https://www.faz.net/-gtl-8cu2q

Handball-EM : Deutschland gegen Dänemark, Isländer gegen Isländer

  • -Aktualisiert am

Dänischer Superstar: Mikkel Hansen ist der Topverdiener und Topwerfer Bild: dpa

Am Mittwochabend spielt Deutschland gegen Dänemark um den Halbfinaleinzug bei der Handball-EM: Beide Teams werden von Isländern betreut. Wegen ihres Stars Mikkel Hansen sind die Dänen aber Favorit.

          Gudmundur Gudmundsson ist ein besonnener, ein ruhiger Zeitgenosse, im Prinzip. Manchmal echauffiert sich aber auch er, zum Beispiel nun in Breslau, wo der Isländer sich über eine angeblich unzumutbare Belastung für sich und Dänemarks Handball-Nationalmannschaft beklagte. Für die Dänen ergab sich tatsächlich eine ungewöhnliche Konstellation: Gudmundsson und sein Team hatten bei der Europameisterschaft am Dienstagabend einen Stresstest bewältigen müssen, gegen Schweden - mit unentschiedenem Ausgang (28:28). Und an diesem Mittwoch (18.15 Uhr/ live in ARD und F.A.Z.-Liveticker) steht bereits der nächste Einsatz bevor.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Dann geht es in der Hauptrunde gegen Deutschland um alles oder nichts, um den Einzug in das Halbfinale. Zweimal nacheinander gefordert zu werden, sagte Gudmundsson, sei unfair. Er warf den Planern des Turniers vor, in diesem Fall einen großen Fehler begangen zu haben.

          Hohe Erwartungen

          Der Unmut des Isländers ist verständlich, zumal er in Polen mit Dänemark unter beträchtlichem Druck steht.In der Heimat werden enorme Erwartungen an sein Team geknüpft, Dänemark wünscht sich nichts weniger als die Krönung. Das Land stand bisher zweimal, in den Jahren 2008 und 2012, auf dem europäischen Handball-Gipfel. Höchste Zeit, heißt es in Dänemark, wieder nachzulegen. Auch weil vor einem Jahr, bei der Weltmeisterschaft in Qatar, eine Medaille verpasst worden war - „nur“ Platz fünf.

          Handball ist Volkssport in Dänemark, Handball liegt der Nation am Herzen. Das sei, sagt Gudmundsson, wie mit den Deutschen und dem Fußball. Eine innige Beziehung also, sie kann beide Seiten beflügeln, aber auch große Spannungen erzeugen. Unter besonderer Beobachtung zu stehen, sagt Gudmundsson jedoch, „ist für mich kein Problem“. Er finde es sehr interessant, in einem solchen Land tätig zu sein - und zu zeigen, wozu ein Isländer fähig ist: „Wenn man diese Insel verlässt, möchte man gute Arbeit leisten.“

          Der deutsche Isländer: Dagur Sigurdsson hat Respekt vor dem Gegner Dänemark

          Bei seinem Landsmann Dagur Sigurdsson steht Dänemark in jedem Fall hoch im Kurs. Der Bundestrainer sagte am Dienstagmittag in Breslau, dass die Dänen für ihn der Titelfavorit Nummer eins seien. Wegen ihres schnellen Handballs, wegen ihrer großen Routine, wegen des „Superstars“ Mikkel Hansen. Und natürlich auch wegen Gudmundsson: „Ein sehr cleverer Trainer“, sagte Sigurdsson.

          Geld aus der Bundesliga

          Man kennt sich, man schätzt sich. Gudmundsson war schließlich auch mal, wie Sigurdsson, in der Bundesliga beschäftigt, unter anderem bei den Rhein-Neckar Löwen. Auch auf dänische Spieler übt Deutschland einen großen Reiz aus. Nicht wenige von ihnen verdienen ihr Geld in der Bundesliga, etwa Tormann Niklas Landin, der beim THW Kiel unter Vertrag steht. Landin gilt als einer der weltbesten Torhüter. Und Hansen als einer der Topwerfer des internationalen Handballs. Der Mann mit dem langen Haar, gebändigt durch ein Stirnband, zählt auch zu den Topverdienern der Branche: Er kassiert in Frankreich bei Paris Saint-Germain dem Vernehmen nach mehr als 500.000 Euro brutto.

