https://www.faz.net/-gtl-37pw

Handball-EM : Trauer, Frust und Vorwürfe

  • -Aktualisiert am

Frustmiene: Florian Kehrmann Bild: dpa

Die unglückliche 31:33-Niederlage der deutschen Handballer im EM-Finale gegen Schweden hinterließ traurige Verlierer. Die Schiedsrichter erhielten heftige Schelte.

          Weder der gut gemeinte Zuspruch der Sieger noch das Bier in der Umkleidekabine hellten die Trauermienen der Verlierer auf. „Wir haben das letzte Tor geworfen, aber das wurde nicht anerkannt. Vielleicht hatten sie die deutsche Hymne nicht da. Wir gehen jetzt zum Bankett und lassen weiter die Beweihräucherung des Europäischen Handball-Verbandes über die guten Schweden über uns ergehen“, sagte Klaus-Dieter Petersen verbittert. Nicht nur am Kieler Handballer nagte der Frust.

          Auch am Tag danach waren die Dinge noch lange nicht wieder gut. Als die deutsche Handball-Nationalmannschaft müde und ein wenig übernächtigt am Frankfurter Flughafen eintraf und ihr Unternehmen Europameisterschaft zu einem Ende brachte, wusste niemand so recht, ob es ein glückliches oder unglückliches war.

          Die umstrittenen letzten Sekunden

          Zwar brachten Team und Trainer eine Silbermedaille mit heim und konnten so den größten Erfolg des Deutschen Handball-Bundes (DHB) seit dem zweiten Platz bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 feiern. Aber zu sehr spukten jene letzten Sekunden der regulären Spielzeit vom Finale in den Köpfen, als sie sich nach dem vermeintlichen Tor von Florian Kehrmann für Sekunden als Sieger wähnten, die mazedonischen Schiedsrichter dem Treffer jedoch die Anerkennung versagten.

          Bank der Enttäuschten

          "Dieses Tor", da war sich Stefan Kretzschmar sicher, "gibst du nur, wenn du einen Arsch in der Hose hast." Und das, so der National-Linksaußen vom SC Magdeburg, "traue ich bei dieser Kulisse niemandem zu".

          Selbst die Schweden staunten

          Darüber staunte selbst Schwedens Johan Pettersson vom THW Kiel. Der Rechtsaußen war wegen eines Regelverstoßes, den keiner recht deuten konnte, von den Referees als Sündenbock ausgemacht worden und kassierte eine Zwei-Minuten-Strafe.

          „Kehrmann hat ein Tor gemacht, und ich habe erstmal geglaubt, dass es ein Tor ist. Und dann kamen die Schiris zurück und haben gesagt, dass es kein Tor war, weil Petterson im Kreis war. Ich wusste nichts von dieser Regel“, schilderte Pettersson die verworrene Situation.

          Brand: "Hier sind merkwürdige Dinge passiert"

          Dass die Spieler der DHB-Auswahl zunächst mit den Unparteiischen, später mit dem Schicksal haderten, mag ihnen niemand verdenken. Dem Betrug wollte zwar weder am späten Sonntagabend, noch nach viel zu kurzer Nachtruhe irgendjemand die Rede führen. Allerdings haftete dem vierten kontinentalen Titelgewinn der Schweden ein Makel an.

          "Hier sind", sagte selbst ein sonst besonnener Heiner Brand, "schon ein paar merkwürdige Dinge passiert." Einige seiner Spieler ließen der Enttäuschung freien Lauf. So wie Petersen, der in Schweden bereits seine zwölfte internationale Großveranstaltung spielte, konnte sich am Ende über Silber nicht mehr freuen. "Wir haben in Sydney toll gespielt", so der Abwehrspezialist vom THW Kiel, "und nichts gewonnen - und jetzt passiert in Stockholm das Gleiche."

          Nur mit dem Unterschied, dass bei Olympia 2000 im Viertelfinale Schluss war, bei der EM in Schweden immerhin die Silbermedaille heraussprang. Auf Dauer könnten die Deutschen aber Vorteile habe. Anders als die Schweden, deren Erfolgsteam zunehmend in die Jahre kommt, hat Brand einen Kader geformt, der für die kommenden Jahre glänzende Perspektiven andeutet.

          Gute sportliche Perspektiven

          Horst Bredemeier, einst selbst Bundestrainer und in Schweden für das Deutsche Sportfernsehen vor Ort, prophezeite dem Team, "mindestens bis zum Jahre 2005 um die Medaillen mitzuspielen." Vor dem Hintergrund, dass der DHB möglicherweise den Zuschlag für die WM 2005 erhält ein ganz wichtiger Faktor. Auch auf anderem Gebiet knüpfen sich große Hoffnungen an den EM-Erfolg.

          Wenn die im Vorfeld geäußerten Prognosen der Handball-Funktionäre stimmen, dann sollten die Dinge für den Handball hierzulande auch im Bereich des Sponsorings einfacher werden. Das zumindest glauben sowohl DHB-Präsident Ulrich Strombach als auch Ligachef Heinz Jacobsen. Letzterer bewertet das Abschneiden der DHB-Auswahl als "eine Steilvorlage für die DSM in Sachen Zentralvermarktung."

          Initialzündung für Sponsorsuche

          Und auch Uwe Schwenker sagte dem Gewinn des Edelmetalls in Schweden den Charakter einer Initialzündung nach. Wie sehr sich die Dinge für den Handball, der sich im Spannungsfeld mit den konkurrierenden Sportarten Basketball und Eishockey behaupten muss, mit der Zentralvermarktung ändern werden, wird erst die Zukunft zeigen.

          Im November dieses Jahres, beim außerordentlichen Bundestag des DHB, verpassen sich Liga und Verband neue Strukturen. Schlanker, moderner, professioneller soll alles werden. Das Geld für eine Image-Offensivesoll die Deutsche Städte Medien (DSM), seit Herbst vergangenen Jahres mit einem Akquise-Auftrag ausgestattet, heranschaffen. "Die Argumente", so Heinz Jacobsen, "hat der Handball jetzt geliefert."

          Weitere Themen

          Besser sein als die Männer Video-Seite öffnen

          Snowboarderin Anna Gasser : Besser sein als die Männer

          Ihre spektakulären Sprünge haben Anna Gasser berühmt gemacht. Als erster Frau gelang ihr ein „Cab Triple Underflip 1260“. Ihr Ansporn: Sie will nicht nur die beste Snowboarderin sein, sie will auch den Männern Konkurrenz machen.

          Topmeldungen

          Donald Trump : „Ich mag Strafzölle“

          Berlin rechnet fest damit, dass Amerika Autoimporte als Gefahr für die nationale Sicherheit einstufen wird. Die Industrie kann die Entscheidung nicht nachvollziehen – und Trump spricht besorgniserregende Worte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.