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Hamburgs Nein zu Olympia : Der Tod der Spiele

  • -Aktualisiert am

Trauerflor für Olympia: In Hamburg und Deutschland insgesamt gibt es so bald keine Spiele mehr Bild: dpa

Großereignisse des Sports sind in Deutschland nicht mehr hoffähig. Das ist ein fatales Signal für den Sport. Bezahlen müssen es die Athleten. Doch es gibt auch einen Gewinner.

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          Erst die Niederlage in München 2013, jetzt die Absage der Hamburger: Die Menschen in diesem Land lehnen Olympische Spiele vor ihrer Haustür offenbar ab. Das ist ein fatales Signal für den Sport. Da eine Volksbefragung inzwischen zu einer guten Voraussetzung geworden ist für dieses Projekt, wird es lange keine politische Unterstützung mehr geben für Olympiaphantasien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die Idee von Spielen in Deutschland ist tot.

          Viele Sportler sind konsterniert. Olympia ist nach wie vor das Größte in ihrem Leben. Sie überbrücken Hindernisse bei der Entwicklung ihres Talents mit dem Traum vom Start im Olympiateam. Nun beziehen sie die Ablehnung auf sich. Aber die Gegner von Olympischen Spielen in Hamburg hatten nicht die Athleten im Auge, als sie mit Nein stimmten. Sie wehrten sich gegen das Kalkül der Macher, Kernprobleme mit Emotionen überspielen zu wollen.

          Großereignisse des Sports sind nicht mehr hoffähig

          Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hatte versucht, die Spiele 2024 für eine Stadtentwicklung zu benutzen, die im Wesentlichen der Bund bezahlen sollte, aber nicht wollte. Der DOSB ist nicht stark genug gewesen, Scholz von dieser Strategie abzuhalten. Für diese Schwäche gibt es einen wesentlichen Grund: Großereignisse des Sports sind nicht mehr hoffähig. Die Korruption im Internationalen Fußball-Verband (Fifa), der DFB-Skandal, tägliche Doping-Meldungen haben auch das Votum in Hamburg beeinflusst: Diesen Verbandsfürsten wollen viele Bürger ihr Geld nicht in den Rachen kippen.

          Es ist zwar ungerecht, das reformfreudigere IOC in einen Topf mit der Fifa zu werfen. Aber die Bürger haben längst verstanden, dass skrupellose Fußball-, Radsport- oder Leichtathletik-Funktionäre auch das IOC beeinflussen, und sei es bei der Blockade von Reformen. Was, wenn sie erführen, wie groß das Ausmaß der Manipulation tatsächlich ist? Dass Funktionäre im Internationalen Schwimm-Verband, im Handball oder Basketball auch nicht bessere Menschen sind?

          Die Enthüllungsserie hat erst begonnen. Sie beweist, dass die so wichtige Autonomie des Sports über Jahrzehnte zu einem dubiosen Eigenleben der Verbandswelt geführt hat. Präsidenten und Sport-Idole mit Führungsaufgaben glaubten, sich alles herausnehmen zu dürfen. Jetzt erhalten sie die Quittung. Aber bezahlen werden die Athleten. Weil die nächsten drei Olympischen Spiele nach Rio 2016 in Asien ausgetragen werden, verschwindet Olympia aus dem mitreißenden Live-Blick der Deutschen. Zudem könnte die Fernseh-Vermarktungsstrategie des IOC zu einer Zerfaserung führen, falls der neue Rechtebesitzer Discovery Übertragungslizenzen nicht mehr am Stück verkaufen sollte. Alle Medaillen, ein „Familientreffen“ wird es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht mehr geben. Also das Daumendrücken der Nation für einen bis dahin unbekannten Gewichtheber oder für eine Rodlerin. Sie leben davon, von diesem einen Augenblick.

          Ausgerechnet der Fußball ist der Gewinner

          Wer sie schützen will, müsste das Machterhaltungssystem bestimmter Verbände aufbrechen. Aber angesichts von deren Beharrungsvermögen scheint es realistischer, die Selbstzerstörung eines überholten Sportsystems abzuwarten. Sie wird viele Verlierer zu Tage fördern, bevor es zu einem Neuanfang mit der Besinnung auf alte Werte kommen kann.

          Dennoch gibt es schon einen Gewinner. Das ist die Ironie der Demokratisierung. Der deutsche Fußball hat trotz seiner Affäre gute Chancen, 2024 die Europameisterschaft zu bekommen. Da wird die Bevölkerung nicht gefragt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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