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25:27 gegen Polen : Schwacher deutscher EM-Auftakt

  • -Aktualisiert am

Sorgen im Blick: Heiner Brand Bild: AP

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist mit einer Niederlage in die Europameisetrschaft in Österreich gestartet. Nach dem 25:27 gegen Polen steht sie nun unter Druck - es folgt ein „Endspiel“ gegen Slowenien.

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          Das Zittern hat begonnen, die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht bei der Europameisterschaft in Österreich nach der 25:27-Niederlage gegen Polen bereits unter großem Druck. Und danach war sofort wieder die Rede von Endspielen. Das erste „Finale“ für die Deutschen, die am Dienstag in Innsbruck vor allem in der Offensive enttäuschten, findet schon an diesem Mittwoch gegen Slowenien statt. Ein weiterer Rückschlag - und die Qualifikation für die Hauptrunde wäre bereits frühzeitig verpaßt.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Die Deutschen mussten auch noch hinnehmen, dass der Hamburger Stefan Schröder mit Verdacht auf einen Riss im Trommelfell ins Krankenhaus gebracht wurde. Ein schmerzlicher Abend also in vielerlei Hinsicht. Bundestrainer Heiner Brand monierte, dass das Spiel im Angriff verloren worden sei. Er muss das Problem im Handumdrehen zu lösen versuchen. Kapitän Michael Kraus forderte, dass gegen Slowenien sich jeder am Riemen reißen müsse, „von Anfang an“.

          Brand hatte zunächst nur 15 Spieler für die EM nominiert, der Lemgoer Torhüter Carsten Lichtlein wurde deswegen kurzfristig aus dem Aufgebot gestrichen. Der Bundestrainer baut also vorläufig auf die Torleute Johannes Bitter und Silvio Heinevetter. Für den Berliner gab es in der Innsbrucker Halle eine spezielle Begrüßung: die „Tatort“-Musik. Die Österreicher glaubten offensichtlich, Heinevetters Liaison mit der Schauspielerin Simone Thomalla gebührend würdigen zu müssen.

          Gehalten: Michal Jurecki bremst Michael Müller
          Gehalten: Michal Jurecki bremst Michael Müller : Bild: AP

          Einzig Bitter war auf dem Posten

          Heinevetter musste am Dienstag erst mal mit einem Platz auf der Bank vorliebnehmen, der unlängst am linken Ellenbogen operierte Bitter stand ebenso in der Startformation wie Michael Haaß, Spielgestalter aus Göppingen. Haaß bildete auch in der Abwehr den Mittelblock zusammen mit Oliver Roggisch. Da war einiges zu tun gegen die Polen, die ja gut vertraut sind mit den Deutschen. Etliche Polen verdienen schließlich ihr Geld in der Bundesliga. Karol Bielecki zum Beispiel, der bei den Rhein-Neckar Löwen unter Vertrag steht - und mit dem ersten Siebenmeter dieses Spiels am Hamburger Bitter scheiterte. Wenig später gelang Bitter ein solches Kunststück auch im Duell mit Tomasz Tluczynski.

          Trotzdem behaupteten die Polen einen Vorsprung, da bei den Deutschen vieles wie in den wenig überzeugenden EM-Tests nicht wie gewünscht lief. Mal wurden die Bälle leichtfertig dem Gegner zugespielt, mal waren die Würfe nicht präzise genug. Nach 15 Minuten - da lagen die Deutschen 5:6 zurück - nahm Brand die erste Auszeit, fast beschwörend redete er auf seine Spieler ein. Kurz zuvor hatte er schon Haaß durch den Lemgoer Kraus ersetzt, er sollte mehr Struktur und mehr Schwung ins Spiel bringen. Die Fehlerquote verringerte sich kaum, und die Deutschen konnten von Glück sagen, dass Bitter auf dem Posten war - er verhinderte eine höhere Führung der Polen.

          Es fehlte an vielem

          Gebückt stand Brand am Spielfeldrand, und als auch noch Kreisläufer Manuel Späth eine Zwei-Minuten-Strafe erhielt, breitete er seine Arme aus, ein Zeichen seines Unverständnisses, aber vielleicht auch seiner Hilflosigkeit. Die deutschen Schützen wurden auf alle Fälle nicht sicherer, auch der Göppinger Lars Kaufmann agierte manchmal überhastet. Immerhin war der linke Rückraum der Deutschen noch für einige Tore gut, Kaufmann gelangen sieben Treffer, auf der rechten Seite hingegen blieben sowohl Holger Glandorf als auch Michael Müller farblos.

          Den Deutschen fehlte es an vielem, an Ideen und an Selbstvertrauen, sie wirkten häufig zögerlich, sie hatten keine ordnende Hand. Da überraschte es nicht, dass die agilen Polen sich dann doch deutlich von Brands Team absetzen konnten. Zur Halbzeit hatten sie sich bereits ein 12:8 erkämpft - nach einem 8:8 und, wie Kraus es formulierte, nach „drei Schlafminuten“ der Deutschen.

          Brand hatte sein Team zwar wieder neu formieren müssen, trotzdem war er überzeugt, mit leidenschaftlichem Auftreten einiges bewerkstelligen zu können in Österreich. Am Dienstag allerdings sah er die Grenzen seiner Gefolgsleute, es war ein ernüchterndes Erlebnis für ihn, teilweise zumindest. Wenigstens erlebte Brand schließlich noch das Aufbäumen eines Teams, das auf der Suche nach Orientierung ist.

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