          Dänischer Isländer: Gudmundur Gudmundsson ärgert sich über den Terminplan

          Hansen ist ein spezieller Liebling der Dänen, der Handballprofi genießt ein Ansehen wie eine Pop-Größe. Der „Welthandballer“ von 2011 betrachtet das offenbar als Verpflichtung - und engagiert sich deswegen über den Sport hinaus. Er gründete einen Verein mit dem Namen „Mikkel gegen Mobbing“. Das sei ein großes Problem in der Gesellschaft, sagt er, „ich habe früher auch gemobbt, ohne mir Gedanken über die Folgen zu machen“. Seine Initiative richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche.

          Und nun also: Mikkel, der soziale Schütze, gegen Deutschland. Dänemark baut fest auf Hansen. Kann gar nicht schiefgehen, denn, so behauptete zumindest Ulrik Wilbek mal, der Chef des dänischen Handballverbandes: „Mikkel ist auch gut, wenn er schlecht ist.“ Aber die Zeiten sind tückisch für das isländisch-dänische Handball-Kollektiv.

          Frische Kräfte, volles Selbstbewusstsein

          Bloß nicht ins Bockshorn jagen lassen: Deutschland wähnt sich gerüstet für das Duell mit Dänemark. Trotz aller Ausfälle, trotz der Malaise von Abwehrspezialist Finn Lemke und Kreisläufer Jannik Kohlbacher, die am Montag wegen grippaler Infekte nicht hatten trainieren können. Aber das Selbstbewusstsein leidet darunter offenbar nicht. „Die Jungs haben einfach keine Angst“, sagt Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes. Und sie haben sich auch ein bisschen regenerieren können seit Montag. Das sei Gold wert wegen der massiven Belastungen bei der Europameisterschaft, sagt Teamarzt Kurt Steuer, der generell von „überspielten“ Athleten spricht im Handball. Sie kämen nach einem Spiel oft kaum zur Ruhe: „Das Adrenalin tropft ihnen aus den Ohren, sie schlafen erst spät ein.“ Der Gummersbacher Torhüter Carsten Lichtlein wird die Deutschen an diesem Mittwoch als Kapitän anführen, anstelle des verletzten Kielers Steffen Weinhold. Als ein möglicher Ersatz für Weinhold im rechten Rückraum kommt der Hannoveraner Kai Häfner in Frage, der wie der Gummersbacher Julius Kühn kurzfristig nachnominiert worden war. Kühn sei ein absoluter Shooter, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson, „ich bin ein großer Fan von ihm“. Und auch Häfner sei eine „gute Waffe“, er verfüge über einen „schnellen Wurf“. Der Neue ist tief beeindruckt von der Mannschaft, der er seit Montag angehört: Sie habe einen „wahren Hype“ ausgelöst. Häfner ist in jedem Fall bereit für einen Einsatz. Was von ihm erwartet wird? Weinhold sagt es so: „Mach dein Ding.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Mittwoch in London

          Parlament gegen Johnson : Aufstand gegen den No-Deal-Brexit

          Noch ist Boris Johnson nicht Premierminister. Aber er spielt schon öffentlich mit dem Gedanken an einen Austritt ohne Abkommen. Jetzt reagiert das Parlament – und macht ihm eine solche Lösung durch einen Trick schwerer.

          Verhör von Carola Rackete : „Es sollte um die Sache gehen“

          Die „Sea-Watch“-Kapitänin kritisiert nach ihrer Anhörung den Rummel um ihre Person. Der lenke vom eigentlichen Problem ab: dem Umgang mit den Migranten im Mittelmeer. Doch Racketes Äußerungen zur Seenotrettung sind in Italien umstritten.
          Ein Polizist mit Sprengstoffspürhund macht sich am Donnerstag auf den Weg zur Wohnung eines mutmaßlichen Gefährders.

          Razzia im Morgengrauen : Kölner Polizei setzt Islamisten fest

          Womöglich hat die Kölner Polizei mit ihrer Razzia einen islamistischen Anschlag verhindert. Einer der Männer plante nach eigenen Worten „den Aufstieg in die höchste Stufe des muslimischen Glaubens“. Die Ergebnisse der Durchsuchungen geben Anlass zu erhöhter Vorsicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.