance?

          Hanning: „So betrunken kann man gar nicht sein, um jetzt noch an das Halbfinale zu denken. Wir müssen die Kräfte wieder sammeln und schnell die Köpfe hochbekommen. Wir können noch nach Stockholm kommen und um Platz fünf spielen, das muss jetzt das Ziel sein.“

          Aufmunterung noch während der Partie: Bob Hanning (rechts) in Wien

          Fehlte am Ende die Qualität?

          Hanning: „Ich fand es trotz der vielen Ausfälle richtig, zu sagen, wir greifen oben an, wir wollen das Ziel Halbfinale. Und wenn wir ganz ehrlich sind, waren wir nur einen Millimeter davon entfernt, die Chance darauf zu haben. Jetzt zu hinterfragen, ob es falsch war, das Ziel so hochzustecken, und ob man die Mannschaft damit überfordert hat – dem muss ich einfach widersprechen.“

          Inwiefern helfen die Spiele, die hier jetzt noch kommen, mit Blick auf den Rest des Handballjahres mit der Olympia-Qualifikation und Tokio 2020?

          Hanning: „Ich hoffe, dass wir diese beiden Spiele noch nutzen, denn wir wollen im Sommer für Deutschland nach Tokio. Es wird sich jetzt auch zeigen, was wir wirklich bereit sind zu investieren. Ich hoffe, dass die Mannschaft sich der Verantwortung bewusst ist. Wir haben zur Primetime gespielt und aus Deutschland wieder eine Handball-Nation gemacht. Das hat man gegen Kroatien gesehen. Daran müssen wir jetzt weiter arbeiten. Wir sollten tunlichst das Turnier nicht als beendet ansehen und zusehen, dass wir noch nach Stockholm kommen und diese positive Energie ins Olympia-Qualifikations-Turnier im April in Berlin mitnehmen.“

          Handball-EM 2020

          Über sechs Millionen TV-Zuschauer sehen deutschen Handball-Krimi

          Mehr als sechs Millionen TV-Zuschauer haben die unglückliche 24:25-Niederlage der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der EM gegen Kroatien verfolgt. Durchschnittlich sahen 6,4 Millionen Interessierte am Samstagabend die Live-Übertragung des ZDF aus Wien. Das entsprach einem Marktanteil von 20,7 Prozent. Es war die bislang beste Quote für ein deutsches Spiel bei der diesjährigen EM. (dpa)

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