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Hamburger SV : „Scheiße, der lebt ja noch“

Feiern können sie, als wären sie Sieger: Spieler des Hamburger SV Bild: Reuters

Totgesagte leben länger, und Abstiegsgeschichten müssen manchmal geschoben werden. Der Hamburger SV, allgemein als untergehender Bundesliga-Dino bezeichnet, wehrt sich vehement gegen den Niedergang.

          Seit Jahren taumelt der Hamburger SV in der Fußball-Bundesliga dem Untergang entgegen. Zwei Mal rettete sich der „Bundesliga-Dino“ erst in der Relegation vor dem Absturz. Auch in den Jahren danach war es keine Offenbarung, was die Mannschaft des einzigen dauerhaft verbliebenen Gründungsmitglied der obersten Spielklasse darbot. Und diese Saison sollte es soweit sein. Der Gang in die Zweitklassigkeit schien unvermeidbar.

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          Selbst die unerschütterliche Vereinsikone Uwe Seeler hatte schon die Hoffnung aufgegeben. Der frühere Trainer Felix Magath sprach davon, der Verein mache sich lächerlich. Groß-Mäzen Kühne überlegte in seinem Schweizer Exil halblaut, ob er seinem Lieblingsklub auch in der zweiten Liga Millionen hinterherwerfen soll. Doch Totgesagte leben länger. Und der HSV erweist sich als zäher im Abstiegskampf als vermutet.

          14 Tage nach dem unerwarteten 3:2-Sieg gegen Schalke 04 gewannen die Hamburger auch ihr Heimspiel gegen den SC Freiburg mit 1:0. Nach zwei Heimsiegen ist der Rückstand auf den Relegationsplatz und selbst auf den direkten Klassenverbleib auf nur noch fünf Punkte geschrumpft. Neun Zähler werden noch vergeben. Noch ist also einiges drin für den Tabellenvorletzten. Im Internet kursiert wieder eine schon etwas ältere, aber durchaus noch aktuelle Comiczeichnung, auf der der Dino, das Hamburger Maskottchen, den damaligen Dortmunder Trainer Klopp jagt. Der flüchtet mit den Worten „Scheiße, der lebt ja noch“ vor dem Dino – Gedanken, die derzeit auch die Konkurrenten in der Bundesliga hegen.

          Und schon folgen die Kampfansagen: „Ich möchte nicht in der Haut der anderen stecken“, sagte Lewis Holtby nach dem Erfolg vom Samstag, den er mit seinem Tor bewerkstelligte. Er sei lieber der Jäger als der Gejagte, meinte Holtby noch. Die Küchenpsychologie der Bundesliga besagt, dass der HSV (25 Punkte) im Vorteil ist, da er sich nach sieben Punkten in den jüngsten fünf Spielen im Aufwind befindet, während der SC Freiburg mit fünf Niederlagen am Stück (beide 30) zuletzt einen ziemlich desolaten Eindruck hinterließ. Und auch der nächste Gegner VfL Wolfsburg liegt bei 30 Punkten in Reichweite.

          Allerdings müssen die Hanseaten ihre kommenden beiden Spiele auswärts bestreiten, und da hat der Klub in dieser Saison gerade mal sechs Pünktchen aus 15 Versuchen ergattert. Er ist damit in der Fremde der schlechteste aller 18 Bundesligaklubs. In den verbleibdenden beiden Spielen in Wolfsburg und in Frankfurt müssten die Hanseaten ihre Auswärts-Ausbeute schon verdoppeln, um vor dem letzten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach tatsächlich noch realistische Chancen zu haben, Rang 16 oder mehr zu erobern.

          Im direkten Duell gegen den VfL Wolfsburg hatte der HSV freilich schon im Vorjahr ein Abstiegsendspiel für sich entschieden und damals die Wölfe in die Relegation geschickt. „Wir müssen die Spiele mit dem absoluten Überlebensfight annehmen“, sagte Holtby, womit er unterstreicht, dass der Glaube an den Verbleib in der Klasse noch oder wieder vorhanden ist – auch wenn der einzige Auswärtssieg der Saison vom zweiten Spieltag datiert.

          Andererseits deuten 19 Punkte aus 16 Heimspielen auch nicht gerade auf übermäßige Heimstärke, trotz der jüngsten Miniserie: in der Heimtabelle liegt der HSV nur auf Rang 16. Bemerkenswert ist der jüngste Aufschwung aber dennoch, schließlich waren die Abgesänge längst formuliert.

          Trainer Christian Titz hat offenbar so etwas wie Lebensgeist in das Team gebracht und verhältnismäßig viel Erfolg. In fünf Spielen unter seiner Führung gelangen immerhin sieben Punkte. Abgeschriebene Spieler wie Holtby, der schon drei Tore unter Titz erzielte, erlebten einen persönlichen Aufschwung. Allerdings ist die Spielweise weiterhin keine Offenbarung.

          Aber das soll den Hamburgern Recht sein, so lange am Ende wieder mal das Resultat stimmt. Und das heißt: Noch eine Saison in der Bundesliga, dann die 56. des letzten stets erstklassig gebliebenen Gründungsmitglieds der Bundesliga. Der Dino würde weiterleben und die Stadionuhr weiter ticken.

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