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Handball-EM 2020 : Deutschland mit Mühe zum Auftaktsieg

  • -Aktualisiert am

Am Ende durften die Deutschen mit Bundestrainer Christian Prokop doch noch jubeln. Bild: dpa

Immerhin das Ergebnis stimmt. Deutschland gewinnt zum Auftakt der EM gegen Neuling Niederlande. Doch der Europameister von 2016 hat einige Probleme. Und für Uwe Gensheimer ist die Partie schnell beendet.

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          Es hatte ihn und die ganze Mannschaft ziemlich motiviert, dass deutsche Fans im Internet über den niederländischen Männerhandball gespottet haben, erzählte Luc Steins vor dem Spiel: „Wir wissen, dass wir nicht besonders bekannt sind, aber wir werden um jeden Ball und für jedes Tor kämpfen“, sagte der 172 Zentimeter lange Handball-Profi. Nach dem Debüt der niederländischen Männer bei einer Europameisterschaft kann man nun festhalten: Es gibt gar keinen Grund, sich über ihr Können lustig zu machen.

          45 Minuten lang ärgerten Spielmacher Steins und Nebenmann Kay Smits die deutsche Nationalmannschaft. Es brauchte vor 4000 Zuschauern vollen Einsatz, einen starken Torwart Andreas Wolff und das Zusammenspiel zwischen Kai Häfner und Jannik Kohlbacher im Angriff, um diesen am Ende doch entspannten 34:23-Sieg zu ermöglichen. „Andreas hat den Holländern heute den Zahn gezogen, er war in den entscheidenden Momenten zu Stelle“, lobte Bundestrainer Prokop. „Häfner hat hervorragend Verantwortung übernommen und immer wieder Kohlbacher gesehen. Das waren die Matchwinner, die uns auf die Siegerstraße gebracht haben.“

          Wolff wollte nicht überbewerten, dass seine Mannschaft nur in den letzten 15 Minuten überzeugt hatte: „Das war das klassische erste Turnierspiel. Die Rote Karte gegen unseren Kapitän war der Bruch. Danach hatten wir Probleme mit den agilen und schnellen Holländern und konnten uns erst am Ende absetzen.“ Uwe Gensheimer hatte in der 17. Minute einen Siebenmeter ins Gesicht des niederländischen Torwarts Bert Ravensbergen geworfen. Die slowenischen Schiedsrichter schauten sich die Aktion noch einmal auf dem Bildschirm an und hielten ihm die Rote Karte vor die Nase – regelkonform war das für diesen unnötig riskanten Wurf bei deutlicher Führung. Patrick Zieker kam für Gensheimer zu seinem ersten EM-Einsatz. Der schöne Fluss im Spiel war aber dahin.

          So wurde aus einer beruhigenden 10:4-Führung in der 15. Minute ein mageres 12:11 neun Minuten später. Tor um Tor holten die international zweitklassigen Holländer auf, weil es in der deutschen Abwehr plötzliche riesige Lücken gab, und die nötige Aggressivität fehlte. Wolff fluchte mehrmals wild und forderte die Vorderleute auf, aufmerksamer und vor allem härter zu decken.

          Vorn hatte Prokop da schon einige Male gewechselt; Marian Michalczik spielte für Paul Drux, Linkshänder David Schmidt sammelte EM-Minuten, Fabian Böhm ersetzte Julius Kühn. Am Kreis vertraute Prokop vorn Kohlbacher, damit sich die Belastung des Innenblocks Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler auf die Abwehr beschränkt. Doch ins Spiel fanden die Deutschen in der zweiten Hälfte des ersten Durchgangs nicht mehr – die holländische 5:1-Deckung reichte aus, um sie zu verunsichern. Es waren Einzelaktionen, die zur 15:13-Halbzeitführung führten, und das von Prokop geforderte Tempospiel war bis dato ausgefallen. Das wurde immerhin später besser.

          „Wir müssen die Welle erreichen, die uns durch das Turnier trägt“, hatte DHB-Vizepräsident Bob Hanning vor dem ersten Spiel in Trondheim gefordert. In der ersten Halbzeit war Deutschland davon ein gutes Stück entfernt, und auch die zweite Halbzeit brachte zunächst die eine oder andere böse Überraschung. Hüftsteif und schwerfällig wirkten Pekeler und Wiencek im Vergleich zum kleinen Steins, der immer voll auf die Abwehr draufging und nicht nur so tat. Sein Tor zum 19:22 in der 46. Minute hielt Holland im Spiel. Dann aber gingen den Niederländern die Kräfte aus. Prokops Profis warfen sieben Tore in Folge und verdienten sich die ersten Punkte in dieser Gruppe C mit einer konzentrierten Schlussphase. „Das Ergebnis spiegelt den Spielverlauf nicht wider“, gab der sichtlich erleichterte Prokop später zu, „aber gut ist, dass wir geduldig geblieben sind und uns am Ende dann so deutlich absetzen konnten.“

          Tatsächlich war in den Schlussminuten Zeit, auch die bis dahin pausierenden Johannes Bitter und Philipp Weber einzusetzen. So waren alle Deutschen aktiv gewesen. Am Ende einer Partie, in der die DHB-Auswahl mehr investieren mussten, als ihr lieb war, hatten Häfner und Kohlbacher mit fünf Toren am besten getroffen; Wolff erreichte eine Quote gehaltener Bälle von 41 Prozent. Rechtsaußen Tobias Reichmann konnte 20 Minuten nach Abpfiff schon allein das Gute am ersten Turnierspiel sehen: „Zwei Punkte, keine Verletzten, alles gut.“

          Klar ist allerdings, dass am Samstag (18.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und in der ARD) gegen den Mitfavoriten Spanien mehr Klarheit und Härte hermüssen, um mit voller Ausbeute in die Hauptrunde nach Wien zu gehen. Gensheimer ist dann wieder dabei. Lettland ist am Montag (18.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und im ZDF) letzter Vorrundengegner der Deutschen. „Ich kenne viele Spanier aus meinem Verein Kielce, und ich weiß, wie gut sie sind. Am Samstag müssen wir uns steigern, und das werden wir auch“, sagte Wolff. Vor allem in der Spielsteuerung soll dann vieles besser werden – sowohl Paul Drux als auch Marian Michalczik hatten große Probleme mit der offensiven, beweglichen Abwehr der Niederländer.

          Auch Titelverteidiger Spanien startet mit einem Sieg in die Europameisterschaft. Gegen Lettland setzten sich die Iberer mit 33:22 (14:11) durch und zogen in der Gruppe C damit mit Deutschland gleich. Mit leichten Anlaufschwierigkeiten gewann Kroatien in der Gruppe A gegen Montenegro mit 27:21 (12:13). Für eine Überraschung hatte zuvor Weißrussland gesorgt, das Serbien mit 35:30 (16:15) schlug.

          Handball-EM 2020

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