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Gruppe H : Erster WM-Punkt für Japan

  • Aktualisiert am

Einen Schritt schneller: Daisuke Ichikawa Bild: dpa

Im Auftaktspiel der Gruppe H erreichten die Gastgeber nach einer klaren Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte gegen Belgien ein 2:2.

          2 Min.

          Im Stadion von Saitama erlebten Japans Fußballfans ein Wechselbad der Gefühle, ehe die WM-Gastgeber mit dem 2:2 (0:0) gegen Belgien ihrem Traum vom Achtelfinale einen wichtigen Schritt näher gerückt waren.

          Nach einem Augenblick der Stille entrollten die „verrücktesten Fans des Landes“ in der Kurve noch einmal die riesige Fahne mit der Aufschrift: „Willkommen im blauen Fußballhimmel“. Die meisten der 55.256 Zuschauer waren im dunkelblauen Nationaldress zum Auftaktspiel der Gruppe H im erschienen.

          „Sie waren mehr als der zwölfte Mann“

          „Sie waren unser zwölfter Mann, und sie verkörpern das neue Japan. Das ganze Land ist heute der Gewinner“, sagte Japans französischer Coach Philippe Troussier. Sein belgischer Kollege Robert Waseige konnte ihm nur zustimmen: „Solche Fans habe ich noch nie erlebt. Sie waren mehr als der zwölfte Mann - und dabei ungemein fair.“

          Troussier schwankte noch zwischen Stolz und Trübsal: „Es war ein historischer erster WM-Punkt für unsere Auswahl. Aber ich bin auch ein wenig frustriert, dass wir die 2: 1-Führung nicht halten konnten. Die Reaktion der Mannschaft nach dem 0:1-Rückstand war einfach wundervoll.“ Die Schlussphase wurde fast zum Powerplay der Hausherren, begleitet von ununterbrochenen „Nippon“-Chören und Trommelwirbeln.

          Vermeindlicher Siegtreffer Japans aberkannt

          Aber ein weiterer Treffer des herausragenden Junichi Inamoto (86.) wurde wegen Foulspiels nicht gegeben - eine sehr umstrittene Entscheidung von Schiedsrichter William Mattus (Costa Rica). „Trotzdem ist auch der eine Punkt sehr wichtig für unser Selbstvertrauen“, meinte Troussier. Zum ersten Mal nach den drei Niederlagen beim Debüt 1998 hatte Japan bei einer WM einen Punkt geholt und kann der nächsten Partie gegen Russland am Sonntag in Yokohama beruhigter entgegensehen. Noch nie hatte ein WM-Ausrichter die zweite Runde verfehlt.

          Als Belgiens Kapitän Marc Wilmots vom Bundesligisten Schalke 04 die Gäste in der 57. Minute mit einem Fallrückzieher in Klaus-Fischer-Manier in Führung gebracht hatte, schien Japan am Boden zerstört. „Das Tor gehört ab sofort in der Rangliste meiner schönsten Tore unter die Top-Drei“, meinte der 33-Jährige anschließend stolz. Doch mit unglaublichem Elan und noch größerer Moral schlug Japan zurück, das vor der Pause nie seinem Anspruch gerecht geworden war.

          „Eine WM ist keine leichte Sache“

          Das 1:1 von Takayuki Suzuki (59.) und das 2:1 durch Legionär Inamoto (68./Arsenal London) lösten orkanartigen Jubel aus, der wohl bis ins 30 km entfernte Tokio zu hören war. Dann aber musste Kapitän Ryuzu Morioka verletzt vom Feld getragen werden - und die zuvor gut stehende Abwehr ließ sich durch Peter van der Heyden (75.) düpieren. Japans „Comeback“ in der Partie war umso höher zu bewerten, weil „Kult-Fußballer“ Hidetoshi Nakata (Parma) die euphorischen Erwartungen nicht erfüllen konnte.

          „Nach dem 2:1 habe ich an unseren Sieg geglaubt, aber wir müssen auch mit einem Punkt zufrieden sein, denn eine WM ist keine leichte Sache“, sagte der reichste japanische Profi. Auch Shinji Ono vom Uefa-Cupsieger Feyenoord Rotterdam glückte nur ein Geniestreich: Der Pass in den freien Raum zu Suzuki, den der als „Schwalbenkönig“ in der J-League verrufene einen Tag vor seinem 26. Geburtstag zum 1:1 nutzte. Für Japans Fußball war der Auftritt der Nationalauswahl ohne Zweifel der größte Tag seit der Gründung der J-League 1993.

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