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Golf : Tino Schuster auf den Fersen von Tiger Woods

  • -Aktualisiert am

Dem Überflieger auf der Spur: Tino Schuster Bild: AP

Am ersten der Tag der 134. British Open in St. Andrews steht der 27jährige Schwabe plötzlich in einer Reihe mit den Golf-Stars. Doch der Deutsche bleibt bescheiden: „Ich möchte jetzt Spaß haben und den Cut schaffen.“

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          Ein Deutscher, der in der Golf-Weltrangliste auf Platz 739 geführt wird, der selbst in der Geldrangliste der Challenge Tour, der zweiten europäischen Liga, nur auf Platz 155 rangiert, als Jäger des Tigers? Vor einer Woche hätte es Tino Schuster wohl für unmöglich gehalten, daß er bei seinem ersten Auftritt bei einem der vier Majors dem Weltranglistenersten Woods auf den Fersen bleibt. Doch am ersten der Tag der 134. British Open in St. Andrews stand der 27jährige Schwabe plötzlich in einer Reihe mit dem zweimaligen US-Open-Sieger Retief Goosen (Südafrika), mit dem zweimaligen Mastersieger Jose Maria Olazabal (Spanien), mit dem englischen Ryder-Cup-Spieler Luke Donald und mit etablierten Tourspielern wie den Australier Wayne Riley und Peter Lonard, die alle 68 Schläge benötigten und damit zunächst zwei Schläge hinter dem Überflieger ihrer Zunft lagen. "Er schlägt einen guten Ball, aber um ganz oben mitzuspielen, muß man auch gut putten können", lobte der 47jährige Bernhard Langer nach seiner Auftaktrunde von 71 Schlägen den jungen Kollegen, der wie Langer mit einem "Besenstiel-Putter" agiert und auf den Rat des Golflehrers Willi Hofmann hört.

          „Das ist der Wahnsinn“

          Erst am Samstag und Sonntag hatte sich der Stuttgarter, der deutsche Amateurmeister der Jahre 1997 und 1998, auf dem Platz von Leven Links nach Runden von 70 und 65 Schlägen mit 135 Schlägen als Dritter hinter Sean McDonagh (134) und Eric Ramsay (134 Schläge) bei der sogenannten lokalen Endqualifikation für das wichtigste Turnier der Welt qualifiziert. Er setzte sich im Stechen um Patz drei gegen den schlaggleichen Engländer Phil Worthington am ersten Extra-Loch durch. "Das ist der Wahnsinn. Ich möchte jetzt Spaß haben und den Cut schaffen. Das wäre phantastisch", hatte Schuster nach seinem Coup jubiliert. Mit der Teilnahme bei dem Saisonhöhepunkt ging für Schuster ein Traum in Erfüllung - und er ist aus dem Traum immer noch nicht aufgewacht.

          Und das obwohl der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (R&A), der Hüter über die Regeln und Traditionen des Spiels, alles versucht hatte, um dem Old Course für die 27. Austragung vor seinem ehrwürdigen Klubhaus an der schottischen Ostküste den modernen Zeiten anzupassen. Fünf Abschläge wurden nach hinten verlegt. Um den Platz um exakt 150 Meter auf 6656 Meter zu verlängern, mußte man sogar über die Grenzen des ältesten Golfplatzes der Welt hinausgehen. Zwei Abschlägen liegen auf den benachbarten Plätzen Eden und New Course, einer auf dem berühmten Himalaya Putting Course. An einigen Stellen ließ man das Gras so hoch sprießen, daß Vijay Singh aus Fidschi und der Südafrikaner Ernie Els, immerhin die Nummer zwei und drei der Weltrangliste, sich darüber aufregten und an die Lotterie von Carnoustie im Jahre 1999 erinnert fühlten.

          Woods läßt sich nicht bremsen

          Doch wie es scheint war alle Mühe des sogenannten "Tiger Proofings" vergebens. Einen Tiger bringt man mit solchen Erschwernissen nicht zur Strecke. Vor fünf Jahren hatte der 29jährige Amerikaner seinen Par-Force-Ritt über den Old Course mit 67 Schlägen begonnen. Am Ende stand der Turnierrekord von 269 Schlägen (19 unter Par) und acht Schläge Vorsprung vor den gemeinsamen Zweiten Els und Thomas Björn (Dänemark). Am Donnerstag setzte der Weltranglistenerste noch einen drauf: Er begann das Turnier mit 66 Schlägen. "Ich bin sehr glücklich. Es war ein großartiger Start. Ich bin sehr zufrieden, wie ich gespielt habe", sagte Woods, der während der zweiminütigen Trauerpause für die Opfer der Londoner Terror-Anschläge an das Glück seiner Mutter dachte, die auf dem Weg nach Schottland in London ein paar Tage Urlaub gemacht hatte und sich während einer der Explosionen nur wenige hundert Meter entfernt in einem Hotel aufhielt.

          Zwar mußte Woods, der vor fünf Jahren in allen vier Runden Besuche in die tiefen Topfbunker vermieden hatte, diesmal gleich dreimal in die Sandkuhlen hinabsteigen. Am 7. Loch verwandelte er dieses Mißgeschick in ein Birdie, als er aus 60 Metern den Ball drei Meter an die Fahne legte. Aber die nächsten beiden Mal konnte selbst der große Meister den Ball nur seitwärts aus dem Hindernis spielen. Zwei Bogeys waren die Folge, aber insgesamt acht Birdies ließen Woods zufrieden auf sein Tagewerk zurückblicken: "Es war eine Fortsetzung meines guten Spiels der letzten Wochen."

          Alle vergleichenden Rückblicke auf das Jahr 2000 lehnte der Afro-Amerikaner ab. Der Wind, der nur mit elf bis dreizehn Kilometer pro Stunde wehte, sei diesmal aus der entgegengesetzten Richtung gekommen: "Heute war es ein ganz anderer Platz." Eines aber ist auch beim dritten Besuch - 1995 hatte Woods als Amateur in St. Andrews den Cut verpaßt - in dem Universitätsstädtchen gleich geblieben: "Ich fühle mich auf dem Old Course wohl."

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