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Handballduell mit Weißrussland : Deutschland und das erste EM-Endspiel

Der vielleicht beste deutsche „Shooter“: Julius Kühn aus Melsungen. Bild: Christina Pahnke / sampics

Das deutsche Handballteam ist vor der Hauptrunde in einer schwierigen Lage. Es gibt Gründe, die dafür sprechen, dass die EM eher sang- und klanglos zu Ende geht, bevor sie richtig angefangen hat. Die Liste der Mängel ist lang.

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          Vor der Wiener Stadthalle parkte ein Geländewagen, der für die Internetseite „Krisensurvival.at“ warb. Dahinter verbirgt sich ein Coaching-Angebot für knifflige Lebenslagen aller Art – das Logo dazu zeigte Wald, Axt und Schaufel. Ganz so dramatisch ist es um die deutsche Handball-Nationalmannschaft nicht bestellt, um einen Ausweg aus einer sportlich schwierigen Situation und das Freilegen verschütteter Fähigkeiten geht es gleichwohl für Christian Prokop und seine Spieler, die sich drinnen für das erste Hauptrundenspiel der Europameisterschaft an diesem Donnerstag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und in der ARD) gegen Weißrussland vorbereiteten.

          Auch wenn der Bundestrainer das Wort vom „Neustart“ am Mittwoch zurückwies und lieber von „Entwicklung“ sprach, vom erhofften „Schwung“ und „Flow“: Der Umzug vom düsteren Trondheim in das auch bei Temperaturen um den Nullpunkt lebens- und liebenswerte Wien soll auch einen Klimawandel rund um das Team mit sich bringen. Jeweils um 20.30 Uhr geht es in der Hauptrunde gegen Weißrussland, Kroatien (Samstag), Österreich (Montag) und Tschechien (Mittwoch) um den ursprünglich angepeilten, zuletzt aber aus dem Fokus geratenen Einzug ins Halbfinale. Aller Voraussicht nach verhelfen den Deutschen nur vier Siege zur angestrebten Halbfinalteilnahme, vielleicht sogar noch nicht einmal die.

          Die Partie gegen die vom einstigen Bundesliga-Meistertrainer Juri Schewzow angeleiteten Weißrussen, für die der Flensburger Johannes Golla für Marian Michalczik (GWD Minden) in den Kader genommen wurde, ist also ein erstes Endspiel, und das nicht nur beim Blick auf die Tabelle. Es geht für Prokop und sein Team darum, überhaupt einen handballerischen Zugriff auf das Turnier zu finden – und auch die nötige mentale Verfassung. Schafft die Mannschaft es noch, sich „heranzurobben“, wie Prokop das sagte, an ein gehobenes Niveau? Oder geht die Sache doch sang- und klanglos zu Ende, noch bevor sie überhaupt richtig angefangen hat? Nach den letzten Trondheimer Eindrücken gibt es durchaus Gründe, das zweite Szenario zu fürchten. Aber Trainer und Team tun, was sie können, um Zuversicht zu verbreiten. „Wir wissen alle, dass wir mehr können“, sagte Uwe Gensheimer am Mittwoch, „deswegen ist der Glaube da. Wir haben ja nicht verlernt, Handball zu spielen.“ Das Mehr an Tageslicht in Wien spielte in den Worten des Kapitäns nur eine untergeordnete Rolle.

          Eine Erleuchtung aber braucht die deutsche Mannschaft. Nur: Woher soll sie kommen? Gensheimer sprach davon, dass „wir alle noch mehr reinwerfen müssen“, mehr Emotionalität, mehr Beinarbeit in der Deckung, mehr Aggressivität. „Eine Schippe drauflegen“ – das forderte auch der Bundestrainer, vor allem in der Abwehr, um dort wieder das Niveau der Heim-WM im vergangenen Jahr zu erreichen und die Torhüter zu stärken. „Das ist die Basis für unseren Erfolg.“ Prokops zweiter Punkt: ein „schnelleres, disziplinierteres Angriffsspiel“. Hier könnte Julius Kühn ins Spiel kommen. Kühn, 1,98 Meter groß und ein wuchtiger Kerl, trägt das Etikett „Mann für die leichten Tore“. So jemanden hat jede Mannschaft gern, nicht nur, weil er Zählbares beisteuert, sondern weil es auch Druck von den anderen nimmt, wenn sie wissen: Wenn wir uns im Kombinationsspiel verstricken, gibt es einen, der den Knoten löst, mit Wucht, Wille oder gar Gewalt.

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