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Golf : Donald fühlt sich wie Lucky Luke

  • -Aktualisiert am

Der Kapitän, der Pokal und die Teams: Bernhard Langer in Eichenried Bild: AP

Alex Cejka und Fredrik Jacobson haben keine Lobby. Kapitän Bernhard Langer ergänzte das british-irisch dominierte Ryder-Cup-Team durch zwei Spieler von der Insel: durch den schottischen Routinier Colin Montgomerie und den englischen Neuling Luke Donald.

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          EICHENRIED. Lucky Luke - am Sonntag wird sich der Golfprofi Luke Donald ein wenig wie der Comic-Cowboy, dem bei seinen Aufräumarbeiten im Wilden Westen immer das Glück hold ist, gefühlt haben. Der 26jährige Engländer wird in der Weltrangliste, in der er Platz 47 belegt, hinter seinen direkten Konkurrenten Alexander Cejka (42) und Fredrik Jacobson (26) geführt. Er wurde am Sonntag bei der BMW International Open, bei der der Spanier Miguel Angel Jimenez bereits seinen vierten Saisonsieg feierte, als Zwanzigster sowohl von dem Deutschen (Platz 3) als auch von dem Schweden (6) deutlich geschlagen.

          Und doch entschied sich der europäische Ryder-Cup-Kapitän Bernhard Langer für den in Chicago lebenden amerikanischen College-Meister von 1999. Donald erhielt die zweite Wildcard. Langers erste Wahl war der 41jährige Schotte Colin Montgomerie, der sich durch seine exzellente Ryder-Cup-Bilanz (16 Siege, 5 halbierte Matches, 7 Niederlagen, aber keine in sechs Einzeln) und dem dritten Platz in Eichenried für seine siebte Teilnahme an diesem Kontinental-Wettstreit gegen die Auswahl der Vereinigten Staaten aufdrängte.

          Siege in Amerika und Europa

          Das kann man von Donald nicht behaupten, obwohl er schon lange als Favorit gehandelt wurde. Für das 1,75 Meter große Leichtgewicht (73 Kilo) wog bei Langer schwer, daß er sowohl auf der US PGA Tour (Farm Bureau Classic 2002) als auch vor vier Wochen auf der PGA European Tour das Scandinavian Masters gewonnen hatte - Siege auf beiden Seiten des Atlantiks, die keiner der anderen Wildcard-Aspiranten aufweisen kann.

          Langer begründete seine Entscheidung für Donald auch damit, daß er beim Walker Cup, dem Duell der besten Amateure aus Großbritannien und Irland gegen die Vereinigten Staaten, eine exzellente Bilanz (7 Siege, 1 Niederlage) aufweise und damit seine Stärke im Lochspiel bewiesen habe. Außerdem sei Donald, der für Profis den Ball eher kurz schlägt, mit seiner Präzision und seinem Feingefühl im kurzen Spiel für den Platz des Oakland Hills Country Club bei Detroit, wo vom 17. bis 19. September der Ryder Cup ausgetragen wird, besser geeignet. Eine Rolle dürfte allerdings auch gespielt haben, daß sich in der von Briten und Iren dominierten Mannschaft fast alle Insulaner für Donald stark gemacht hatten.

          „Cejka bester der letzten Wochen“

          Jacobson und Cejka hatten dagegen keine Lobby, obwohl Langer ausdrücklich sagte, daß Cejka in den letzten Wochen die besten Ergebnisse erzielt habe. Jacobson, dessen Schwung mit der Kippbewegung (Reverse Pivot) eher der Bewegung eines Freizeitgolfers ähnelt, verfehlte die automatische Qualifikation nur hauchdünn. Hätte er wie Cejka in Eichenried am 18. Loch ein Eagle gespielt, wäre er statt des Engländers Ian Poulter ins Team gerückt. So darf Jacobson, in der Weltrangliste immerhin fünftbester Europäer, nicht mitreisen, wenn am 13. September, am Montag nach dem Linde German Masters, die Sondermaschine mit dem europäischen Team, den Spielern Paul Casey, Donald, David Howell, Ian Poulter (alle England), Padraig Harrington, Paul McGinley (beide Irland), Sergio Garcia, Jimenez (beide Spanien), Darren Clarke (Nodirland), Thomas Levet (Frankreich) und Montgomerie sowie Kapitän Langer, seinem Vize Anders Forsbrand und seinen Assistenten Joakim Häggman (beide Schweden) und Thomas Björn (Dänemark) nebst Ehefrauen, Lebenspartnerinnen und Offiziellen nach Detroit fliegt.

          Während Jacobson aus der Enttäuschung über seine Nichtberücksichtigung kein Hehl machte, war Donald überglücklich, nachdem ihn die frohe Kunde auf dem Flughafen per SMS erreichte. "Natürlich bin ich hoch erfreut, daß mich Langer nominierte. Im Ryder Cup zu spielen ist ein Traum, etwas, wovon ich geträumt habe seit ich 2001 Profi wurde." Wenn dem wirklich so war, benötigte Donald sanften Druck, um sich diesen Traum zu erfüllen. Lange Zeit sträubte er sich, Mitglied der Europa-Tour zu werden, eine Vorbedingung, um für die Auswahl des alten Kontinents zu spielen. Erst im Frühjahr wurde der fast ausschließlich in seiner amerikanischen Wahlheimat spielende Donald assoziiertes Mitglied; seit seinem Sieg in Schweden ist er Vollmitglied. Seit Sonntag gehört der ehemalige Kunststudent und Hobbymaler, dem sein Bruder Christian als Caddie dient, ganz offiziell zur europäischen Elite.

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