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Handball-Nationalmannschaft : Prokops Kredit

  • -Aktualisiert am

Gestärkt vom Verband: Christian Prokop bleibt Bundestrainer. Bild: dpa

Nach dem verpassten Halbfinale rückt Christian Prokop wieder in den Fokus der Kritiker. Doch auch, wenn der Bundestrainer kein Charismatiker der Kabine ist – die Richtung bei der Handball-EM stimmt.

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          Die neuerliche Diskussion um seine Person hatte Christian Prokop nicht kalt gelassen. Das war schon am Abend des Österreich-Spiels zu sehen und zu hören gewesen, am Fernsehmikrophon, bei der Pressekonferenz. Und auch am Dienstag wirkte er bewegt, als Axel Kromer, der Sportvorstand des Deutschen Handballbundes (DHB), auf dem Pressepodium in Wien ein Machtwort sprach und dem Bundestrainer eine Jobgarantie zumindest bis zu den Olympischen Spielen ausstellte – die das deutsche Handballteam über ein Qualifikationsturnier im April freilich erst noch erreichen muss.

          Geht das schon wieder los? Oder besser: Hört das denn nie auf? So muss sich das in den vergangenen Tagen für Prokop angefühlt haben angesichts der Vorgeschichte: dem Scheitern bei seinem ersten Turnier, der EM 2018, und dem hauchdünnen Votum für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Bob Hanning, der starke Mann beim DHB und Prokops Förderer, hatte damals sogar seine Zukunft beim Verband an die Personalie geknüpft. Prokop durfte weitermachen, und ging gestärkt aus der Heim-WM im vergangenen Jahr heraus. Zumindest war das das Bild, das die Öffentlichkeit abspeicherte.

          Wenn man sich in der Handballszene umhörte, auch beim Verband, blieben aber Zweifel. Nicht an Prokops fachlichen Qualitäten, die würde niemand in Frage stellen. Eher war es zu Beginn seiner Amtszeit so, dass er zu viel wollte und darüber seine Spieler verunsicherte und verlor. Es ging zuletzt eher um Fragen des Führungsstils und auch um seine Persönlichkeit. Der gebürtige Köthener, der in der Bundesliga den SC DHfK Leipzig trainierte, ist nicht unbedingt jemand, der mit natürlicher Autorität den Raum erfüllt, kein Charismatiker der Kabine. Zuletzt hatte er hier und da seine Bewunderung für Jürgen Klopp zum Ausdruck gebracht, aber auch wenn Prokop Emotionalität zum Erfolgsprinzip erhoben hat: ein Klopp des Handballs ist er nicht.

          Fokussiert, leidenschaftlich, Anführer

          Aber das muss er auch nicht sein. Entscheidend ist, dass er mit seiner Art die Mannschaft erreicht und sie voranbringt. Bei der EM hat er das im Großen und Ganzen unter Beweis gestellt – unter erschwerten Bedingungen. Es war richtig, das Ziel vom Halbfinale aufrechtzuerhalten, auch als die Liste der Ausfälle immer länger wurde. Der Start war dadurch erschwert, Prokop lamentierte nicht und kündigte an, dass seine Mannschaft noch in Schwung und Form kommen werde. Das tat sie, auch wenn es gegen Kroatien nicht ganz reichte. An Prokops manchmal verkopft wirkenden Coaching gab es gerade in diesem Spiel nichts zu kritisieren. Prokop präsentierte sich so, wie seine Mannschaft das tat: auf den Punkt fokussiert, leidenschaftlich, als Anführer.

          Dass mancher Wechsel nicht aufging, steht auf einem anderen Papier, lässt sich im Handball aber auch nicht vermeiden. Entscheidend ist: Die Richtung stimmt. Das haben seine Spieler nach dem Österreich-Spiel in einer Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, die überraschte. Auch das dürfte ihn bewegt haben. Nach Lage der Dinge muss Prokop nicht mehr fürchten, bei der nächsten sportlichen Enttäuschung allein auf weiter Flur zu stehen. Diesen Kredit hat er sich verdient.

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