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Golf : Harrington siegt mit frisch geschärftem Blick

  • -Aktualisiert am

Hat sich den Blick schärfen lassen: Padraig Harrington. Bild: dpa/dpaweb

War es der neue Scharfblick? Nach einer Augenoperation hat der Golfer Padraig Harrington den Bogen wieder raus. Der 33jährige Dubliner gewann das mit drei Millionen Euro dotierte Linde German Masters.

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          Bis Sonntag war Padraig Harrington das Sorgenkind in der europäischen Ryder-Cup-Auswahl. Der irische Weltranglistenachte, der von der Branchenhackordnung am höchsten eingeschätzte europäische Golfprofi, hatte seinen vorerst letzten Sieg im November vorigen Jahres bei der Hongkong Open gefeiert. Schlimmer noch: Seine Form in den letzten Wochen ließ zu wünschen übrig. Bei seinen letzten drei Turnieren vor dieser Linde German Masters war er jeweils unter "ferner liefen" gelandet: 45. bei der PGA Championship, 74. bei der NEC Invitational, und bei der BMW International Open hatte er als 110. gar den Cut verpaßt. Das ließ den 33jährigen Dubliner nicht ruhen.

          Augenoperation

          Vorletzten Samstag unterzog er sich am linken Auge einer Lasik-Operation, weil er die Ursache von verfehlten Putts in seiner mangelnden Sehschärfe sah: "Nachdem ich die Laser-Operation schon am rechten Auge vor einiger Zeit hatte, mußte ich links immer eine Kontaktlinse tragen. Ich mußte das Risiko eingehen, um besser zu sehen." Der neue Scharfblick - auch Tiger Woods hatte sich vor einigen Jahren diesem Eingriff unterzogen - und eine zweistündige Gesprächstherapie in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mit dem amerikanischen Sportpsychologen Bob Rotella brachten im Golf Club Gut Lärchenhof in Pulheim die Wende. Der 33jährige Dubliner gewann am Sonntag das mit drei Millionen Euro dotierte Linde German Masters, bei dem Ryder-Cup-Kapitän Bernhard Langer mit seinem Bruder Erwin als Veranstalter fungiert. Harrington kassierte die 500000 Euro Siegesprämie und flog am Montag morgen gemeinsam mit den Langers, sieben Teamkameraden und einem insgesamt knapp 30 Offiziellen großen Troß mit einem Privatjet nach London, wo das gesamte Team am frühen Nachmittag mit einer Sondermaschine nach Detroit weiter reiste. Im Gepäck hatte Harrington nicht nur die Trophäe für seinen neunten Sieg auf der europäischen Tour, sondern auch noch jede Menge frisches Selbstvertrauen für das Prestige-Duell gegen die besten Amerikaner vom Freitag bis Sonntag im Oakland Hills Country Club in Bloomfield Hills, einem Vorort der Automobilstadt.

          Harrington hatte am Donnerstag mit 66 Schlägen geführt; 75 Schläge am zweiten Tag hatten ihn zurückgeworfen, doch am Samstag hatte er sich mit der besten Tagesrunde von 64 Schlägen als erste Verfolger des nach zwei und drei Runden führenden Iren Graeme McDowell etabliert. Am Sonntag schließlich machte er mit einem Birdie am 9. Loch den Drei-Schläge-Rückstand auf den 24jährigen McDowell wett. Am elften Loch ging er erstmals in Führung - ein Vorteil, den er sich nicht mehr nehmen ließ. Nach seiner Schlußrunde von 70 Schlägen gewann er mit insgesamt 275 vor dem australischen Linkshänder Nick O'Hern (278). McDowell (279) fiel gar auf den dritten Platz zurück, den er sich mit dem Franzosen Raphael Jacquelin teilte.

          127 200 Euro für Cejka

          Alexander Cejka, der den Schlußtag als Fünfter mit sechs Schlägen Rückstand auf McDowell begonnen hatte, konnte an dem extrem windigen Tag nicht in den Kampf um den Sieg eingreifen. Der Münchner begann seine Runde zwar mit einem Birdie, aber auf dem durch den starken Wind und das dichte Rough am Rand der Spielbahnen sehr schweren Platz, reichte es nicht zu den von ihm angepeilten 64 oder 65 Schlägen. Mit 72 Schlägen (insgesamt 280) mußte er sich mit dem fünften Platz begnügen, kassierte dafür immerhin noch 127200 Euro. Außerdem blieb ihm die Genugtuung, daß er mit Ausnahme von Harrington die anderen sieben europäischen Ryder-Cup-Spieler, die in Pulheim mit von der Partie waren, hinter sich ließ - ein schwacher Trost, denn wenn Europas Elite am kommenden Wochenende den Ryder Cup verteidigt, kann Cejka nur zusehen. "Eines Tages werde ich sicher im Ryder Cup spielen", sagte der 33jährige Deutsche, "in der Mannschaft der Vereinigten Staaten steht mit Jay Haas ja ein Fünfzigjähriger. Da habe ich noch viel Zeit, ich bin noch jung."

          Harrington ist wie Cejka 33 Jahre alt, aber er gehörte schon zum Team, das vor zwei Jahren in Sutton Coldfield in "The Belfry" die Amerikaner bezwang. Über seine Qualifikation über die Weltrangliste herrschte nie Zweifel. Im Gegensatz zu den meisten Kollegen mußte er nie um seinen Platz im Team bangen - und trotzdem lief es für ihn nur bei zwei Turnieren einigermaßen zufriedenstellend: Zweiter bei der Deutsche Bank SAP Open in St. Leon-Rot und Zweiter bei der Irish Open. Deshalb wandte er sich an Rotella, der viele amerikanische Tourspieler berät und mit seinen Golfbüchern weltweit bekannt wurde. Bis ein Uhr nachts flößte der promovierte Psychologe dem Iren unmittelbar vor Turnierbeginn Selbstvertrauen ein - mit Erfolg.

          Als Erfolg hakte auch Thomas Gögele das Turnier ab. Der 33jährige Münchner landete auf dem 23. Rang, war damit nach Cejka der zweitbeste Deutsche - eine erstaunliche Leistung für einen Gelegenheitsspieler, der seine Karriere auf der europäischen Tour von drei Jahren beendet hatte, weil er des Zigeunerlebens überdrüssig war. Er versuchte sich als Journalist und Turnierdirektor bei der PGA of Germany. Aber spätestens am Sonntag dürfte der Lebensgefährte der Münchner Tourspielerin Nicole Stillig wieder entdeckt haben, wie vorzüglich gutes Golf entlohnt wird. Er kassierte rund 30000 Euro Preisgeld - dafür muß man in anderen Berufen lange schuften.

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