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Formel 1 in Ungarn : Hamilton behält einen kühlen Kopf

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Doch dahin die vage Aussicht auf einen Coup. Zwei Überholmanöver auf einer Strecke, die eigentlich kaum eines zulässt, falls der eigene Rennwagen nicht etwa 1,4 Sekunden schneller ist pro Runde? Schier unmöglich. Bei einem kurzen Abstand leiden zudem die Reifen unter dem Attacke-Modus. Vettel ließ gut zwanzig Runden vor dem Ende zunächst ab von seinem Vordermann und damit von dem Ziel, Hamilton abzufangen. Für Bottas aber sammelte er noch einmal die Kräfte, um doch noch vorbeizukommen. Gedacht, versucht. 66. Runde: Endlich ist Vettel am Anfang der Geraden so nah dran, dass es reichen könnte. Im letzten Moment zieht er raus auf die Außenbahn vor der Rechtskurve. Bottas bleibt vorne, aber Vettel zieht auf der kleinen Geraden rechts vorbei und liegt vor dem Finnen nach dessen Drift im Mercedes, als er in die Linkskurve einbiegt und dabei den Frontflügel des Mercedes trifft.

„Ich war vor ihm, da spüre ich den Schlag“, sagt Vettel später. Bottas spricht von einem Rennunfall. Die Streckenkommissare auch. Bottas‘ Bolide braucht eine neue Nase. Teamchef Toto Wolff rauft sich die Haare in der Box. Vettel auf zwei, mit Räikkönen im Schlepptau. Hamilton aber ist meilenweit weg. Die auf dem Mercedes bei Hitze so anfälligen Reifen trotzten der Asphalttemperatur von bis zu 60 Grad Celsius. Ein cooler Abschied in die Sommerferien.

Bei Red Bull dagegen kocht es zunächst. Max Verstappen und Ricciardo hatten sich auf das Rennen gefreut: Keine übermäßig lange Gerade, enge Kurven, ein kleines Paradies für den Boliden, mit dem die Piloten in den Kurven Tempo machen können. Als es dann vor dem Qualifying am Samstag noch zu regnen begann, wähnten sich die Red-Bull-Freunde im siebten Himmel: Das hatte sich die Teamleitung doch gewünscht im Verlauf der ersten Saisonhälfte. Ein nasse Piste, wo es nicht so stark auf die Motorleistung ankommt, sondern auch auf das Gefühl der Steuermänner. Verstappen hat seit seinem Grand-Prix-Ritt einst in Brasilien vorbei auch an Weltmeister Vettel auf der Außenbahn so eine Art Wasserläufer-Image.

Aber in Ungarn war nichts davon zu sehen. Nur Startplatz sieben (Verstappen) und zwölf (Ricciardo), enttäuschend für Fahrer und Team. Nicht druckreif fluchte Verstappen, als er in der achten Runde seinen Renner am Rande abstellen musste, weil der Renault-Antrieb massiv an Leistung verloren hatte, wegen eines Defektes in der Elekroabteilung MGU-K. Sein Kurzschluss: „Da gibt man Renault Millionen. Wir sind viel zu langsam und die Haltbarkeit ist auch sch...“ Allerdings diesmal nur im Auto des Niederländers. Daniel Ricciardo, beim Start wegen eines unverschuldeten Vollkontaktes zurückgeworfen auf Rang 16, schoss nach vorne bis auf Platz vier. Obwohl ihn Bottas nach dessen Treffen mit Vettel mit Karacho von der Piste drückte. In der letzten Runde, nach Anordnung von Mercedes, gab der Finne den Platz wieder her. Ricciardo lächelte, erhitzt, verschwitzt und derangiert.

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