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Deutscher Anti-Doping-Kampf : Gute Worte helfen nicht

Anti-Doping-Arbeit ist in Deutschland sehr teuer. Bild: dpa

Staatlich verordnetes Doping im DDR-Spitzensport hat schreckliche Spuren hinterlassen: Doch die Frage, wie viele dieser Altlasten noch immer im deutschen Sport stecken, muss immer wieder gestellt werden.

          Neues aus dem Hamsterrad: Die deutschen Doping-Fahnder hatten sich am Donnerstag namhaften Besuch nach Bonn eingeladen. Neben Travis Tygart, dem amerikanischen Chef-Doping-Jäger, diskutierte Ines Geipel, die Vorsitzende des Vereins Doping-Opfer-Hilfe, über „Anti-Doping-Arbeit früher und heute“. Der Amerikaner zeigte sich tief beeindruckt von den schrecklichen Spuren, die das staatlich verordnete Doping im DDR-Spitzensport hinterlassen hat. Für ihn sei das Schicksal der Doping-Opfer nicht nur Mahnung, sondern Arbeitsauftrag, sagte Tygart. Anschließend lieferte er seine Definition einer unabhängigen Doping-Fahndung. Und brachte das Dilemma der deutschen Anti-Doping-Aufklärung auf den Punkt. Denn während Tygart spektakuläre Erfolge bieten kann, bleiben die Treffer der Nada nach wie vor sehr übersichtlich.

          Gleichzeitig werden Kontrollen und Analysen aber immer teurer; so teuer, dass sich die Spitzenverbände fragen, warum sie maßgeblich für die nächste Budget-Erhöhung aufkommen sollen. Tygart war das Unverständnis über diese sehr deutsche Diskussion am Donnerstag in Bonn deutlich anzusehen. So etwas, sagt er, sei in Amerika schlicht nicht mehr vermittelbar: Wer keine wirklich unabhängige Doping-Aufklärung will, muss die Arbeit eben selbst erledigen und sehen, was er davon hat. Die amerikanischen Ligaprofis, allen voran die Football-Spieler der NFL, wirken jedenfalls nicht wie die vorzeigbaren Saubermänner.

          Anti-Doping-Arbeit ist teuer

          In Deutschland aber wird die Anti-Doping-Arbeit, schon weil sie teuer ist, maßgeblich von der Bundesregierung, dem Deutschen Olympischen Sportbund und den Fachverbänden mitbestimmt. Gleichzeitig blicken sowohl Bundesinnenministerium als auch DOSB immer gebannter auf den Medaillenspiegel bei Olympischen Spielen; so wichtig ist er, dass es, Beispiel Curling, inzwischen schon einzelnen Sportarten an den Kragen geht, wenn die Erfolge ausbleiben. Parallelen zur Medaillenhatz Ost drängen sich zwangsläufig auf. Hinzu kommen die vernachlässigenswerte Erfolgsquote der Nada und ernstzunehmende Umfragen unter Sportlern, die eine weit höhere Doping-Quote auch hierzulande vermuten lassen.

          Es geht also nicht anders, als immer wieder laut und deutlich zu fragen, wie viel DDR 25 Jahre nach dem Mauerfall tatsächlich im deutschen Sport steckt. Bei der Gelegenheit sei an die Folge „Wer gewinnt das goldene Apfelmännchen“ der DDR-Kinderserie „Pittiplatsch“ erinnert. Pitti, der Kobold, und Moppi, der Hund, treffen sich zum Wettkampf ums goldene Apfelmännchen, selbstverständlich ehrlich, großes Ehrenwort. Der Kobold schummelt und gewinnt. Am Ende aber schämt er sich und nimmt das Apfelmännchen nicht an. Im Leistungssport hat die Moral von der Geschicht’ jedenfalls keine erkennbaren Spuren hinterlassen. Gute Worte allein helfen nicht. Ohne Erfolge bleibt die Drohkulisse der Nada schlicht nicht furchteinflößend.

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