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Deutsches Team bei Handball-EM : Kastening macht sich einen Namen

Jeder Schuss ein Treffer: Timo Kastening Bild: dpa

Sechs freche Tore bei sechs Versuchen: Timo Kastening ist der Senkrechtstarter im deutschen Handball-Team. Nicht nur der Bundestrainer weiß jetzt, wie der flinke Flügelstürmer heißt.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Timo Kastening belohnte sich für den Gala-Auftritt gegen Weißrussland auf seine Weise. „Kaffee“, sagte Kastening mit einem verschmitzten Lächeln, „geht immer“. Doch am Donnerstagabend dauerte es länger als gewöhnlich, bis der EM-Debütant zu seinem geliebten Heißgetränk kam. Die Uhr ging schon streng auf Mitternacht zu, da gönnte sich der Shootingstar der deutschen Handballer seinen geliebten Doppio Espresso.

          Nach dem deutschen 31:23-Erfolg zum Hauptrundenauftakt gegen Weißrussland war der Rechtsaußen in den Katakomben der Wiener Stadthalle der gefragteste Mann. Sechs freche Tore bei sechs Versuchen und eine richtig kernige Vorstellung auf dem rechten Flügel schürten selbst bei der internationalen Presse das Interesse. „Das war ein perfekter Tag“, sagte Kastening mit leuchtenden Augen: „Ich freue mich, dass ich Spielzeit bekomme und die auch nutzen kann. Es macht super Spaß, hier zu sein, ich versuche das alles aufzusaugen.“

          So flink und gedankenschnell er zuvor auf dem Spielfeld agiert hatte, so unaufgeregt und unverstellt beantwortete er die vielen Fragen in der Mixed Zone. „Das ist eine tolle Geschichte. Es ist das erste Turnier für ihn, und man merkt es gar nicht. Nervosität ist da Fehlanzeige“, sagte Bundestrainer Christian Prokop. Mit seinen blitzschnellen Tempogegenstößen erinnert Kastening an „Speedy Gonzalez“, am Donnerstagabend begeisterte er wieder Millionen Fernseh-Zuschauer. Reihenweise stiebitzte Kastening gegen Weißrussland die Bälle in der Abwehr und versenkte sie anschließend sicher.

          Kapitän Uwe Gensheimer bezeichnet den mit 1,80 Meter kleinsten Spieler im deutschen Team als Phänomen. „Der Timo schleicht sich da unten immer von 1,50 Meter irgendwo raus und klaut dann den Ball. Der macht es überragend“, sagte Gensheimer. Prokop, der in einer Auszeit des ersten EM-Spiels noch nach Kastenings Namen gefragt hatte, lobte: „Er macht das sehr konsequent, sehr schnell, das macht Spaß.“

          Die starken EM-Darbietungen Kastenings, der sich in Rekordzeit einen Stammplatz erkämpft und dafür immerhin 2016-Europameister Tobias Reichmann aus der Startsieben verdrängt hat, kommen nicht von ungefähr. Der Rechtsaußen der TSV Hannover-Burgdorf bereitet sich akribisch auf die Spiele vor, trägt am Handgelenk einen Tape-Verband, auf dem er sich vor den Partien die Spielzüge des Gegners notiert.

          16 Tore bei 19 Versuchen

          Kastening erlebt in diesen Tagen sein persönliches EM-Märchen. Gehörte der Team-Neuling (10 Länderspiele, 31 Tore) vor dem Turnier noch zu den Wackelkandidaten, weil er für einige überraschend den Vorzug gegenüber Nationalmannschafts-Dauerbrenner Patrick Groetzki erhalten hatte, ist er inzwischen nicht mehr wegzudenken. 16 Tore bei 19 Versuchen in den ersten vier Spielen sind eine Weltklasse-Quote. „Respekt vor Timo. Er ist ein bisschen verrückt, aber er tut uns allen gut. Wir sind froh, dass wir ihn in der Mannschaft haben“, sagte Rückraumspieler Julius Kühn.

          In Österreichs Hauptstadt fühlt sich der Kaffee-Junkie ohnehin pudelwohl. „Es gefällt einem schon in Wien. Den guten Kaffee gibt es gefühlt hier überall“, sagte der 24-Jährige.

          Die nächste Kastening-Show könnte es schon am Samstag (20.30 Uhr/F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und im ZDF) gegen Kroatien geben. „Ich hätte nichts dagegen“, sagte Kastening, „aber erstmal schön auf dem Teppich bleiben“.

          Handball-EM 2020

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