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Rainer Seele (rse.)

Lage vor der EM 2020 : Mit Dampf ins neue Handball-Jahr

  • -Aktualisiert am

Bundestrainer Christian Prokop lamentiert nicht vor der EM. Bild: EPA

Die deutsche Mannschaft hat vor der Handball-EM einige Sorgen. Doch der Bundestrainer lamentiert nicht. Dass dies funktionieren kann, auch unter schwierigen Umständen, haben die Deutschen schon bewiesen.

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          Eine Reise voller Beschwernisse, ein Jahresbeginn, der es in sich hat. Nichts für zarte Seelen. Weniger wegen der ungewöhnlichen Route, die auf die deutschen Handballspieler – und ihre kontinentale Konkurrenz – wartet. Der mögliche deutsche Weg: Von Norwegen nach Österreich und dann – im bestem Fall – wieder in den Norden Europas, nach Schweden, wo Ende des Monats der europäische Champion gekürt wird. Eine spezielle Dreiecksgeschichte des Handballs. Aber erst mal müssen die Deutschen sich sammeln, sich finden.

          Und das ist die wirkliche Herausforderung für Bundestrainer Christian Prokop und seine Spieler vor der Ouvertüre in Trondheim. Wegen einer großen Problemzone, wegen des beträchtlichen Aderlasses in der Schaltzentrale, im Rückraum. Wieder einer weg: der Leipziger Franz Semper. Anzeichen einer Herzmuskelentzündung, Semper hat deswegen ein vorläufiges Sportverbot auferlegt bekommen. Ausfälle im halben Dutzend somit, just dort, wo das Spiel Fahrt aufnehmen soll. Man wird sich, zwangsläufig, wieder an neue Namen gewöhnen müssen im deutschen Team. An David Schmidt zum Beispiel, Debütant aus Stuttgart, für Semper nachnominiert.

          Es spricht für Prokop, dass er sich trotz der angespannten Personallage nicht im Lamentieren verliert. Auch wenn er vorsichtshalber sagt, dass die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit nichts ins Unermessliche steigen solle. Immerhin hält der Bundestrainer an seinen Zielen fest: Halbfinale, ein Feuer entfachen, mitreißende Tage des Handballs inszenieren. Dass dies funktionieren kann, auch unter schwierigen Umständen, haben die Deutschen schon bewiesen: plötzlich Europameister, vor vier Jahren in Polen!

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          Eine Mannschaft, die ebenfalls geschwächt schien und dennoch den anderen die Grenzen zeigte: zu 100 Prozent auf eine Sache ausgerichtet, voll und ganz sich bei sich, durch nichts zu erschüttern. Wie das war, wie damals der Geist des Teams und sein Gemeinschaftssinn beflügelt wurden, weiß mancher aus dem aktuellen Kader noch ganz genau. Zum Beispiel Torhüter Andreas Wolff, der – wie ein Hexer – eine übernatürlich Beziehung zum Ball zu haben schien und zusammen mit seinem zunächst weithin unbekannten Team ganz Europa bändigte.

          Prokop hat seine Vorstellungen, aber die Bürde eines großen Turnierfavoriten lastet nun nicht auf Deutschland. Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen, sich mit ordentlich Dampf ins neue Jahr zu stürzen.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

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